Bielefeld/Mönchengladbach - Keine Zeit für Trauer: Der BVB wartet

Keine Zeit für Trauer: Der BVB wartet

Von: Bernd Schneiders
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Abgeführt: Havard Nordtveit (rechts) und Co-Trainer Manni Stefes geben dem untröstlichen Ibrahima Traoré Geleitschutz. Foto: sport/Revierfoto

Bielefeld/Mönchengladbach. Lucien Favre wirkte blass wie zuvor seine Mannschaft. Ruhig analysierte Mönchengladbachs Trainer, warum seinem eigentlich erstklassigen Team gerade gegen den Drittligisten Arminia Bielefeld der Sprung ins DFB-Pokal-Halbfinale spektakulär misslungen war.

Aber dann wurde es für den Fußballlehrer doch zu viel. Der so auf Fußball fokussierte Schweizer konnte auf der Pressekonferenz nach dem Aus im Elfmeterschießen nicht weiter ertragen, wie sich die ostwestfälische Presse und Arminia-Coach Norbert Meier euphorisiert und locker die Bälle zuspielten. Nachfragen und Ausführungen darüber, wie Meier denn das Käsebrötchen auf dem Podium schmeckte, brauchte der Gladbach-Coach in diesem Moment nicht.

Nicht nur, weil die Niederlage so sehr an ihm nagte. Zeit verschwenden, und seien es auch nur Minuten, wollte der 57-Jährige nicht – am Samstagnachmittag wartet in der Liga mit dem Besuch der anderen Borussia, der aus Dortmund, schon die nächste große Aufgabe.

Jähes Ende der Pressekonferenz

Eine kurze, leise Anweisung an Tim Santen, Arminias Pressesprecher, der launig die Verbal-Kombinationen zwischen heimischen Journalisten und Meier konferierte – und die PK fand ein jähes Ende. „Die Gladbacher müssen noch ihre Anschlussverbindung schaffen“, stammelte Santen. Die wartete in Form des Mannschaftsbusses nur wenige Meter vom Presseraum entfernt – voll geladen mit enttäuschten bis genervten Erstliga-Spielern. Nach solchen Momenten will eigentlich jeder nur noch schnell nach Hause, möglichst nicht mehr unnötig lange in die Gesichter der Kollegen schauen, mit denen man gerade so grandios gescheitert war.

Zwei Stunden mussten sie sich noch ertragen bis zum Borussia-Park. Und keiner im Spielertross ist auf die Idee gekommen, die gerade gezeigte Unleistung zu personalisieren. „Wir haben es in 120 Minuten nicht geschafft, die Arminia zu besiegen, und es dann auch nicht verdient, ins Halbfinale einzuziehen. Das haben wir uns selbst zuzuschreiben“, beschrieb Max Kruse das echt empfundene Wir-Gefühl der unangenehmen Art. Der größte Vorwurf, den sich Kruse & Co. gefallen lassen müssen: Nicht einmal die Müdigkeit der Bielefelder in der Verlängerung vermochten die Favre-Zöglinge zu nutzen. „Einige konnten kaum noch laufen“, beschrieb Norbert Meier den physischen Zustand seiner Spieler, der sogar die Jubelszenen nach dem Elfmeterschießen beeinträchtigte. „Sie freuen sich eher nach innen.“

Nichts wäre einfacher, als das Versagen mit Hilfe von Ibrahima Traoré und Raffael zu individualisieren. Der Guineer schloss das Finale mit seinem von Alexander Schwolow parierten Elfmeter ab, der Brasilianer hatte bei seinem misslungenen Auftakt noch nicht einmal das Tor getroffen.

Die Ursache für die 4:5-Niederlage aber lag tiefer, wie Kruse es im Gegensatz zu seinen betroffenen Kollegen eben treffend schilderte: Der einzige Treffer des Erstligisten gelang in den 120 Minuten zuvor bezeichnenderweise nicht aus dem Spiel heraus, sondern per Handelfmeter. „Zu langsam, zu wenig Torchancen“, fasste Lucien Favre knapp zusammen.

Über das Elfmeterschießen verlor der Borussen-Trainer keine Silbe. Das ist für ihn Lotterie, kein analysewürdiger Fußball. Lieber goutierte der Schweizer das 1:0 der Bielefelder durch Manuel Junglas: „Ein Super-Tor.“ Seine Spieler mussten dagegen mit der globalen Kritik leben: „Die Bewegung war nicht gut, nicht gut genug“, führte Favre aus. „Und im Ballbesitz haben wir zu oft die Orientierung verloren.“

Das machte Markus Breuer mit dem Mannschaftsbus eindeutig besser. Er holte heraus, was herauszuholen war, und erreichte eine Stunde nach Mitternacht den Borussia-Park. Auch Lucien Favre hatte – wie beschrieben (auf der Pressekonferenz) – Gas gegeben. Der Mann, in seiner aktiven Zeit ein genialer Spielgestalter bei Servette Genf, beherrscht nicht nur Fußballtechnik. Favre schafft es sogar, sich das Videostudium in der Vorbereitung auf einen Gegner in Zeitraffer einzuverleiben. Doch umgekehrt, die zwei Tage zwischen Pokal und Liga-Herausforderung am Samstag gegen Dortmund zur besseren Erholung zu dehnen, gelingt auch dem Schweizer Tüftler nicht.

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