Aachen - Jubel in der Soers: Aachen richtet die Pferdesport-EM 2015 aus

Jubel in der Soers: Aachen richtet die Pferdesport-EM 2015 aus

Von: Helga Raue
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Erstmals werden Europameisterschaften in fünf Pferdesport-Disziplinen an einem Ort ausgetragen. 44 Jahre nach der EM Springen 1971 und 32 Jahre nach der EM Dressur 1983 werden die besten Pferdesportler des Kontinents im August 2015 nach Aachen kommen. Das Foto entstand während des Dressurwettbewerbs bei der WM Aachen 2006. Foto: ALRV

Aachen. Gut 20 Minuten lang musste Frank Kemperman in Lausanne vor der verschlossenen Tür warten. Kein Laut drang nach draußen, und als er endlich wieder eingelassen wurde, sagt ihm niemand etwas. „Ich glaube, die wollten mich ein bisschen ärgern”, sagte Aachens Turnierchef grinsend, der natürlich seine Neugierde kaum zügeln konnte.

Schließlich war hinter den verschlossenen Türen eine für Aachen sehr wichtige Entscheidung gefallen. Erst Dr. Hanfried Haring, Ex-Generalsekretär der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) und seit zwei Jahren Präsident des Europäischen Reitverbandes (EEF), erlöste Kemperman mit einer Geste. „Er zeigte mir fünf Finger”, sagte Kemperman erleichtert. Fünf Finger für fünf Pferdesport-Disziplinen, in denen der Aachen-Laurensberger Rennverein (ALRV) 2015 die Europameisterschaft ausrichten wird.

Es wird eine Premiere, denn die Aachener stellten ein noch nie dagewesenes Konzept vor. Analog zu den Weltreiterspielen hatten sie sich um die Ausrichtung von sechs EM-Disziplinen an einem Ort beworben. Dressur und Springen hatte es schon 2009 in Windsor am selben Ort gegeben, noch nie aber Titelkämpfe in sechs Disziplinen.

„Fünf aus Sechs, das ist sehr schön für uns”, freute sich der ALRV-Vorstandsvorsitzende, der als Dressur-Komitee-Chef zwar ebenfalls an der Sitzung der Internationalen Vereinigung (FEI) teilnahm, wegen Befangenheit bei diesem Tagesordnungspunkt aber den Raum verlassen musste.

Die große Überraschung war ausgeblieben, denn zuletzt hatte sich herauskristallisiert, dass in der Disziplin Vielseitigkeit Mitbewerber Blair Castle (Großbritannien) das Rennen machen könnte. „Ein wesentlicher Punkt, den wir nicht bedacht hatten, war wohl, dass Luhmühlen die EM 2011 ausrichtete. Daher wollte man die Vielseitigkeit nicht wieder nach Deutschland geben. Zudem hatten wir mit Blair Castle, Waregem/Belgien, Breda/Niederlande und Strzegom/Polen aber vier starke Mitbewerber”, mutmaßt Kemperman. Zudem hätten bestehende Sponsorenverträge ein zusätzliches Pro-blem aufgeworfen, da der ALRV in diesem Geschäftssektor selbst langjährige Vertragspartner beim CHIO Aachen mit an Bord hat.

„Das ist schade, tut unserer Freude über den Zuschlag aber keinen Abbruch”, sagt Kemperman. Auszuschließen ist aber nicht, dass statt der Vielseitigkeit etwas anderes ins Programm der beiden EM-Wochen eingebaut wird. „Wir müssen mal in Ruhe darüber nachdenken, ob sich etwas anbietet.” Freuen dürfen sich die Zuschauer - rund 400 000 werden erwartet - 2015 in den letzten beiden Augustwochen auf die besten europäischen Dressur- und Springreiter, Vierspännerfahrer, Voltigierer und die Reiner (Reining = Dressur der Westernreiter). Allerdings wird es 2015 - anders als 2006 - keinen CHIO Aachen geben.

Die Planungen für die EM haben in Aachen längst begonnen. Klar ist, dass die Dressurreiter wie bei den Weltreiterspielen 2006, wo 40 000 Menschen die Kür verfolgten, wieder ins große Springstadion umziehen werden. Das Dressurstadion wird für Voltigieren und Reining, die in einer Halle stattfinden müssen, temporär überdacht. Und auch der angedachte Tribünenneubau für 2014 dürfte durch die EM einen neuen Schub bekommen, denn das Deutsche-Bank-Stadion platzt mit gut 5000 Plätzen schon während des CHIO aus allen Nähten.

Zuletzt hatten die Springreiter 1971 und die Dressurreiter 1983 um EM-Edelmetall in der Soers gekämpft. „Neun Jahre nach der WM 2006 ist das eine Bestätigung für das Pferdeland Deutschland und den Aachen-Laurensberger Rennverein. Mit großer Vorfreude blicken wir jetzt schon auf mit Sicherheit herausragende Europameisterschaften”, freute sich FN-Generalsekretär Soenke Lauterbach.
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