Köln krönt sich zum König der Nullnummern

Von: Lukas Weinberger
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Und wieder gibt‘s kein Durchkommen: Startelf-Debütant Bard Finne (rechts) ist zwar bemüht, wird aber in dieser Szene vom energischen Paderborner Kapitän Uwe Hünemeier gebremst. Foto: sport/Moritz Müller

Köln. Am Ende prangten wieder die beiden übergroßen Nullen auf der Anzeigetafel im Rhein-Energie-Stadion, ein Bild, an das sich Spieler, Trainer und Fans des 1. FC Köln mittlerweile gewöhnt haben dürften. Die Nullnummer gegen den SC Paderborn war die dritte in Folge im eigenen Stadion, insgesamt schon die fünfte in dieser Saison, der Bundesliga-„Rekord“ aus der Saison 1988/89 ist damit eingestellt.

Nur acht Punkte hat der FC in zehn Spielen vor seinem Publikum geholt, nur vier Tore geschossen, der „Heimfluch“ bleibt. Und trotzdem war nach dem zähen 0:0 gegen Mit-Aufsteiger Paderborn niemand wirklich unzufrieden, die Spieler nicht, der Trainer nicht. Auch der Empfang in der Fan-Kurve nach Abpfiff war recht freundlich, der nicht immer genügsame Anhang applaudierte wohlwollend. Das torlose Remis gegen die Ostwestfalen war schnell als Punktgewinn verbucht, „wenn man kein Tor macht, ist ein 0:0 eben das bestmögliche Ergebnis“, sagte Trainer Peter Stöger.

Immerhin brachte die Nullnummer den fünften Zähler im dritten Rückrundenspiel, Köln ist seit 282 Minuten ohne Gegentor, und der Auftritt gegen Paderborn war zudem lebendiger als der ergebnisgleiche Stehversuch gegen Stuttgart am vergangenen Mittwoch. Ein Schritt nach vorne? „Für das dritte Spiel in sieben Tagen war das eine richtig gute Leistung“, sagte Kapitän Matthias Lehmann. „Das einzige, was gefehlt hat, war ein Tor.“ Auch Stöger bescheinigte seinem Team, „90 Minuten für drei Punkte gearbeitet“ zu haben, die bessere Mannschaft gewesen zu sein. Und Paderborns Spielführer Uwe Hünemeier sowie sein Trainer André Breitenreiter sprachen von einem „glücklichen Punkt“.

Experiment mit der Doppelspitze

Es ist tatsächlich so, dass die Kölner am Samstagnachmittag einiges dafür getan haben, ihren Fans wieder mehr als fußballerische Magerkost aufzutischen. Den ersten Impuls hatte Stöger selbst zu setzen versucht, indem er Bard Finne zum ersten Mal in eine Bundesliga-Startelf beorderte, der 19-jährige Stürmer sollte Anthony Ujah in vorderster Front unterstützen. Es war ein Experiment, der Versuch, mehr offensive Durchschlagskraft auf den Platz zu bringen.

Und die Kölner starteten tatsächlich angriffslustig, nach nur vier Minuten standen schon drei Ecken für den FC zu Buche, eine echte Möglichkeit zum Führungstreffer gab‘s trotzdem lange nicht. Ein Kopfball von Dominic Maroh flog zwei Meter am rechten Pfosten vorbei, und doch war sein Versuch nach 17 Minuten für lange Zeit das einzige, das den Titel „Chance“ annähernd verdient hatte. Das Kölner Angriffsspiel war Stückwerk, „wir sind aber auch nicht angetreten, um einen Schönheitspreis zu gewinnen“, sagte Stöger später.

Weil Paderborn offensiv noch viel weniger zustande brachte, plätscherte das Aufsteiger-Duell so dahin – bis zur 44. Minute, da kam sie doch noch, die große Chance zur Kölner Führung. Einen starken Konter im eigenen Stadion hätte Finne veredeln können, der junge Norweger aber scheiterte frei stehend mit einem Beinschuss-Versuch an Gäste-Keeper Lukas Kruse. Es wäre der Lucky Punch vor der Pause gewesen, weil Finne aber (noch) nicht kaltschnäuzig genug ist, kann auch er (noch) nicht der Heilsbringer für Kölns Offensive sein. Das war auch die neue Doppelspitze (noch) nicht, Stöger beendete das Experiment nach 57 Minuten vorzeitig, als er den immerhin bemühten Finne („Er muss weiter an sich arbeiten“) gegen Marcel Risse und den überhaupt nicht bemühten Ujah („Er ist momentan nicht so griffig“) gegen Yuya Osako tauschte.

Diese nächste Improvisation funktionierte ein bisschen besser, das Offensivspiel wurde variabler, und Osako hielt die Bälle besser als seine Vorgänger. Belohnt wurde das mit der stärksten Kölner Phase ab der 68. Minute, in der Abräumer Kevin Vogt die zweite Großchance des FC mit einem Lupfer ans Außennetz vergab, und Osako (69.), Risse (70.) und Daniel Halfar (71.) zu lange zögerten oder nicht genau genug Maß nahmen. Es mangelt offenkundig an individueller Qualität im gegnerischen Sechzehner, und so dürfte sich auch das Gros der Zuschauer spätestens nach dieser Drangphase einig gewesen, dass der FC auch gegen Paderborn kein Tor erzielen würde. Einen Umstand, den auch die kühnsten Optimisten akzeptieren mussten, als der eingewechselte Kazuki Nagasawa kurz vor Schluss mit einem Drehschuss an Kruse scheiterte (89.) und damit den letzten Beweis für die Kölner Harmlosigkeit lieferte.

Derby gegen Gladbach

„Irgendwann wird’s schon wieder klappen“, sagte Stöger, der nach dem 90-minütigen erfolglosen Anrennen dann doch ein bisschen ratlos wirkte. „Es gibt ja Gott sei Dank noch ein paar Heimspiele.“ Am kommenden Samstag steht aber erst einmal eine Auswärtsfahrt auf dem Spielplan, „zum Glück muss man ja fast sagen“, sagte Lehmann mit Blick auf die Auswärtsstärke des FC. 16 Punkte und 15 Tore gab’s in zehn Spielen in der Ferne. Nicht das schlechteste Omen für ein Derby bei Borussia Mönchengladbach.

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