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„Ladies in Black“: Das Glücksspiel endet in Aachen

Von: Roman Sobierajski
Letzte Aktualisierung:
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Schlagkräftige Argumente auf der rechten Außenseite: Jordanne Scott hat in Aachen den Sprung zu den Profis geschafft.

Aachen. Für Jordanne Scott startete das große Abenteuer im Sommer. Die heute 23-Jährige hatte vier erfolgreiche Jahre im Volleyball-Team der Cincinnati Bearcats hinter sich und wird in ihrem Abschlussjahr als erfolgreichste Spielerin gelistet: 502 Sätze und 141 Spiele für die Universitäts-Mannschaft.

„An dieser Stelle ist die Volleyball-Karriere in den USA eigentlich beendet“, erzählt die 1,87 Meter große Außenangreiferin der „Ladies in Black“ Aachen. „Es sei, man sucht sein Glück als Volleyball-Profi im Ausland.“

Familie Scott war zwar schon daran gewöhnt, 200 Kilometer weit zu den Spielen ihrer Tochter zu fahren, aber Europa ist nun mal noch eine ganz andere Hausnummer. So waren „alle ganz schön aufgeregt“, als Tochter Jordanne zusammen mit rund 100 anderen US-amerikanischen Volleyball-Hoffnungen von derselben Spieler-Agentur ins Flugzeug stieg, um ins Vorspiel-Camp in Slowenien zu reisen.

Die 2000 Dollar für Flug, Unterbringung und Agentur-Gebühren mussten die Spielerinnen aus eigener Tasche aufbringen – und dann hieß es Hopp oder Top, einen Verein finden oder mit leeren Händen in die Staaten zurückkehren. „Ich hatte gehofft, dass ein Klub in der Bundesliga auf mich aufmerksam wird. Die Liga ist sehr stark“, erzählt die 23-Jährige, die mit einer „rechten Klatsche“ glänzt.

Davon war dann auch Sportkoordinator Reinhard Strauch überzeugt, zumal der Abschluss über die Position der Diagonalangreiferin auch im Frauen-Volleyball eine immer größere Rolle spielt. Das einwöchige Probetraining im August in Aachen endete jedenfalls mit den Unterschriften unter den Vertrag für die neue Saison.

Neu war dann einiges in der ungewohnten Umgebung für die Frau aus Cincinnati: „Wenigstens die Umgangssprache mit den anderen Spielerinnen und dem Trainer ist Englisch“, hat Jordanne Scott zumindest einen sprachlichen Anker gefunden. Größere Probleme gab es da schon, als es galt, einen fahrbaren Untersatz zu wählen. Während sich die anderen „Ladies“ ein – werbeträchtiges – Auto sicherten, entschied sich Scott für – ein Fahrrad. „Autos mit Schaltgetriebe gibt es in den Staaten fast nicht, und Fahrradfahren gehört hier ja zur Kultur“, begründet die Amerikanerin ihre Entscheidung. Mittlerweile ist die Angreiferin allerdings zur Fußgängerin geworden, weil auch der Diebstahl von Fahrrädern in Europa irgendwie zur Kultur gehört.

Mit dem Spiel gegen Stuttgart am heutigen Samstag (19 Uhr) starten Scott & Co. in der Volleyball-Bundesliga in die Rückrunde, die möglichst an die erfolgreiche Hinrunde anknüpfen soll, die mit dem sechsten Tabellenplatz endete. „Das wird keine einfache Aufgabe werden“, vermutet Aachens Nummer 8. „Viele Teams spielen auf einem hohen Niveau.“

Mit einem erneuten Erfolg gegen Stuttgart könnten die „Ladies in Black“ ihren Anspruch auf Erreichen eines Play-off-Platzes jedenfalls weiter untermauern. „Die Play-offs wären schon ein Riesenerfolg, wenn man bedenkt, wo der Verein zu Beginn der Saison gestanden hat“, erinnert Scott, die mit zunehmender Saisondauer immer stabiler wurde und auch immer besser mit Femke Stoltenborg harmonierte. „In den Staaten endet die Saison im Dezember, deshalb habe ich hier einige Eingewöhnungszeit gebraucht“, musste sich Scott mit acht Monaten Pause an die Umstellung vom Universitäts- zum Profisport herantasten – und spricht gleichzeitig ihrer „Lieferantin“ ein Riesenlob aus. „Femke ist eine großartige Zuspielerin und ein toller Typ.“

Ob es noch eine weitere Saison mit den „Ladies in Black“ oder einem anderen europäischen Verein für Jordanne Scott geben wird, kann die 23-Jährige nicht sicher beantworten und führt als Grund eine Krankheit an, die es in der Form nur in der englischen Sprache gibt: „I‘m homesick.“ Auch Heimweh kann ziemlich niederschmetternd sein.

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