Jonas Ermes soll auf dem Tivoli den gesperrten Frederic Löhe vertreten

Von: Christoph Pauli
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Es könnte viel Arbeit auf Jonas Ermes zukommen im Spitzenspiel gegen RW Essen. Bislang hat er sein Talent vorwiegend im Training demonstrieren können. Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. Vor sieben Monaten tauchte Jonas Ermes schon einmal in einer WDR-Nische auf. In der Sendung „Kopfball“ demonstrierte er sehr anschaulich, wie schwierig es ist, einen Elfmeter zu halten. Das Wissensmagazin hatte einen wahren Experten für den Praxistest geladen, bis zur letzten Saison hielt der Fast-Torwart für Bochum II in der Regionalliga.

Am Samstag wird der Schlussmann wieder im WDR zu sehen sein, es wird um mehr gehen als um die Aussichten des Keepers beim Strafstoß. Es geht um die Tabellenführung in der Regionalliga West. Diese Partie zwischen Aachen und Essen hat eine solche Begeisterung entfacht, dass sich auch die regionalen Fernsehmacher kurzfristig für eine Übertragung aus einer Liga entschieden haben, die sie sonst eher meiden.

Er steht im Tor und 5000 dahinter

Für Jonas Ermes könnte im Derby durchaus eine Hauptrolle im Samstagnachmittags-Programm herausspringen. Er steht im Aachener Tor und 5000 Essener dahinter. Der 22-Jährige ist der Ersatzmann für Frederic Löhe, der beim Saisonabschlussball 2014 in Hennef die Gelb-Rote Karte sah. „Die Vorfreude wächst, das ist mein bisheriger Karrierehöhepunkt“, freut sich Ermes. Für dieses wichtige Spiel, auf das sich alle Beteiligten seit Wochen vorbereiten, rückt er in den Fokus, ehe dann wieder Löhe Alemannias Strafraum übernimmt. Sein Trainer Peter Schubert hat im bisherigen Saisonverlauf keine eindeutige Nummer 2 benannt. Mal durfte Kengo Fukudome, mal Tim Stienemann, mal Jonas Ermes auf der Ersatzbank frieren. An der Nummer 1 konnte keiner kratzen. „Die Situation war eindeutig vor meinem Wechsel besprochen“, sagt Ermes. „Die Aufgabe ist es, Druck auf Frederic Löhe aufzubauen, wir sollen uns gegenseitig pushen.“ So fassen die Rivalen jedes Trainingsspiel als Wettkampf auf. „Die Konkurrenz ist da, aber wir gehen gut miteinander um“, sagt Ermes. Was für ihn als Ersatzmann gegen Essen spricht? Ermes ist der erfahrenste der Kandidaten und – folgt man seinem Trainer – auch der entspannteste. „Er kann gut mit der Situation umgehen“, beobachtet Peter Schubert, „deswegen gibt es die Tendenz ihn einzusetzen.“

Vorbild Edwin van der Sar

Ermes‘ Vorbild ist der Niederländer Edwin van der Sar. Er schätzt dessen unspektakuläres Spiel, dessen Fähigkeit, Situationen zu antizipieren und zu entschärfen, dessen fußballerische Qualität.

Der Torwart hat selbst viele Karten für die Partie gekauft. Seine Familie wird da sein an diesem großen Tag, seine Freundin, der ehemalige Torwarttrainer aus Bochum. Sie werden sehen, wie der Westfale die große Herausforderung besteht.

Sein Vertrag läuft am Saisonende aus, es ist nicht absehbar, wie sich die Dinge entwickeln. Im letzten Sommer war Ermes schon einmal in der Warteschleife. Natürlich ist das Ziel noch die Bundesliga, sagt Ermes. Aber es ist derzeit nur aus der Ferne zu erkennen. Fast zwei Jahre ist der Keeper mit einem Knorpelschaden ausgefallen, der Start ins Berufsleben war schmerzhaft. Das Talent hat viel Zeit verloren. Ermes ist Realist genug, es könnte schwierig werden, die Karriere noch richtig in Schwung zu bringen, wenn man in der 4. Liga Ersatzmann ist. Der kluge Mann baut vor: An der Universität in Bochum absolviert er ein Studium der Wirtschaftswissenschaften. Trotz der sportlichen Belastung ist er auch in den Vorlesungen am Ball geblieben, in ein paar Monaten steht schon der Bachelor-Abschluss an. Fußball spielen wird Ermes auf jeden Fall im Sommer. Mit der Ruhr Universität Bochum wurde er im letzten Jahr „Deutscher Hochschulmeister“, der Champion startet für Deutschland bei der Europameisterschaft in Kroatien. Das Fernsehen wird nicht dabei sein, wenn Ermes demonstriert, dass man sich auf ihn ziemlich gut verlassen kann.

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