Keine gemeinsame Zukunft am Tivoli?

Von: Christoph Pauli
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Gemeinsame Zukunft am Tivoli? Peter Schubert (l.) und Alexander Klitzpera (2.v.r. neben Torwarttrainer Ralf Weestig) können sich bislang nicht auf eine weitere Zusammenarbeit einigen. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Vor zwei Monaten trat Alexander Klitzpera sein Amt als neuer Sportlicher Leiter bei Alemannia Aachen an mit der Ankündigung, zeitnah die auslaufenden Verträge mit den Trainern und den Leistungsträgern zu verlängern. Er versteht nicht, dass sein Trainer Peter Schubert und einige Stammspieler seine Angebote nicht annehmen.

Warum hakt es?

Klitzpera: Von Vereinsseite hakt es überhaupt nicht. Alle Stammspieler haben verbesserte, sehr gute Angebote erhalten, obwohl ich in der nächsten Saison in Liga 4 den gleichen Etat haben werde. Es ist aber erschreckend, wie sich manche einerseits in den Medien äußern und andererseits in den Verhandlungen verhalten. Viele Spieler haben ausschließlich Verträge, die sich nur im Aufstiegsfall verlängern. Ich hätte sie gerne auch in der Regionalliga dabeigehabt. Aber nicht alle wollen den Weg mit dem Verein weitergehen.

Inwiefern?

Klitzpera: Die Spieler haben hier eine Wohlfühloase mit Bedingungen auf Zweitliga-Niveau und einer tollen Fan-Kultur. Wir zahlen gut für diese Liga, obwohl wir gerade aus der Insolvenz kommen. Die alten, bereits bestehenden Verträge sind verhältnismäßig hoch dotiert. Andererseits bieten sie dem Verein aber kaum Planungssicherheit, weil sie nur für die Dritte Liga gelten.

Dennoch haben alle Spieler ein verbessertes Angebot erhalten. Vor einem Jahr sind viele Spieler zur Alemannia gekommen, weil sie anscheinend nichts Besseres hatten. Wir bieten sehr viel. Wenn Spieler meinen, es reiche nicht, akzeptiere ich das natürlich. Aber manchmal fehlt mir da auch die Demut. Unsere finanziellen Möglichkeiten sind begrenzt, auch wenn wir ein ausverkauftes Stadion hatten.

Warum sind die Gespräche mit Peter Schubert so schwierig?

Klitzpera: Ich bin auf ihn als erstes zugegangen, weil ich seine Arbeit schätze. Wir wollten schnell Klarheit und Ruhe. Ich habe erwartet, dass er vorangeht und ein Zeichen setzt. Meiner Meinung nach ist Aachen eine Chance für Peter Schubert. Bei den Verhandlungen gilt es, zwei Dinge zu unterscheiden. Zum einen habe ich als erste Amtshandlung eine sofortige finanzielle Besserstellung im laufenden Vertrag des Trainers veranlasst.

Ein Zeichen von großer Wertschätzung. Zum anderen lag dem Trainer für eine Vertragsverlängerung ein Angebot vor, das noch verbessert wurde. Ich bin ihm in vielen Punkten weit entgegengekommen. Er hat leider abgelehnt. Das Ziel des Trainers ist ja der Aufstieg, und in der Dritten Liga ist ohnehin alles Vertragliche geregelt.

Er wäre der Trainer für die 3., aber nicht für die 4. Liga?

Klitzpera: Aktuell ja, da er auch das verbesserte Angebot abgelehnt hat. Das gilt auch für die Spieler, die noch nicht unterschrieben haben. Alle haben ein verbessertes Angebot erhalten. Ziel dabei war, Klarheit und Kontinuität in den Verein zu bringen. Das Resultat ist bekannt: Drei Spieler haben verlängert.

