Aachen - „Menschen 2017“: Der Präsident und sein Herz für Amateure

„Menschen 2017“: Der Präsident und sein Herz für Amateure

Von: Rebecca Boucsein
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Sportlich, erfolgreich, ausgezeichnet: Die Dürener Powervolleys nehmen bei der Gala „Menschen 2017“ die Trophäe als „Mannschaft des Jahres“ entgegen. Foto: Krömer
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Die 24-Stunden-Schwimmerin Vera Niemeyer und der Thaibox-Weltmeister Frederic Fraikin sind „Sportler des Jahres“. Foto: Andreas Steindl
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Ingo Müller erhält den Egidius-Braun-Preis. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Özil, Boateng, Müller, Neuer: Sie alle kennt Reinhard Grindel als oberster Repräsentant des deutschen Fußballs natürlich persönlich, und an die Profis denkt man, wenn der Name des mächtigen DFB-Bosses fällt. Doch die meisten der 6.969.464 Fußballer, deren Chef der 56-Jährige ist, sind Amateure.

Sie und die zahlreichen ehrenamtlichen Betreuer, Platzwarte und Trainer sind es – das macht der DFB-Präsident auf der Bühne der Gala „Menschen 2017“ von Aachener Zeitung und Aachener Nachrichten unmissverständlich klar –, die ihm besonders am Herzen liegen. „Wir wollen die 25 000 Amateurvereine weiterentwickeln“, betont der sichtlich entspannte Fußballboss im Gespräch mit Chefredakteur Bernd Mathieu.

Grindel ist kein Freund von „Schaufensterbotschaften“, wie er das nennt. Und so folgt die Konkretisierung für die rund 600 Zuschauer auf dem Fuße: Mit einer mit der DFL vereinbarten Ausbildungshonorierung sollen Amateurvereine für Spieler entschädigt werden, die wegen eines Lizenzspielervertrags weggegangen sind.

Die Basis zu stärken und den Fußball für den Nachwuchs attraktiv zu halten, darum gehe es: „Das Leben im Fußball endet nicht, wenn man es nicht in die Bundesliga oder in eines der Nachwuchsleistungszentren der Profiklubs schafft“, hatte Grindel bei einer Visite im August beim SV Breinig, dem Heimatverein des DFB-Ehrenpräsidenten Egidius Braun, deutlich gemacht. Der 56-jährige Grindel ist an diesem Abend auch zur Gala gekommen, um den nach dem Ehrenpräsidenten benannten Egidius-Braun-Preis für herausragendes ehrenamtliches Engagement im Sport zu verleihen.

Die Heimat ist der Verein

Den nimmt Ingo Müller freudig entgegen. Das Herz des 55-Jährigen schlägt für seinen Heimatverein: Seit 35 Jahren ist er Jugendleiter beim FC Düren-Niederau. Zu der Rolle kam er nicht ganz freiwillig: Mit 16 bekam der talentierte Fußballer ein Angebot vom 1. FC Köln. Sein Heimatverein wollte ihm keine Steine in den Weg legen, hatte aber eine Bedingung: Müller sollte eine Juniorenmannschaft übernehmen – und dabei ist es geblieben.

„Der Verein“, sagt Müller, „ist meine Heimat“. Was ihm fehlt, ist mehr Platz fürs Training. Mit dem Dürener Landrat Wolfgang Spelthahn sei man da auf einem guten Weg, sagt Müller. Ein bisschen Unterstützung in der Sache kann aber sicher dennoch nicht schaden, und so ergreift der Präsident des größten Sportverbandes der Welt beherzt das Wort: „Wenn Sie heute einen Kunstrasenplatz bauen, Herr Landrat, dann sparen Sie nachher, weil es weniger adipöse Kinder gibt“, sagt Grindel augenzwinkernd.

Mindestens genauso heimatverbunden wie Ingo Müller ist der Thaibox-Weltmeister und frisch gekürte „Sportler des Jahres“ Frederic Fraikin. Der Aachener studiert an der Sporthochschule in Köln, fährt aber jeden Tag wieder in seine Heimatstadt zurück. Auf der Bühne nimmt der Kampfsportler das Publikum direkt mit seinem Charme für sich ein, den Trainer Frederick Jungheim, nach seinem „größten Talent“ gefragt, einmal wie folgt beschrieben hat: „Er ist ein Typ, über den jede Schwiegermutter glücklich wäre.“ Außerdem sei er höflich, verlässlich und diszipliniert. Viele Qualitäten hat er also, der Kampfsportler, der eben nicht wie eine „Bulldogge“ daherkommt – eine Disziplin aber, die geht ihm ab: das Tanzen. Das steht auch auf dem Lehrplan der „SpoHo“ – „leider“, wie Fraikin mit hörbarem Bedauern erzählt.

Wasser – das ist das Element von Vera Niemeyer. Die Aachenerin schwimmt unglaubliche 96,3 Kilometer in 24 Stunden – Weltrekord. Da ist die Ehrung als „Sportlerin des Jahres“ eigentlich überfällig. Die 27-Jährige freut sich immer über Zuschauer bei Wettkämpfen: „Ich gucke mir die Menschen an – irgendwie muss man sich in der Zeit ja beschäftigen.“ Doch auch kurze Distanzen liegen ihr: 2017 wurde sie Bezirksmeisterin im Becken sowie Bezirks- und NRW-Meisterin im Freiwasser, wo Niemeyer auch DM-Silber in ihrer Altersklasse gewann.

Für die Dürener Powervolleys ist es schon „eine schöne Gewohnheit“ als „Mannschaft des Jahres“ auf der Bühne zu stehen – sie erhalten den Preis nicht zum ersten Mal. „Wir dürfen wieder unsere weißen Hemden anziehen und hier vor Publikum stehen “, erzählt Kapitän Jaromir Zachrich grinsend. Der Tabellenvierte, der auch um den Europacup kämpft, ist zufrieden mit der Saison. Das dürfte auch an der Strategie des neuen Trainers Stefan Falter liegen: Er setzt auf ein gutes Mannschaftsklima. Das bringe Stabilität.

Und dann ist da noch ein Thema, das Fußballfans 2017 umgetrieben hat und wohl auch weiter umtreiben wird. Die Rede ist vom Videobeweis. Wie er es denn mit dem umstrittenen Modellprojekt halte, fragt Bernd Mathieu den DFB-Präsidenten. Der bittet um Geduld – und glaubt an einen positiven Ausgang. „Ich hoffe, dass wir am Ende sagen können: Es macht den Fußball gerechter.“ Mit Blick auf die Fußball-EM 2024 rechnet Grindel mit einer exzellenten Bewerbung der Türkei. Der DFB wolle in seiner Bewerbung deutlich machen, dass es nicht nur darum gehe, ein gutes Turnier organisieren zu können: „Wir wollen in der Mitte Europas ein Fußballfest ohne Angst mit vielen Nationen feiern, während sich manche Länder Europas zu sehr aufs Nationale konzentrieren.“

Die gesamte Gala „Menschen 2017“ gibt es noch einmal zum Ansehen:

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