Lucas großer Traum von der Formel 1

Von: Klaus Schmidt
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Da gibt einer mächtig Gas: Luca Wollgarten in seinem Element. Foto: MLW-Racingfoto

Koslar. Die größte Enttäuschung seines jungen Sportlerlebens liegt gerade drei Tage zurück. Seit Wochen hatte Luca Wollgarten diesem Ereignis entgegengefiebert, mit 19 Konkurrenten war er im Rahmenprogramm des „Race of Champions” angekündigt.

Welch ein Auftritt - vor 30.000 Zuschauern in der Düsseldorfer Arena, ehe Sebastian Vettel und Michael Schumacher die Bühne betreten. Und dann das: „Wir sind reingefahren, links die Gerade runter und am Ende wieder raus. Das waren vielleicht zehn Sekunden” und alles andere als das angekündigte Rennen des Kart-Nachwuchses. Der Organisation war der Zeitplan aus den Händen geglitten, da opferte man die Jugend.

Die Geschichte des Motorsport-Talents Luca Wollgarten, 11, beginnt mit einem Zufall. Vater Manfred traf vor sechs Jahren auf Sebastian Vettel, der spätere Formel-1-Weltmeister fuhr in Zolder einen Tourenwagen-Test, Wollgarten oblag die technische Betreuung.

„Wir kamen ins Gespräch, ich erzählte, dass mein Sohn mal Kart fahren wollte, wir aber wegen der Altersbeschränkung auf keine Indoor-Bahn durften. Sebastian verschaffte dann den Kontakt zu Richy Schnock”, Betreiber der Gastronomie an der Bahn des Kartclubs Kerpen-Manheim, wo Vettel selbst ins Lenkrad gegriffen hatte.

Die Wollgartens machten sich auf den Weg in die Heimat von Michael Schumacher, Luca setzte sich ins Kart, Vater fuhr voraus - und mit jeder Runde wurde der fünfjährige Filius schneller. Es begann zu regnen, auf Slicks drohte der Abflug von der Strecke, doch Luca fing sein Kart ein. Beobachter sprachen von einem „Naturtalent” und ermunterten Wollgarten senior: „Den Jungen musst du fördern.”

Es ist keine Story aus dem Reich überdrehter Eltern, die ihr Kind mit aller Macht zum Spitzensportler trimmen wollen. „Man darf den Jungen nicht unter Druck setzen”, sagt Manfred Wollgarten. „Ich fahre Kart, weil es mir Spaß macht”, sagt Luca.

Den Ehrgeiz hat er selbst entwickelt. „Ich kann schlecht verlieren”, da fließen auch schon mal Tränen, oder das Kart bekommt einen Tritt ab. Club-Läufe, Winterpokal, die letzten drei Jahre in der Kerpener Challenge: Wollgarten junior hat vor allem in der abgelaufenen Saison einen großen Schritt in seiner Entwicklung gemacht.

„Er fährt jetzt beständig vorne. Er lässt sich nichts mehr gefallen”, sagt Vater Manfred. Auch Mutter Andrea, die das Hobby ihres Sohnes ebenfalls lebt, hat festgestellt: „Luca hält dagegen, er hat gelernt, sich zu verteidigen.”

Namen spielen keine Rolle für den Schüler der Gesamtschule Merzenich: In der Bambini-A-Klasse (zehn PS stark, 90 km/h schnell) hießen die Gegner u.a. David und Mick Schumacher - die Söhne von Ralf und Michael.

Mick gewann zwar die Challenge, Luca Wollgarten wurde Fünfter, weil er durch Krankheit einige Läufe verpasste. Doch im direkten Duell schenkten sich die beiden nichts, die abseits der Piste ein freundschaftliches Verhältnis verbindet. „Da spielen wir auch zusammen Fußball.”

Luca überlegt, wenn er nach seinen Stärken gefragt wird. In Regenrennen fühlt er sich richtig wohl, Vater Manfred stellt darüber hinaus fest: „Er beobachtet erst und fängt dann Feuer. Luca prägt sich Strecken schnell ein und hat sie sofort drauf.” Dem Bambini-Alter ist der „kleine Wollgarten”, der seit diesem Jahr auch Tischtennis beim TTC Jülich spielt, entwachsen.

2011 folgt der Wechsel ins ADAC Masters, KF3 heißt die Klasse, die Karts entwickeln 30 PS und erreichen bis zu 130 km/h. Es ist der nächste Schritt in der Karriere, die später über „Formel BMW oder Formel Renault” dort gipfeln soll, wovon alle jungen Motorsportler träumen: „In der Formel 1.”

Der Junge aus Koslar hat schon mal denselben Förderer wie Sebastian Vettel, der Weltmeister ist auch sein Vorbild. Aber nach einem Autogramm hat Luca bei den Begegnungen in Kerpen-Manheim noch nie gefragt...
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