Von anderen wurden Forderungen gestellt, die ich nicht erfüllen kann. Diese Absagen muss ich akzeptieren. Da ich mittelfristig etwas aufbauen will, brauche ich Planungssicherheit und Spieler, die den Weg mit uns auch über die Regionalliga gehen wollen.

Das erste Trainer-Angebot für die Dritte Liga sah nach unseren Recherchen eine Minderung des Grundgehalts um über 20 Prozent vor. Ist das ein Zeichen von Wertschätzung, wenn Sie einen laufenden Vertrag ändern wollen?

Klitzpera: Das stimmt so nicht. Der laufende Vertrag für diese gerade stattfindende Saison wurde wie erwähnt bereits verbessert. In den Vertragsgesprächen wurden verschiedene Varianten diskutiert. Das Entscheidende ist, dass unterm Strich bei jeder Variante immer eine Verbesserung des Trainergehaltes stand.

Ich werde mich zu mehr Details nicht äußern. Generell besteht ein Vertrag nicht nur aus einem Grundgehalt, so ein Vertrag hat eine gewisse Komplexität. Peter Schubert hat ein Angebot für die Regionalliga, für das drittligaerfahrene Trainer sofort nach Aachen kommen würden. Für das Dritte-Liga-Angebot bekomme ich sowieso zweitligaerfahrene Fußballlehrer.

Ich habe eine Verantwortung gegenüber dem Verein, den Mitarbeitern, den Fans und der Stadt. Ich werde nicht nicht vorhandenes Geld verteilen. Wenn er sagt, dass ihm das Gehalt nicht reicht, fehlen mir die Worte. Hier haben viele Mitarbeiter durch die Insolvenz auf ganz viel Geld verzichten müssen. Peter Schubert dagegen hat die letzten Jahre immer eine Gehaltserhöhung erhalten.

Die beiden Angebote bezogen sich auf Jahresverträge?

Klitzpera: Nein, wir hatten verschiedene Varianten.

Spieler wie Frederic Löhe oder Dominik Ernst haben öffentlich die Arbeit des Trainers gelobt.

Klitzpera: Mich wundert es, warum alle Beteiligten die Gegebenheiten so toll bei der Alemannia finden, aber dann die höher dotierten Verträge nicht unterschreiben.

Wie geht es weiter?

Klitzpera: Wenn es um das Finanzielle geht, kann ich mich nicht weiter strecken. Wir haben auch jetzt keine Probleme miteinander, da wir die gleichen Ziele haben. Ich akzeptiere seine Entscheidung, auch wenn sie mich wundert. Er kennt alle Verträge, kennt die Situation des Vereins und sollte einschätzen können, was mein Angebot für einen Wert hat. Es wäre schön gewesen, wenn er mit einem Bekenntnis vorangegangen wäre, den Moment hat er verpasst.

Was ist mit Reiner Plaßhenrich?

Klitzpera: Reiner hat im Februar von mir zwei Angebote bekommen. Er kann sich zwischen der Position des Co-Trainers und der Position des Leiters des Nachwuchsleistungszentrums entscheiden. Ich denke, er macht es vom Ausgang der Saison bzw. von der Entscheidung des Trainers abhängig. Aktuell plane ich mit ihm in der neuen Saison als Leiter des Nachwuchsleistungszentrums.

Steht schon fest, dass Spieler den Klub verlassen werden?

Klitzpera: Dazu werde ich nichts sagen. Fest steht: Wir spielen als Mannschaft eine gute Saison. Wir haben nicht die individuellen Topspieler für die Dritte Liga, wir sind auch von der Altersstruktur nicht im Fokus bei anderen Klubs. Aber wir sind vorbereitet auch für Abgänge. Wir haben für die Regionalliga schon sehr gute Spieler zur Verfügung, darunter viele Leistungsträger. Die Basis stimmt, deswegen scheue ich mich nicht, das Team mit Talenten und Spielern mit Regionalligaerfahrung zu ergänzen, um nächstes Jahr wieder eine gute Rolle zu spielen.

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