Lockere Libera Legerstee oder: Die realistische Träumerin

Von: Max Eckstein
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Freier Blick, gute Annahme: ei
Freier Blick, gute Annahme: eine Libera eben - Alemannias Niederländerin Simone Legerstee. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Träumen erlaubt! So sieht es auch Simone Legerstee, die neue Libera in Alemannia Aachens Volleyball-Team. Die 25-Jährige würde schon gerne etwas an ihrem sportlichen Steckbrief ändern. Da steht unter der Rubrik „größte Erfolge” der vierte Platz bei der Jugend-Weltmeisterschaft 2003.

„Um das zu steigern, müsste es schon ein Platz unter den ersten drei Teams in der Bundesliga sein”, schmunzelt die Niederländerin, ohne sich konkret mit derartigen Tabellenregionen zu befassen. Wenn zum Ende der Woche das Saisonziel festgelegt wird, soll es ein anspruchsvolles, aber kein utopisches sein.

Das passt genau zum Charakter der Simone Legerstee, die total auf Teamwork steht. Das wird sogar bei ihrem Hobby deutlich - für Freunde kochen. „Für mich alleine stelle ich mich keinesfalls an den Herd”, berichtet sie, bekommt aber glänzende Augen, wenn sie an gesellige Mittag- oder Abendessen denkt. „Dann gehören mehrere Gänge dazu”, geht die junge Frau ins Detail, die in Maastricht und ihrer Heimatstadt Rotterdam studierte und den Abschluss als Master der Gesundheits-Wissenschaften in der Tasche hat.

Was bei den besagten Anlässen auf den Tisch gebracht wird, ist geprägt von Fantasie. „Ich liebe das Außergewöhnliche.” Auf dem Spielfeld steht die Nummer 1 der „ladies in black”, die in die Fußstapfen von Michaela Balej (Laufbahn beendet) trat, mehr auf Solidität. Das widerspricht keineswegs ihrer Begründung, warum sie vom Liga-Rivalen Aurubis Hamburg ins Dreiländereck wechselte.

„Ich mag es einfach, etwas Neues zu probieren”, sagt die 25-Jährige.
„Außerdem möchte ich weiter dazulernen. Und das kann ich in Aachen auf jeden Fall.” Zudem hat sie beste Erinnerungen an die großartige Stimmung an der Neuköllner Straße, ist regelrecht begeistert davon, dass auch die Gästeteams etwas abbekommen. „Das ist in ganz Deutschland bekannt”, strahlt Simone Legerstee und freut sich darauf, am 19. Oktober erstmals ein Heimspiel in diesem „Volleyball-Tempel” zu erleben.

In dieser Hinsicht ist in ihrem Sport schon einiges geschehen. Da die Mutter selbst am Netz stand, kam Aachens erste Niederländerin in der Eliteliga schon sehr früh in engsten Kontakt mit ihm. „Wenn Training für meine ältere Schwester angesagt war, wurde ich mit in die Halle genommen”, erinnert sich die Libera, um lächelnd hinzuzufügen: „Da ich nicht stillsitzen konnte, habe ich schon bald mitgemacht.” Und das trug dann auch Früchte, als die für die Nachwuchs-Nationalteams Verantwortlichen auf sie aufmerksam wurden. „Nach der Weltmeisterschaft gab es keine Mannschaft mehr für mich”, blickt Simone Legerstee ein wenig wehmütig zurück. „In der Jugendauswahl durfte ich nicht mehr spielen, für das A-Team war ich mit meinen damals 18 Jahren zu jung und unerfahren.”

Da fiel die Entscheidung noch leichter, sich ganz auf das Studium zu konzentrieren, aber dennoch bei Sliedrecht Sport weiter Volleyball zu spielen. Vor gut einem Jahr unterschrieb sie dann in Hamburg ihren ersten Profivertrag. „Da hat sich der Versuch mit zwei Libera nicht bewährt”, schaut sie ohne jeden Groll zurück. „Als mein Manager dann Kontakt zu Stefan Falter hatte, war der Wechsel nach Aachen schnell beschlossene Sache.” Bei den „ladies in black” hat sich die Niederländerin schnell eingelebt, wozu Offenheit und Ehrlichkeit kräftig beitrugen.

Daran ändert auch nichts, dass Simone Legerstee gerne schon mal ihre Umwelt mit lockeren Sprüchen oder „Frotzeleien” aufmischt. Dass sie trotzdem ein ernsthafter Mensch ist, lässt sich nicht nur an der Auswahl ihres sportlichen Vorbilds festmachen. „Maarten van der Weijden fasziniert mich. Er war als Marathon-Schwimmer schon gut, kam aber nach einer überstandenen Krebserkrankung noch stärker zurück”, erklärt der Cappuccino-Fan. „Er hat viel über sich und seinen Sport nachgedacht. Das bewundere ich.”

Aktuell beschäftigt sie sich allerdings mit etwas viel mehr - dem Auftaktspiel bei den Roten Raben in Vilsbiburg. „Wir können endlich voll draufgehen”, strotzt Alemannia Aachens Libera vor Vorfreude und Kampfeswillen. „Das Team will zeigen, was es kann - auch sich selbst. Niemand in unseren Reihen weiß, wo wir leistungsmäßig stehen. Das soll ausgetestet werden.” Dass am Samstag der Daumen nach oben gehen soll, versteht sich von selbst - nicht nur, weil Träumen erlaubt ist.
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