Aachen - Jahrhundertspiel: Matthäus will „in Aachen sicher nicht verlieren“

Jahrhundertspiel: Matthäus will „in Aachen sicher nicht verlieren“

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Das große Duell der beiden „Zehner“: Lothar Matthäus (rechts) im Zweikampf mit Ruud Gullit bei der WM 1990. Foto: sport/Werek

Aachen. Selbst den Kaiser haben die Fußball-Duelle zwischen Deutschland und den Niederlanden in ihren Bann gezogen. Für den damaligen deutschen Teamchef Franz Beckenbauer war der Sieg der Nationalmannschaft im Achtelfinale der Fußball-WM 1990 besonders wichtig.

Das berichtet Lothar Matthäus (52), der Kapitän der Weltmeistermannschaft von 1990, im Gespräch mit Guido Jansen. Matthäus ist einer von vielen großen Namen, die am 7. Juli – auf den Tag genau 39 Jahre nach dem Sieg der Nationalmannschaft über die Elftal im WM-Finale von München – auf dem Aachener Tivoli antreten.

Warum sind ausgerechnet die Duelle Deutschland gegen die Niederlande so emotional aufgeladen? Warum nicht Deutschland gegen Frankreich oder Polen?

Matthäus: Seit dem WM-Finale 1974 ist das eine besondere Rivalität. Diese Niederlage hat den Holländern sicherlich sehr weh getan. Die Spiele, die ich gegen Holland bestritten habe, waren besondere Höhepunkte in meiner Karriere. Aber das gilt auch für Duelle mit Brasilien oder England. Sie alle haben eine Geschichte von Momenten, an die sich heute noch viele Menschen erinnern. Das Wembley-Tor von 1966 beispielsweise. Außerdem gibt es gewisse Erinnerungen an Sachen, die nicht zum Fußball gehören.

Sie meinen beispielsweise die Spuck-Attacke von Frank Rijkaard gegen Rudi Völler im WM-Achtelfinale 1990?

Matthäus: Ich will dieses Buch nicht mehr aufschlagen. Ich erinnere mich viel mehr daran, dass bei den Duellen Deutschland gegen Holland immer große Fußballer auf dem Feld gestanden haben, Persönlichkeiten, die vielleicht nicht immer einfach waren. 1990 beim Achtelfinale in Mailand war das besonders brisant, weil mit mir, Andreas Brehme und Jürgen Klinsmann drei Deutsche für Inter Mailand und mit Frank Rijkaard, Ruud Gullit und Marco van Basten drei Holländer für den AC Mailand gespielt haben. Da ist es doch klar, dass alle sehr motiviert waren. Von den anderen Dingen habe ich nicht viel mitbekommen. Wir alle waren nur sehr überrascht, dass der Rudi plötzlich die Rote Karte gesehen hat.

Spielte 1990 in der deutschen Mannschaft auch die Revanche für die bittere Halbfinal-Niederlage bei der Europameisterschaft 1988 in Hamburg eine Rolle?

Matthäus: Natürlich wollten wir Revanche. Auf mich hat dieser Gedanke damals allerdings keine große Wirkung gehabt. Ich habe mich immer nur auf das nächste Spiel konzentriert. Vor dem Spiel war mir klar, dass wir gegen den amtierenden Europameister spielen, der eine enorm starke Mannschaft hatte. Nach dem Achtelfinale 1990 habe ich aber gemerkt, dass die Niederlage zwei Jahre vorher immer noch in den Köpfen war. Teamchef Franz Beckenbauer sagte damals, dass wir mit dem Sieg über Holland ein erstes großes Ziel erreicht hätten. Ihm hat 1988 wohl immer noch durch den Kopf gespukt.

Woran liegt es, dass ein so kleines Land wie die Niederlande eine Fußball-Großmacht ist?

Matthäus: Die Holländer selbst sind generell ein sehr sportbegeistertes Volk. Dann gibt es beispielsweise die großartige Schule von Ajax Amsterdam. Aus der gehen nicht nur Spieler für Ajax hervor. Da kommen immer wieder Spieler her, die für die Top-Klubs der Welt interessant sind.

Wie gehen Sie in die Partie am 7. Juli gegen die Auswahl der niederländischen Alt-Internationalen?

Matthäus: Zuerst einmal freue ich mich, dass ich dort mit vielen alten Weggefährten zusammentreffe, in beiden Mannschaften. Natürlich wird der Spaß im Vordergrund stehen. Aber verlieren will ich in Aachen sicher nicht. Wenn ich auf den Platz gehe, dann will ich gewinnen.

Sind Sie fit?

Matthäus: Ich werde keine besondere Vorbereitung machen. Ich halte mich generell fit. Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen: Ich kann mit Sicherheit über 90 Minuten gehen.

Sie haben den nationalen und internationalen Fußball im Blick. Haben Sie auch den sportlichen und wirtschaftlichen Abstieg von Alemannia Aachen wahrgenommen?

Matthäus: Ja sicher. Es ist sehr schade, was in Aachen passiert ist. Alemannia stand immer für tolle Stimmung im Stadion. Der Verein gehört mindestens in die zweite Liga. Leider gibt es Beispiele von großen Klubs, die schwere Fehler machen, immer wieder. Besonders schade ist das dann für die große Tradition und die treuen Fans. Ich hoffe, dass die Alemannia die Kurve kriegt und dass es bald wieder bergauf geht.

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