Aachen - Markus Beerbaum: Mit Comanche wieder auf „Kriegspfad“

Markus Beerbaum: Mit Comanche wieder auf „Kriegspfad“

Von: Roman Sobierajski
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Will seine Chance beim Preis von Nordrhein-Westfalen nutzen: Markus Beerbaum. Foto: Thomas Rubel

Aachen. Natürlich wollte sich Ludger Beerbaum das Abschneiden dieses Reiters beim Großen Preis von Europa nicht entgehen lassen. Schließlich war es ja sein „kleiner“ Bruder Markus, der da als erster Starter ins Geviert ging. Und so unterbrach der 53-Jährige seine eigenen Vorbereitungen, um am Einritt auf dem Rücken von Chiara den Auftritt des sechs Jahre Jüngeren anzuschauen.

 „Nun, das war ja nun nicht unbedingt das Gelbe vom Ei“, bewertete Markus Beerbaum anschließend seine eigene Leistung auf Comanche. Bereits am dritten Hindernis fiel die erste Stange, am Ende standen acht Fehlerpunkte plus einem wegen Zeitüberschreitung zu Buche – Platz 42 unter 59 Startern.

Dabei war es genau dieser elfjährige Wallach, der Markus Beerbaum nach zwölfjähriger Pause wieder in die Erste Liga der Reiterwelt zurückbrachte: Ehefrau Meredith Michaels-Beerbaum stürzte in Wellington/USA und brach sich zwei Rippen. „Eigentlich lief es mit Meredith und Comanche recht gut, aber es fehlte dennoch die letzte Harmonie“, beschreibt Markus Beerbaum die weitere Entwicklung.

„Comanche ist eigentlich zu groß für meine Frau, und er braucht einen männlichen Reiter.“ Was lag da näher, als selbst wieder in den Sattel zu steigen? Zumal es auch Markus nicht am Beerbaumschen Familientalent für die Vierbeiner mangelt, sondern eigentlich nur die Pferde fehlten, die die Qualität für die anspruchsvollen Parcours mitbrachten. „Wir hatten eigentlich immer im Hinterkopf, dass ich es noch mal selbst als Reiter versuche.“

Immerhin war der jüngere Beerbaum-Bruder in den 90er Jahren mit dem deutschen Team Welt- und Europameister, belegte beim Weltcup-Finale in Las Vegas mal den dritten Rang.

Große Ziele gesetzt

Doch dann rückte der 47-Jährige zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung zurück ins zweite Glied, coachte seine Frau, die zeitweise Weltranglisten-Erste war, bei ihren Auftritten bei Großereignissen wie Welt- und Europameisterschaften, bei Olympischen Spielen und eben beim CHIO. Zudem trainierte er auch US-amerikanische Reiterinnen wie Alice Firestone, Audrey Coulter oder bis zum vergangenen Jahr auch Lucy Davis. Auch dank des privaten Trainers gewann sie bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro mit der US-Equipe die Silbermedaille.

Auch nach seinem nicht ganz geglückten Auftritt beim Großen Preis von Europa stellte sich Markus Beerbaum als Auftaktreiter sofort uneigennützig in den Dienst der Familie, schilderte seiner Frau und seinem Bruder die Tücken und Feinheiten des Parcours, die kniffligen Stellen und die schnellen Passagen. Große eigene Ziele hat sich der 46-Jährige dennoch gesetzt – auch wenn der Name Beerbaum in diesem Jahr bei der Starterliste für den Nationenpreis fehlt. „Aber das wollen wir natürlich im kommenden Jahr ändern“, kommt die Kampfansage aus Thedinghausen, dem ehemaligen Stall von Gert Wiltfang.

„Für die Zukunft sind wir ganz gut aufgestellt“, blickt Markus Beerbaum optimistisch in die Zukunft. Er selbst geht mit Comanche auf „Kriegspfad“, Ehefrau Meredith hat mit Unbeliveable, Contina und Daisy gleich drei heiße Eisen im Feuer, mit Tequila de Lile zudem noch ein Zukunftsversprechen in der Hinterhand. „Meredith hat insgesamt vier gute, wettbewerbsfähige Pferde, ich selbst habe sechs“, listet der Fußball-Enthusiast das Potenzial auf. Was tatsächlich drin ist, haben die Beerbaums in der vergangenen Woche im schwedischen Falsterbo bewiesen, als das Ehepaar erstmals nach 13 Jahren wieder gemeinsam für die deutsche Equipe ritt – und mit jeweils zwei fehlerlosen Runden den zweiten Platz belegte.

Auch für den CHIO hat Markus Beerbaum noch Chancen, sich für höhere Aufgaben zu empfehlen, auch wenn der heute stattfindende Preis von Nordrhein-Westfalen schon die letzte Chance ist, sich für den Großen Preis von Aachen zu qualifizieren. „Da werde ich schon gehörig unter Druck stehen“, hat der 47-Jährige durchaus Respekt. „Die Wasserhindernisse sind schon speziell, ob es läuft, weiß man erst im Parcours.“

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