In Köln bekommt die Hoffnung wieder Flügel

Von: Daniel Theweleit
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Zum Zungeschnalzen? Carlos Eduardo fühlt sich geehrt vom Kölner Interesse. Foto: sport/Ita-Tass

Köln. Mitten hinein in die Phase des Wartens platzte am Dienstag eine Meldung, die die Fußballstadt Köln in einen Zustand heller Aufregung versetzte. Eigentlich war ja der Plan, den Brasilianer Carlos Eduardo zum 1. FC Köln zu holen, der große Aufreger der Woche, der prominente Spieler und der FC haben sich auf Konditionen für eine gemeinsame Zukunft geeinigt.

Nur das Okay von Rubin Kazan, wo der Brasilianer zuletzt spielte, fehlte noch, als plötzlich noch ganz andere Pläne publik wurden, die für Aufruhr an den Theken und in den Online-Foren sorgte: Der FC will sein Stadion umbauen. Rund 50 Millionen Euro sollen in den kommenden drei Jahren investiert werden, um den Fußballtempel von Müngersdorf, der derzeit 50.000 Zuschauern Platz bietet, in ein Stadion für 75.000 Besucher zu verwandeln.

Erst Carlos Eduardo, dessen Name nach großem Fußball klingt, dann diese Nachricht – betreiben die zuletzt so bodenständigen Kölner eine Rückkehr zum alten Größenwahn? Nein, versicherte Geschäftsführer Alexander Wehrle. Das Interesse an Eduardo sei sportlich wie wirtschaftlich wohl durchdacht und der Stadionausbau „zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt kein Thema“.

Man habe lediglich die technische Machbarkeit eines solchen Projektes überprüfen lassen. Aber der Plan existiert, Präsident Werner Spinner hat – so ist es in einem Protokoll zu lesen – auf einer Sitzung des Kölner Stadtrates gesagt: „Nach dieser Bundesligasaison (wird man) bei Verbleib in der Ersten Liga mit Blick auf das immense Zuschauerinteresse auch über eine Stadionerweiterung nachdenken müssen.“ Innerhalb von drei Jahren soll das Vorhaben umsetzbar sein.

Das RheinEnergie-Stadion wäre die zweitgrößte Spielstätte Deutschlands nach dem Dortmunder Westfalenstadion, noch vor der Arena in München. Voraussetzung ist allerdings, dass der Klub sich sportlich weiterentwickelt, dass die Mannschaft von Trainer Peter Stöger sich in der Bundesliga etabliert. Und dabei soll Carlos Eduardo helfen.

Bis Mittwochabend war Rubin Kasan noch nicht auf das Angebot der Kölner eingegangen, die angeblich knapp drei Millionen Euro bieten. Es wird weiter gefeilscht. Aber der Offensivspieler, der 2010 für 20 Millionen Euro von 1899 Hoffenheim nach Russland wechselte, ist bereits in Deutschland und sagte der Bild-Zeitung: „Für mich wäre es schön, wieder Bundesliga spielen zu können. Das Interesse von Köln ist eine große Ehre für mich.“

Der mittlerweile 27-Jährige könnte tatsächlich der perfekte Wintertransfer für den Aufsteiger sein. „Er steht voll im Saft und ist genau der Typ Spieler, der uns fehlt“, sagte Manager Jörg Schmadtke, „er ist im richtigen Alter, kennt die Liga und spricht ein bisschen Deutsch. Und er will unbedingt wieder in die Bundesliga.“ Die Kölner, die sich in der Hinrunde mitunter dem Vorwurf ausgesetzt sahen, etwas zu bieder und auf Sicherheit bedacht zu spielen, könnten mit Eduardos Fähigkeiten offensiver und torgefährlicher werden. Und auch aufregender. Für neutrale Besucher waren die Darbietungen in Müngersdorf in den vergangenen Monaten nämlich oft wenig erbaulich.

Aber ganz egal, ob die Sache klappt oder nicht, die Aussichten auf Besserung sind gut. „Vom Gefühl her sind jetzt alle etwas stabiler, als sie es im Herbst waren“, lautet Stögers Winterpausen-Fazit. Und dieses zurückhaltende „etwas“ beschreibt ganz gut, in welch ausgewogenem Zustand die Rheinländer sich jenseits der Eduardo- und Stadionphantasien befinden.

Hier muss nichts beschönigt werden, nüchtern und mit einem klaren Blick auf die Realität geht der Aufsteiger in die Rückrunde, die am Samstag mit dem Spiel beim Hamburger SV beginnen wird. Und spätestens dann werden die träumenden Kölner wieder mit den Wahrheiten der zwar soliden, aber keinesfalls glanzvollen Gegenwart konfrontiert werden. Die beiden Teams mit den wenigsten Toren treffen aufeinander, es soll nass, kalt und matschig werden – Abstiegskampf wie aus dem Bilderbuch.

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