Matthias Flohr: „Ich will einfach guten Handball spielen“

Von: Lukas Weinberger
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Das letzte Spiel für seinen Herzensklub: Matthias Flohr (links) im Trikot des HSV Hamburg gegen Balingen-Weilstetten. Foto: sports/objectivo

Skjern/Aachen. Wer Matthias Flohr vor ein paar Monaten gefragt hätte, ob er den HSV Hamburg denn einmal verlassen würde, der hätte ziemlich sicher ein ungläubiges Lächeln des Handballers geerntet. Zwölf Jahre hat der Aachener für den Klub aus dem Norden gespielt, er ist mit ihm Deutscher Meister und Champions-League-Sieger geworden, und er hätte seine Karriere wohl beim HSV beendet, wenn der Verein nicht vor ein paar Wochen seinen Rückzug aus dem Spielbetrieb beschlossen hätte.

Flohr, 33, ist nach Dänemark zu Skjern Håndbold gewechselt, es ist seine erste Auslandsstation; dort spielt er in der Champions League und um die Meisterschaft. Im Interview spricht er über die letzten Wochen bei seinem Herzensklub, sein neues Team und die Pläne für die Zukunft.

Herr Flohr, was sehen Sie, wenn Sie aus Ihrem Fenster schauen?

Matthias Flohr: Im Moment ist es ziemlich trüb, das Wetter kann sich nicht so richtig entscheiden. Mal ist es über null Grad, mal darunter; mal regnet es, mal schneit es ein bisschen. Irgendwie ist es wie der späte Winter in Hamburg. Oder auch der in Aachen.

Gilt das denn auch für das restliche Leben in Skjern?

Flohr: Nein, das ist komplett konträr, vor allem im Vergleich zu Hamburg. Das Haus liegt mitten im Grünen, die Nordsee ist nicht weit, richtig idyllisch. Die dänische Sprache ist zwar ziemlich schwer, ich habe mich ja auch quasi gar nicht darauf vorbereiten können, aber wir haben uns als Familie schon ganz gut eingelebt. Es ist so, wie ich es mir gewünscht haben: Im Handball wieder Vollgas geben, im privaten Bereich entschleunigen. Gerade nach der ganzen Hektik in den vergangenen Wochen ist das ganz schön.

Wie waren die letzten Wochen beim HSV Hamburg vor dem Rückzug aus dem Spielbetrieb?

Flohr: Wir Spieler haben dieses Hin und Her ja seit Jahren gekannt, wir haben das ja auch ein bisschen gelebt. Es hat lange immer gut gegangen, und deshalb waren wir auch dieses Mal wieder zuversichtlich. Als dann aber klar war, dass es doch ein Ablaufdatum gibt, und dieser endgültige K.o. kam, war das schon ein heftiger Schlag.

Sie haben zwölf Jahre lang für den HSV gespielt, Hamburg war Ihre sportliche Heimat. War dieser Rückzug für Sie schwieriger als für andere Beteiligte?

Flohr: Ich kann natürlich nur meine eigenen Gefühle beurteilen. Es liegt auf der Hand, dass der Verein ein Teil von mir ist. Alles, was ich handballerisch auf die Beine gestellt habe, hängt größtenteils mit dem HSV zusammen. Es tut jedenfalls unheimlich weh, was da passiert ist. Ich kann das immer noch nicht richtig in Worte fassen – auch weil alles so schnell ging. Für mich persönlich ist es auch ein Stück Vergangenheitsbewältigung, dass ich jetzt eine neue Aufgabe habe, mit der ich mich voll identifiziere und in die ich meine ganze Leidenschaft stecken kann.

Warum haben Sie sich ausgerechnet für Skjern entschieden?

Flohr: Ich hatte tatsächlich ein paar Optionen, aus der Bundesliga, der Zweiten Liga, aus dem Ausland, aber Skjern hatte das beste Gesamtpaket. Für mich als Sportler, für uns als Familie. Die Mannschaft ist ambitioniert, wir spielen in der dänischen Liga eine gute Rolle, sind noch in der Champions League. Der Verein als Ganzes hat vom ersten Gespräch an einen sehr professionellen Eindruck gemacht. Es hat einfach gepasst.

Ihr Team ist Tabellenzweiter, punktgleich mit Ligaprimus Holstebro. Da kann das Ziel nur die Meisterschaft sein?

Flohr: Ja, das ist der Plan. Wir wollen erst mal die Hauptrunde gerne als Erster abschließen, das würde auch einen sicheren Champions-League-Platz bedeuten. Bis zum Titel ist es dann aber noch ein weiter Weg, wir müssen uns dann in den Play-offs durchsetzen: erst in einer Vierergruppe, dann im möglichen Halbfinale und Endspiel.

In der Champions League spielen Sie mit Ihrem Team ums Achtelfinale. Das Hinspiel in Skjern gegen Brest aus Weißrussland endete 31:31, heute steht das Rückspiel an. Ist das noch machbar?

Flohr: Es wird eine sehr schwierige Aufgabe. Wir hätten das Heimspiel gewinnen müssen, haben ja auch lange geführt, dann aber den Faden verloren. Brest ist sehr, sehr heimstark, und gerade in der Champions League ist so ein Heimvorteil enorm. Auf der anderen Seite macht dieses Ergebnis auch die großen Rechenspiele unnötig: Wir müssen siegen.

Sie haben einen Vertrag bis Saisonende unterschrieben. Gibt es einen Plan, wie es danach weitergeht?

Flohr: Skjern ist ein guter Ort, um darüber nachzudenken, und diese Zeit werde ich mir auch nehmen. Ich bin im Moment noch in einer Phase, in der ich das alles sacken lasse, und einfach gut Handball spielen möchte. Was sich daraus ergibt, wird sich zeigen.

Ist eine Rückkehr in die Bundesliga ein mögliches Szenario?

Flohr: Definitiv, es hat auch im Januar ein paar Gespräche gegeben. Der Wechsel ins Ausland war reizvoll, ich bin froh, dass ich diese Chance als fertiger Handballer bekommen habe. Ich will Skjern helfen, aber für die Zukunft ist schon die Bundesliga wieder das Ziel.

Sie verschwenden also noch keine Gedanken ans Karriereende?

Flohr: Nein, ich habe noch richtig Lust, Handball zu spielen. Ich habe mich von meiner Verletzung aus dem vergangenen November gut erholt, bin fit und habe sportlich noch viel vor. Die Karriere steht auf jeden Fall für die nächsten ein, zwei Jahre im Vordergrund, auch wenn ich natürlich weiß, dass es irgendwann vorbei sein wird. Dann muss man sehen, wo man seinen Lebensmittelpunkt setzen möchte.

Und dann gehen Sie zurück nach Aachen?

Flohr (lacht): Es soll wieder ins Rheinland gehen, das steht fest. Ob es aber Aachen werden wird, das kann ich noch nicht sagen.

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