Warendorf - Kein „Flächenbrand” im deutschen Reitsport

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Kein „Flächenbrand” im deutschen Reitsport

Von: Dietmar Fuchs, dpa
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Warendorf. Doping und Manipulation sollen im Pferdesport kaum noch eine Chance haben, die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) will den Kampf gegen Unregelmäßigkeiten künftig auf allerhöchstem Niveau betreiben.

„Wir gehen in die richtige Richtung und sind auf dem richtigen Weg”, sagte FN-Präsident Breido Graf zu Rantzau am Dienstag in Warendorf. Erleichtert nahm er zur Kenntnis, dass es keinen „Flächenbrand”, sondern „nur einzelne Brandherde” gibt, wie die Untersuchungskommission des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) in ihrem Abschlussbericht feststellte.

Die international für sechs Monate gesperrte Dressur- Olympiasiegerin Isabell Werth (Rheinberg) soll im FN-Bereich wegen Dopings bis Juni 2010 und damit zwölf Monate nicht starten dürfen. Den Springreitern Ludger Beerbaum, Marco Kutscher (beide Riesenbeck), Daniel Deußer (Valkenswaard/Niederlande) und Rene Tebbel (Emsbüren) winkt dagegen die Wiederaufnahme in einen FN-Kader, allerdings nur unter Auflagen. „Ich hoffe, dass wir öffentlich bald wieder in einem positiven Licht betrachtet werden”, sagte FN-Chef Rantzau.

Die vorgesehenen Maßnahmen im Kampf gegen Missbrauch sind umfangreich. Der Strafrahmen bei Dopingverstößen soll verschärft werden, automatische Sperren von Pferden sind vorgesehen, Trainingskontrollen für Kaderpferde sind künftig obligatorisch. Eine neue FN-Abteilung „Sicherheit und Ordnung” soll bei Doping und Manipulation ermitteln.

„Das alles zeigt ganz eindeutig, was wir wollen und welche Vorstellungen wir haben”, meinte Rantzau. Ob bei den Trainingskontrollen eine Zusammenarbeit mit der Nationalen Anti- Doping-Agentur (NADA) greifen wird, ist offen. „Wenn nicht, werden wir das selbst machen”, kündigte FN-Generalsekretär Soenke Lauterbach an.

Udo Steiner, Vorsitzender der DOSB-Kommission, bescheinigte der FN, dass es „keine strukturelle Unredlichkeit” gebe. Zudem stellte der ehemalige Bundesverfassungsrichter fest, dass es bei den Reitern „eine Bewusstseins- und Gewissensschärfung” gebe. „Einzelfälle von Regelverstößen schließe ich künftig dabei aber nicht aus”, betonte er. Das Steiner-Gremium legte der FN intensiv nahe, bei der sogenannten Null-Toleranz-Lösung zu bleiben - ein Pferd soll im Wettkampf frei von Medikamenten sein.

„Wir sind in ein Loch gefallen, in dem wir nicht gern bleiben wollen”, betonte Rantzau. Die FN hatte Ende Mai ihre Spitzenkader aufgelöst und die Steiner-Kommission mit Befragungen von Reitern und Funktionären beauftragt. Das Gremium hatte von Mitte Juli bis Mitte August 99 Reiter und Funktionäre zu Manipulationen im Pferdesport angehört. Die Aktiven mussten eine Ehren- und Verpflichtungserklärung unterschreiben.

Steiner räumte am Dienstag ein, dass sein Gremium bei den Befragungen auf Treu und Glauben angewiesen war: „Wir mussten jedem alles und allen nichts glauben.” Er vertraute dabei aber auch dem finanziellen Aspekt: „Es gibt eine große wirtschaftliche Relevanz. Viele Reiter können sich Regelverletzungen gar nicht leisten”, sagte er.
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