Leichtathlet Jonas Hanßen vergoldet seinen Plan B

Von: luk/ms
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Erschöpft, aber glücklich: Jonas Hanßen ist Deutscher Meister über die 400 Meter Hürden. Foto: sport/Pressefoto Baumann

Wassenberg/Nürnberg. Es kommt nicht besonders oft vor, dass Entscheidungen im wahrsten Sinne des Wortes Gold wert sind. Aber es gibt diese Fälle tatsächlich, bei Jonas Hanßen, 20, ist am Wochenende genau das passiert. Denn eigentlich wollte der Leichtathlet des SC Myhl gar nicht bei den Deutschen Meisterschaften in Nürnberg starten, er hatte die U 23-Europameisterschaft im estnischen Tallinn als Saisonhöhepunkt auserkoren.

Weil ihn aber mehrere Erkältungen zurückwarfen, musste Hanßen dann doch ein bisschen umdisponieren. Die EM-Teilnahme wurde verworfen, die DM rückte in den Fokus. Und genau diese Entscheidung war am Ende Gold wert: Hanßen holte in 49,97 Sekunden den deutschen Meistertitel über 400 Meter Hürden. „Ich bin sehr glücklich, wie das alles gelaufen ist“, sagt Hanßen über seinen vergoldeten Plan B.

Hanßen macht schon seit ein paar Jahren auf sich aufmerksam, in den vergangenen vier Saisons gewann er über die 400 Meter Hürden stets Gold bei den nationalen Titelkämpfen der Jugend – zwei Mal bei der U 18, zwei Mal bei der U 20. Seit dieser Saison startet der Hürdenläufer aus Holzweiler im Kreis Heinsberg in der Männerklasse, er gilt als großes Versprechen für die Zukunft. Das hat er mit dem Meistertitel wieder einmal bewiesen. „Auf diesen Sieg bin ich echt stolz“, sagt Hanßen. „Dass ich nach den Erfolgen in der Jugend direkt einen Titel bei den Männern anschließen konnte, ist schon sehr besonders für mich.“

Experten hatten den jungen Hürdenläufer ohnehin als Medaillenkandidaten auf der Rechnung: Hanßen war mit der besten Vorleistung zur Meisterschaft nach Franken gereist, bei seinem Lauf in Mannheim war er ein paar Wochen zuvor in 49,87 Sekunden das erste Mal unter 50 Sekunden geblieben. „Wenn man als Schnellster zu so einem Wettkampf fährt, malt man sich schon aus, wie das so wäre, wenn man eine Medaille gewinnen könnte“, sagt Hanßen. „Aber im Hürdenlauf ist es nun mal so, dass da zehn Hindernisse im Weg stehen, die einem alles vermiesen können.“

Im Vorlauf am Samstag waren für Hanßen weniger die Hürden, sondern eher der Wind ein Pro­blem. Der habe nämlich ständig gedreht, sagt junge Leichtathlet. Zwischen zwei Hürden habe er seinen Rhythmus wechseln müssen, nachdem ihn eine Böe erfasst hatte. Hanßen zog in 51,19 Sekunden trotzdem souverän ins Finale ein, sein ganzes Können hatte er gar nicht abrufen müssen. Was alles ihn ihm steckt, brachte er im Finale am Sonntag auf die Bahn: Bis zur sechsten Hürde waren die drei stärksten Läufer gleichauf, bis zur neunten lieferten sich Hanßen und der spätere Vize-Meister Georg Fleischhauer (Frankfurt, 50,74 Sekunden) ein Kopf-an-Kopf-Rennen, zwischen den Hürden 9 und 10 setzte sich der junge Heinsberger ab – und lief noch einen deutlichen Vorsprung heraus: Nach 49,97 Sekunden war er im Ziel – Gold und der zweite Lauf unter 50 Sekunden in dieser Saison.

Eine kleine Feier

Groß gefeiert hat Hanßen nicht, ein Essen mit der Familie am Montag war dem Hürdenläufer genug, und am Mittwoch stand er dann auch schon wieder auf dem Trainingsplatz. „So ist das eben als Sportler“, sagt er und lacht. Sein nächstes sportliches Ziel hat er auch schon ins Auge gefasst: die Europameisterschaft der Männer 2016. Umdisponieren will Hanßen da eigentlich nicht mehr.

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