„Ladies in Black“ Aachen: Die Schlacht beginnt lange vor dem Spiel

Von: Roman Sobierajski
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Stärken des Gegners, Schwächen des Gegners: Aachens Trainer Marek Rojko erläutert seinen Spielerinnen das von Scout Kai Niklaus zusammengestellte Videomaterial. Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. Applaus, auch für gelungene Aktionen des Gegners, Küsschen links, Küsschen rechts – für manche eingefleischte Fußballfans sind die Auftritte in der Volleyball-Bundesliga der Frauen überfreundlich und überfriedlich. Dabei sind die ersten Schlachten schon lange geschlagen, wenn die beiden Mannschaften am Spieltag die Halle betreten.

Die Spielerinnen: Vier Tage Zeit bleiben den „Ladies in Black“, um sich bei einem Auswärtsspiel auf den kommenden Gegner vorzubereiten. Der Sonntag ist nach dem Samstagabend-Spiel gegen Stuttgart frei, bereits am Freitag machte sich der Mannschaftsbus auf den langen Weg nach Dresden zum Gegner (17.30 Uhr). Das Montagstraining wird dazu genutzt, wichtige Details der gerade gespielten Begegnung aufzuarbeiten und abzuhaken.

„Ich möchte, dass die Spielerinnen mental mit der letzten Partie abschließen und sich auf die nächste einstellen können“, begründet Trainer Marek Rojko den Sinn. Dienstag- und Donnerstagmorgen ist Krafttraining angesagt, die anderen Einheiten werden im festen Rhythmus dazu genutzt, Elemente des eigenen Spiels zu verbessern – etwa der Angriff nach guten oder schlechten Annahmen – und sich, zunächst in Einzelgruppen, auf Spielzüge des Gegners einzustellen.

Je näher der Spieltag rückt, desto mehr werden die einzelnen eigenen Defensiv- und Offensivaktionen ins Spiel der kompletten Mannschaft integriert. Zudem bekommt jede Spielerin nach dem Video-Meeting am Donnerstagnachmittag einen individuellen Matchplan mit den wichtigsten Details: über welche Position die Angriffe nach guten Annahmen bevorzugt laufen sollen, welche Stärken und Schwächen eine bestimmte Dresdner Angriffsspielerin hat, wie Zuspielerin Mareen Apitz in der Vergangenheit nach eigenen schlechten Annahmen bevorzugt reagiert hat.

Der Scout: Für Kai Niklaus beginnt die Arbeitswoche bereits am Sonntagmorgen. Die eigene Partie vom Abend zuvor muss auf den Server der Deutschen Volleyball Liga hochgeladen werden. Hier sind auch alle anderen bislang gespielten Begegnungen für die Vereine einsehbar, so dass der Scout der „Ladies in Black“ für den Trainer zunächst eine eigene Analyse der letzten vier, fünf Dresdner Spiele erstellt. Teil zwei beinhaltet dann das endlose Sichten von einzelnen Spielschnipseln. Hat die gegnerische Libera vielleicht eine kleine, ausnutzbare Schwäche? Schlägt die Außenangreiferin bevorzugt longline, sind die Angriffe häufiger lang oder kurz?

Teil drei findet live während der Spiele statt: Der Scout erfasst die Qualität der eigenen und der gegnerischen Aktionen und überträgt die relevanten Daten auf den Tablet-PC des Co-Trainers. So kann etwa entschieden werden, welche der gegnerischen Annahmespielerinnen mit dem eigenen Aufschlag unter Druck gesetzt werden soll.

Der Trainer: Er steht vor der schwierigen Aufgabe, sich in den gegnerischen Coach hineinzudenken. Aber wie tief? „Ich wähle etwa meine eigene Aufstellung so, dass eine bestimmte meiner Blockerinnen in der Rotation möglichst häufig gegen eine bestimmte Angreiferin steht“, schildert Marek Rojko eine seiner Überlegungen. „Aber, wenn Dresdens Trainer Alex Waibl das ahnt und sein eigenes Team in der Rotation entsprechend umstellt, dann habe ich das erste Duell schon vor dem ersten Ballwechsel verloren.“

Und wie geht man die Begegnung gegen einen starken Gegner wie Dresden überhaupt an? Kontrolliert abwartend, oder mit Risiko und der Inkaufnahme von eigenen Fehlern. „Ich habe festgestellt, dass die Unterschiede zwischen unserem und dem Dresdner Spiel nur in Details liegen“, ist Rojko zu einem Entschluss gekommen und hat in die Instruktionen für die Spielerinnen noch einen selbstbewussten Satz aufgenommen. „Wir wollen gegen Dresden gewinnen.“

Und wenn die Vorbereitung gut war und der Plan aufgeht, dann kann man auch getrost Küsschen links, Küsschen rechts verteilen.

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