Mazan Moslehe: Vom Alemannia-Stürmer Nummer drei zur Nummer eins

Von: Klaus Schmidt
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Moslehe
Er liebt den Ball am Fuß: Alemannia-Stürmer Mazan Moslehe. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Wenn sich die Dinge zunächst nicht so entwickeln, wie man das gerne hätte, dann tut ein besonnener Trainer gut. Also sagte Peter Schubert: „Du musst geduldig bleiben.“ Im Sommer war Mazan (ausgesprochen: Masin) Moslehe vom Nord-Regionalligisten Goslarer SC zu Alemannia Aachen gewechselt, er musste nach einer Schulterverletzung und sechs Wochen Pause erst mal fit werden. „Aber jetzt“, sagt Moslehe, „bin ich sehr sehr glücklich.“

Vor kurzem noch Stürmer Nummer drei, seit zwei Spielen in der Startelf und Stürmer Nummer eins mit Tor-Premiere beim 2:1 in Wiedenbrück: „Ich weiß das einzuschätzen“, von wegen Fußball und Tagesgeschäft. Die Gedanken kreisten dann auch eher darum, „was ich schlecht gemacht habe – kein zweites Tor. Das hat mich gestört.“

23 Jahre jung ist der schnelle Techniker, der den Ball am Fuß braucht („Ich hasse Kick and Rush“), und hat schon einiges erlebt. Die Eltern waren 1989 mit sechs Kindern vor dem Krieg im Libanon geflüchtet. 1990 kam Mazan Moslehe in Berlin zur Welt, er wuchs im Harz auf und zog mit 14 ins Jugend-Internat des Hamburger SV.

Als B-Junior feierte er sein Debüt in der A-Junioren-Bundesliga: eingewechselt in Erfurt, 0:3-Rückstand in der 80. Minute, der HSV dazu noch in Unterzahl, und dann schoss Moslehe drei Tore beim 5:3-Sieg. Rodolfo Esteban Cardoso war sein großer Förderer. „Wir haben immer noch Kontakt. Ich habe Cardoso extrem viel zu verdanken, er hat immer an mich geglaubt.“ Moslehe sollte einen Vertrag bei der U23 erhalten, doch Jens Todt, damals Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, hatte was dagegen.

Mit 19 versuchte Mazan sein Glück beim SV Kapfenberg, machte für den österreichischen Bundesligisten aber kein einziges Spiel – wegen eines eher zufällig festgestellten Knorpelschadens. „Es ist ein kleines Wunder, dass ich wieder Fußballspielen kann“, sagt Moslehe, doch das hat mit einer anderen Geschichte zu tun. WM-Achtelfinale 2010, Public Viewing in Hamburg: „Ich war zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort.“ Er wollte seine beste Freundin, die von einem Drogenabhängigen angegriffen wurde, beschützen und wurde selbst Opfer einer Messerattacke.

Achselarterie links durchtrennt, Nerven und Muskeln zerfetzt – nur die Geistesgegenwart einer zufällig in der Nähe stehenden Krankenschwester rettete Moslehes Leben. Siebenstündige Notoperation, Koma, die Amputation des Armes drohte. Der Daumen ist immer noch gelähmt, auch in der Hand spürt Alemannias Nummer 28 wenig. „Aber die brauche ich ja auch nicht für den Fußball...“ Geburtstag feiert der Rechtsfuß, der mittlerweile mit links besser schießt, nun zwei Mal im Jahr: am 8. April und am 27. Juni. „Ich habe das für mich verarbeitet und hatte keine psychischen Probleme.“

Bei Teutonia Uelzen feierte Moslehe im Februar 2011 sein Comeback, über den TSV Ottersberg (ebenfalls Oberliga Niedersachsen) kam er nach Goslar und schließlich an den Tivoli. „Ich hatte auch ein Angebot von Hessen Kassel. Aber zum einen kannte mich Peter Schubert aus meiner Zeit beim HSV, zum anderen ist das Drumherum hier bei Alemannia einfach großartig. Ich habe hier nicht unterschrieben, um nach einem Jahr wieder zu gehen. Hier soll etwas entstehen, da will ich dabei sein.“ Sein Vertrag läuft bis 2015.

Mazan Moslehe hat nach dem Ende der Pleiten-Serie klare Vorstellungen von der nahen Zukunft. „Eine komplett neue Mannschaft muss sich einspielen. Aber jetzt muss es so weitergehen“, mit Siegen, um „da unten rauszukommen.“ Ein Platz unter den ersten Zehn sollte drin sein, „wenn wir uns stabilisieren“.

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