Köln und der nächste bittere Rückschlag

Von: Lukas Weinberger
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Ein Schlag für Pierre-Emile Höjbjerg – und irgendwie auch für den FC: Kölns Dominic Maroh (rechts) verschuldete nach nur einer Minute einen Elfmeter für Schalke, der zum 0:1 führte. Foto: sport/Chai v.d. Laage

Köln. Leonardo Bittencourt hat nach seinem Tor am Samstagnachmittag gegen Schalke 04 natürlich gejubelt, er breitete die Arme aus, blickte zum Himmel und schrie seine Freude hinaus. Ein besonderes Tor. Dieses zwischenzeitliche 1:2 in der 34. Minute war Bittencourts erster Treffer im Trikot des 1. FC Kölns, nach 1657 torlosen Minuten und etlichen vergebenen Chancen.

Bittencourt, 21, hat ihn mit dem Kopf erzielt, obwohl er ja nur 1,71 Meter groß ist, direkt vor der Kölner Südkurve. Aber als der Offensivspieler nach dem Spiel dann etwas dazu sagen sollte, druckste er ein bisschen herum, die Freude war nicht mehr da, Bittencourt sagte: „Wenn ich mein Tor gegen einen Sieg eintauschen könnte, würde ich es sofort tun.“ Köln hatte dieses Spiel gegen Schalke ja mit 1:3 verloren, und deshalb konnte sich Bittencourt am Ende auch nicht so recht über sein Tor freuen: „Es hat rein gar nichts gebracht.“

Diese Kölner Niederlage war kein Resultat einer schwachen Leistung, eigentlich hatte der FC ganz gut gespielt. „Schwer in Ordnung“, fand Peter Stöger, Kölns Trainer. Er lobte die Leidenschaft seiner Mannschaft, die Aggressivität, die Laufbereitschaft, auch das Herausspielen von Chancen.

Das Problem an diesem Samstagnachmittag war, dass der FC nur eine davon nutzte. Die Offensivspieler hatten aber durchaus Chancen, weitaus mehr Tore gegen Schalke zu erzielen, aber sie taten es nicht – und das, obwohl Torjäger Anthony Modeste sich nach seiner Kopfprellung rechtzeitig für das Spiel fit gemeldet hatte. Es war aber ausgerechnet der sonst so treffsichere Modeste, der gleich vier große Möglichkeiten vergab. Ob er vielleicht noch nicht ganz gesund gewesen sei, wurde Peter Stöger gefragt. Der Kölner Trainer sagte: „Er hat gezeigt, dass er nicht gehandicapt war, ist in Zweikämpfe gegangen, in Kopfballduelle, hat sich Chancen herausgearbeitet – und sie leider vergeben.“

Auch Bittencourt hätte schon vor seinem Tor treffen müssen; er hatte alleine vor Ralf Fährmann gestanden, der blitzschnell reagierte (15.). Der Schalker Torwart ließ die Kölner noch öfter verzweifeln, spätestens, als er auch noch einen schönen Schlenzer von Philipp Hosiner über die Latte lenkte (73.), war klar, dass der FC an diesem Tag nicht mehr als dieses eine Tor schießen würde. Und Stöger stellte nachher nüchtern fest: „Wir haben unsere Möglichkeiten nicht verwertet, und dann gewinnst du gegen Schalke eben nicht.“

Die Gelsenkirchener waren an diesem Tag wesentlich effizienter, und sie hatten ja auch die Schützenhilfe des FC bekommen. Es war noch nicht einmal eine Minute gespielt, da verursachte Kölns Abwehrchef Dominic Maroh den schnellsten Strafstoß der Saison, und Klaas-Jan Huntelaar schoss vom Elfmeterpunkt das 1:0 (2.). Maroh sah dazu noch die Gelbe Karte, seine fünfte in dieser Saison, gegen Hannover fehlt er gesperrt, er sagte: „Das macht den gebrauchten Tag perfekt.“ Auch sonst war der FC defensiv nicht immer auf der Höhe, bei den Toren von Max Meyer (23.) und Franco Di Santo (76.), aber auch bei den weiteren Schalker Chancen darüber hinaus. Dieses Spiel war ja vor allem in der ersten Halbzeit ein solches Offensivspektakel mit defensiven Nachlässigkeiten gewesen, dass es zur Pause 5:5 hätte stehen können.

Dass es am Ende aber nun einmal 3:1 für Schalke stand, lässt die Gelsenkirchener wieder von der Champions League träumen, der FC muss seinen Blick wieder nach unten richten. Nur sechs Punkte haben die Kölner in acht Spielen geholt, schlechter ist nur Schlusslicht Hannover (drei), von Relegationsplatz 16 ist Stögers Team nur noch sechs Punkte entfernt.

Nervös wird beim FC aber deswegen noch niemand, Sportchef Jörg Schmadtke sagte: „Ich bin weit davon entfernt, jetzt unruhig zu werden.“ Und Stöger wies noch einmal an, dass er und die anderen Verantwortlichen ja nicht umsonst nur den Klassenerhalt und nicht die Qualifikation für die Europa League als Ziel ausgerufen hätten. Der enttäuschte Bittencourt sagte: „Wir müssen einfach weiter hart arbeiten, dann kommen auch die Punkte zurück.“ Und Tore sollten sie schießen.

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