Kemperman: „Wir sind Vorreiter beim CHIO in Aachen”

Von: Christoph Pauli
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Frank Kemperman. Foto: imago/Simon

Aachen. Der Montag war dann ein guter Tag für den deutschen Reitsport. Ein Tag ohne Enthüllungen und Verdächtigungen. Das war fast schon die Ausnahme in den letzten Monaten. Der Turniersport ist ins Gerede gekommen. Ein Gespräch mit Frank Kemperman, dem Direktor des Aachener CHIO.

Isabell Werth hat bei einer Podiums-Diskussion gesagt, nur den Besitzer und den Reiter gehe an, was einem Pferd verabreicht wird. Können Sie das nachvollziehen?

Kemperman: Nein! Ich bin nicht sicher, ob sie es so gemeint hat. Die Öffentlichkeit geht das nichts an, aber natürlich den Veranstalter. Wir Veranstalter haben bereits im Oktober festgelegt, dass jede Behandlung im Pferdepass festgehalten werden muss. Das ist ein Muss für uns!

Findet gerade in der Doping-Frage eine Zeitenwende statt, mit der sich so mancher Reitersmann nur schwer anfreundet?

Kemperman: Keiner ist derzeit glücklich, aber allen ist bewusst, dass es Änderungen geben muss. Deswegen freue ich mich, dass der Weltverband einen ersten Maßnahmenkatalog vorgestellt hat, angelehnt an die Nada- und Wada-Richtlinien (nationale und internationale Dopingbehörde; d. Red.). In dem Papier werden harte Strafen gefordert. Wenn einer dopt, wird er zwei Jahre aus dem Verkehr gezogen. Wir brauchen bessere Kontrollen, eindeutigere Medikations-Listen. Die Laborsysteme müssen vereinheitlicht und verbessert werden. Und nicht nur der Reiter, sondern auch die Pfleger und Tierärzte können gesperrt werden. Wir sind froh, dass der Weltverband nach Hongkong schnell reagiert hat.

Der nationale Verband steht nicht gerade für Transparenz. Die jüngste Ermittlung gegen einen deutschen Olympia-Teilnahmer ist erst durch den „Spiegel” bekanntgeworden.

Kemperman: Das geht so nicht, wir fordern Transparenz, es gibt nichts zu verbergen. Wenn einer vergisst, etwas aufzuschreiben, gibt es eben Strafen. Und zudem muss das Gerichtsverfahren verkürzt werden. Wenn der nationale Verband eine Strafe ausspricht, kann es als Berufungsbehörde nur den Internationalen Sportgerichtshof CAS geben, und nicht noch Gericht A, B oder C.

Es drängt sich der Verdacht auf, dass Vierbeiner systematisch mit illegalen Mitteln behandelt werden, und dass das Kartell des Schweigens gerade bröckelt.

Kemperman: So würde ich das nicht sagen. Wenn ein, zwei Vierbeiner falsch gemanagt werden, liegt das in der Verantwortung dieser Personen. Die werden wach, wenn sie jetzt mitbekommen, dass sie zwei Jahre aus dem Verkehr gezogen werden.

Im letzten Jahr wurden bei fast 3300 Turnieren und 1,4 Millionen Starts in Deutschland 1436 Vierbeiner kontrolliert.

Kemperman: Vielleicht stimmen die Zahlen, aber da ist jedes Dorfturnier dabei. Die Zahl der Kontrollen ist nach Hongkong direkt erhöht worden. Inzwischen werden bei jeder für die Weltrangliste relevanten Prüfung die ersten Drei untersucht, zudem wird ein Teilnehmer ausgelost. Beim CHIO gab es 2008 28 Proben bei 400 Pferden, das war eine überdurchschnittlich hohe Quote.

Ist das Pferd nicht längst ein Sportgerät wie zum Beispiel ein schnelles Auto und längst kein Sportkamerad mehr?

Kemperman: Das darf nicht sein, bei einem Formel-1-Wagen kann man Ersatzteile einbauen. Bei einem Pferd nicht. Es muss als Partner gesehen werden. Sachen, die die Leistung beeinflussen, sind nicht erlaubt. Das muss jedem klar sein.

Wieso werden Vergehen nur schleppend oder gar nicht sanktioniert? Da wimmelt es von Formfehlern wie damals bei Meredith Michaels-Beerbaum, oder es gibt eine Bagatellstrafe für den disqualifizierten Olympiasieger Ludger Beerbaum, der sich den Zeitpunkt für die Monatssperre noch aussuchen darf.

Kemperman: Das muss geändert werden. Für leichte Verfehlungen sind schnelle Verfahren geplant, bei gravierenden Verfahren muss der Rechtsweg verkürzt werden. Wir müssen schneller bestrafen.

Gibt es bereits Auswirkungen bei Sponsoren, TV-Anstalten oder Kunden?

Kemperman: Nein, wir sind seit vier, fünf Jahren Vorreiter beim CHIO Aachen. Wir haben Wellfare- und Ethik-Manager eingestellt. Wir schulen intensiv die Offiziellen, wir wollen Aufmerksamkeit.

Wie werden Sie mit den Ahlmanns und Kutschers umgehen? Haben Sie Einfluss auf ihren Start?

Kemperman: Wenn die vom nationalen oder internationalen Verband ausgesprochene Strafe vorbei ist, reiten sie wieder. Wir haben keinen Einfluss auf die Nominierung der Nationen. Wir sind froh, dass wir die Strafen nicht aussprechen müssen, aber wir sind auch froh, dass die Strafen härter werden. Es kann nicht sein, dass einer mit vier Wochen davon kommt.

Erwarten Sie Protestaktionen?

Kemperman: Ich hoffe, dass sich die Welt bis dann wieder beruhigt hat. Die Leute sollen sehen und erkennen, dass wir reagiert haben. Wir möchten einen tollen Sport zeigen, der ohne Quälerei und Doping funktioniert.
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