Belek - Johnson kämpft um seinen sportlichen Stellenwert

Johnson kämpft um seinen sportlichen Stellenwert

Von: Marc Basten
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Im Blickpunkt in Belek: Fabian Johnson. Foto: Marc Basten

Belek. Als Borussia Mönchengladbach im letzten Frühjahr die Verpflichtung von Fabian Johnson bekannt gab, erntete man am Niederrhein ein zustimmendes Nicken in Fußballdeutschland. Johnson, aktueller US-Nationalspieler und mit 26 Jahren ein gestandener Bundesligaprofi, wechselte ablösefrei vom Ligakonkurrenten Hoffenheim.

Die Vorfreude auf einen Rechtsverteidiger von internationalem Format stieg nach Johnsons starken Auftritten bei der Weltmeisterschaft in Brasilien nochmals an. Ein halbes Jahr später aber schält sich der dynamische Abwehrspieler als der einzige Verlierer unter Gladbachs Neuverpflichtungen heraus. Umso mehr muss Johnson das Trainingslager in der Türkei als Bühne nutzen, um sich auch wieder wieder bei seinem Trainer in Erinnerung zu bringen.

Schließlich hegt und pflegt Lucien Favre ein Spielsystem, bei dem eine geordnete Staffelung in der Defensive die Basis für alles ist. Passt da ein mutig nach vorne preschender Außenverteidiger hinein, der dabei vielleicht seine Primäraufgaben nicht erfüllt? Immerhin war Johnson in der letzten Saison Bestandteil der Abwehrformation von Hoffenheim, die satte 70 Gegentore kassierte.

„Wir wissen, dass er nach hinten anfällig ist“, bekannte Sportdirektor Max Eberl bereits vor Johnsons Dienstantritt im Borussia-Park. Und an dieser Beurteilung änderte sich nichts. Favre sieht sich in seiner Einschätzung bestätigt, dass Johnson defensive Schwächen hat, die er als Rechtsverteidiger im System von Borussia nicht durch einige gelungene Vorstöße kompensieren kann.

„Das ist hier eine komplett andere Spielweise als in Hoffenheim“, hat Johnson erkannt. Auch bei Klinsmanns US-Boys darf er munter die Linie rauf und runter rennen. Wenn er das macht, schaut Lucien Favre genau hin. „Der Trainer sieht sich meine Spiele mit den USA an, gibt mir Feedback und sagt mir, woran ich zu arbeiten habe“, erklärt Johnson. „Es sind paar Sachen im Stellungsspiel, die ich von Hoffenheim anders gewohnt war.“

Was auf den ersten Blick nach einem Missverständnis aussieht, wird bei genauerem Hinsehen sogar noch komplizierter. Denn Lucien Favre ließ Johnson zwar spielen, wenn auch meist nur als Einwechselspieler, aber dann zumeist auf der linken Offensivposition. Der Rechtsverteidiger im linken Mittelfeld? „Er kann beide Positionen spielen“, sagt Favre. „Das ist komisch, aber das ist so. Und das müssen wir nutzen.“

Positionsgerangel

Favre sieht Johnsons „Lieblingsposition“ links vorne, Johnson selbst fühlt sich weiter eher als Rechtsverteidiger. „Das ist meine Position, ganz klar“, bestätigt er. „Doch es ist die Entscheidung des Trainers, wo er mich aufstellt. Er wird seine Gründe haben, warum er mich lieber vorne spielen lässt.“ Wenn Johnson überhaupt spielt. Denn trotz der ständigen Rotation in der Vorrunde herrscht gerade auf den offensiven Außenbahnen ein besonders großer Konkurrenzkampf.

Zudem plagte sich der mittlerweile 27-Jährige mit Problemen an der Achillessehne herum und fand kaum Gelegenheit, den Trainer bei der täglichen Arbeit von seinen (wahren?) Qualitäten zu überzeugen. Deswegen sieht Johnson die Vorbereitung im Winter mit dem noch bis Donnerstag andauernden Trainingslager in Belek als die ideale Gelegenheit für einen Neustart.„Ich will die Vorbereitung nutzen und mich reinhängen, damit ich mehr Einsätze bekomme“, sagt Johnson. Auch wenn er aus seinem Herzen keine Mördergrube macht. „Natürlich bin ich enttäuscht über das letzte halbe Jahr. Aber ich bin niemand, der sich hängen lässt und den Kopf in den Sand steckt.“

Es bleibt abzuwarten, ob Fabian Johnson die Tage an der türkischen Riviera nutzen kann. Oder ob sein Wechsel nach Gladbach doch ein Missverständnis war. Beim 2:0-Sieg in Belek über Arminia Bielefeld (Tore: Branimir Hrgota) konnte er über 45 Minuten als hängende Spitze erstmal nicht überzeugen.

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