Kritik an Neid nach schlechtem Abschneiden bei Frauen-WM

Von: Frank Hellmann
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Frankfurt. Bislang hat die Öffentlichkeit von einer Managertagung der Frauen-Bundesliga in der DFB-Zentrale eher wenig mitbekommen. Gemeinhin ist die Zusammenkunft nur eine für Insider, die sich über Eckdaten, Neuerungen und Anregungen zur am 29./30. August beginnenden Saison unterhalten.

 Aber nach den Vorkommnissen bei der Frauen-WM besteht Redebedarf. Denkbar schlecht ist schließlich der Vorwurf angekommen, die Vereine hätten die Spielerinnen in einem Zustand entsendet, der nicht mehr als den vierten Rang zugelassen habe.

„Es ist schon etwas irritierend, dass Silvia Neid den angeblich ‚katastrophalen Zustand’ der Spielerinnen erst nach zwei verlorenen Spielen am WM-Ende erwähnt“, entgegnet Siegfried Dietrich vom 1. FFC Frankfurt. Noch härter kontert Bernd Schröder von Turbine Potsdam den Vorwurf: „Der angebliche katastrophale körperliche Zustand trifft auf meine drei Spielerinnen nicht zu. Der unter Druck geratene Hund sitzt in der Ecke und fängt an zu bellen. Ich kann doch nicht einfach pauschal zurückschlagen.“

„Aussagen zu undifferenziert“

Führende Vertreter aus der Frauen-Bundesliga sind nicht gewillt, den Feststellungen der Bundestrainerin zu folgen. Deshalb gibt auch Dietrich als wichtiges Sprachrohr aus der DFB-Kommission Frauen-Bundesliga partout keine Ruhe. „Da die Vereinsbelastungen nicht für alle Nationalspielerinnen gleich waren, halte ich die Aussage von Silvia Neid für zu pauschal und für zu undifferenziert. Sie stellt damit auch die Vereine und die Spielerinnen, die sehr professionell arbeiten, in kein gutes Licht. Mit solchen Aussagen steht man auch schnell als schlechter Verlierer da“, so der 58-Jährige. Der Macher und Vermarkter des Champions-League-Siegers will nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. „Wir sitzen alle in einem Boot und wollen weiter auf Vereins- und Nationalmannschaftsebene zur Weltspitze zählen.“

Dass der Europameister auf dem kanadischen Kunstrasen nicht mehr als Trendsetter wahrgenommen wurde, belegt eine Aussage der ehemaligen Nationalspielerin Ariane Hingst, die für ein Millionenpublikum beim amerikanischen TV-Sender Fox Sports feststellte: „Ich hatte den Eindruck, dass Plan A nicht aufging, und dann fiel der deutschen Mannschaft nichts mehr ein.“ Exakt das war im Kern der Vorwurf von Frankfurts Trainer Colin Bell.

Speziell auf den gebürtigen Engländer, der detailliert die im Trainer-Zuständigkeitsbereich aufgefallenen Versäumnisse angeführt hatte, haben sich die DFB-Vertreter eingeschossen. Generalsekretär Helmut Sandrock bemängelte erneut: „Der Zeitpunkt der Kritik, während eines laufenden Turniers, war absolut unangemessen. Auch die Art und Weise – diese Dinge gehören intern besprochen.“ In dieselbe Kerbe hatte sogar Joachim Löw geschlagen, der Silvia Neid Rückendeckung erteilte: „Was in der Öffentlichkeit vom einen oder anderen Trainerkollegen vorgetragen wurde, ist einfach mieser Stil.“ Wenn der Bundestrainer sich für die Bundestrainerin stark machen muss, hat der Frauenfußball zumindest eines erreicht: Aufmerksamkeit.

Neue Form der Streitkultur

Dietrich fordert eine neue Form von Streitkultur und Kritikfähigkeit. Nicht zur Disposition steht für ihn die Bundestrainerin selbst.

Da geht der seit Jahren schärfste Neid-Kritiker Schröder jedoch weiter. Bevor die separierte deutsche Delegation in zwei getrennten Linienflügen – einer nach Frankfurt, einer nach München – am Montag in der Heimat landete, hatte der 72-Jährige die Frage aufgeworfen, ob sich Neid die Olympischen Spiele 2016 noch antun solle, die für die 51-Jährige ohnehin nicht den Reiz besitzen wie immer vermutet wird. „Ich würde mir in der Situation schon die Frage stellen, ob es gut ist, weiterzumachen.“

Neid selbst reagierte nach der Landung am Montag in Frankfurt eher gelassen. „Ich mache jetzt erst einmal Urlaub, den habe ich mir verdient. Die Bundesligatrainer können sich ja zusammensetzen...“

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