In den Schulferien als jüngste deutsche Olympioniken am Start gewesen

Von: Helga Raue
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Diente früher zum Trainieren, heute liegen Äpfel auf dem Trampolin im Garten: Die jüngste deutsche Olympionikin, Elena Wassen, ruht sich nach dem Rio-Stress zuhause in Baesweiler aus. Foto: Wolfgang Birkenstock

Baesweiler. Während ihre Kollegen schon wieder über den Schulbüchern sitzen, genießt Elena Wassen noch ein wenig die Spätsommersonne im elterlichen Garten in Baesweiler. Die 15-Jährige ist für die ersten beiden Wochen von der Schule befreit, darf sich vom Stress der letzten Wochen erholen.

Denn während die Gleichaltrigen in dieser Zeit ihre Sommerferien genossen, vertrat die Wasserspringerin – als jüngste deutsche Olympionikin – die Landesfarben bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro. Mit Erfolg – Platz 17 im Halbfinale vom Turm kann sich bei der Premiere in so jungen Jahren sehen lassen.

„Das Halbfinale war mein Ziel, aber wenn der eine Sprung geklappte hätte...“. Der zweieinhalbfache Rückwärtssalto mit eineinhalbfacher Schraube – „Den kann ich sowieso nicht so gut. Im Vorkampf hatte ich nur Glück, dass der funktioniert hat“ – war der Knackpunkt.

Wäre er gelungen, wäre sogar das Finale möglich gewesen. „Mit Platz 17 bin ich zufrieden, aber ich war auch froh, als es endlich vorbei war“, gesteht Elena grinsend, auch wenn sie „nicht nervöser war als bei anderen Wettkämpfen auch“.

Überraschend – und auch wieder nicht, war Rio doch eigentlich ein Bonus, das eigentliche Ziel waren die Spiele 2020 für sie und ihre zwei Jahre ältere Schwester Christina. „Darauf hatten wir uns konzentriert. Dass ich mich für Rio qualifizieren würde, hätte ich nicht gedacht.“

Der Druck hatte bei der DM, gleichzeitig Qualifikation, mehr auf Christina gelegen, die nach Verletzungen aber nur Sechste wurde, während das Nesthäkchen locker zum Titel sprang und das Rio-Ticket löste.

Drei, vier Jahre alt war Christina Wassen, als sie mit ihrem Vater und den drei Brüdern Christoph, Thomas und Markus im Schwimmbad war. Die sprangen vom Brett ins Wasser, und die kleine Schwester machte es ihnen nach. „Sie ist wie ein Strich runtergekommen“, erinnert sich ihr Vater Josef Wassen noch an den ersten Sprung. Und da die Eltern ihre Kinder ermunterten, Sport zu treiben – bei den Jungs war es Fußball – wurde Christina beim SV Neptun Aachen angemeldet. Schwester Elena folgte zwei Jahre später – auch im zarten Alter von vier Jahren.

„Wir waren kurz in der Breitensportgruppe, dann hat Anne Hoffmann, die Trainerin, gefragt, ob wir mehr trainieren wollen“, so Elena Wassen. Nun ging es zuerst drei Mal, später fünf bis sechs Mal von Baesweiler nach Aachen. „Da waren wir Eltern eingespannt und sind ganz schön viel gefahren“, sagt Vater Wassen und lacht. Mit sechs Jahren sprangen beide schon bei NRW-Wettkämpfen mit, mit elf folgte die erste DM für die beiden Wassen-Mädels.

Nach internen Unstimmigkeiten beim SV Neptun wechselten die Schwestern zuerst zum WSC Aachen und 2013 nach Berlin ins Sportinternat. „Wir hatten nur die Wahl, wegzugehen oder aufzuhören – also gab es eigentlich keine Wahl“, begründet Elena Wassen, die ihre zaudernde Schwester überzeugte. „Christina wollte nicht, und als wir dann da waren, wollte ich nicht mehr, weil es mir in der Schule dort nicht gefallen hat.“ Und: „Zu Hause ist es immer schöner, das Internat ist kein Zuhause. Aber ich habe den Schritt nach Berlin nie bereut.“

Inzwischen haben die Schwestern sich aber eingelebt, und wenn Elena nach Berlin („Von der Stadt kenne ich noch nicht viel“) zurückkehrt, wartet ein Einzelzimmer auf sie, wie es auch Christina bereits bewohnt. „Zuerst haben wir zusammengewohnt, aber das war dann einfach zu viel, da wir ja auch auf den Wettkämpfen immer zusammen sind“, erläutert Elena grinsend.

Die Schule ist auf die Bedürfnisse der jungen Sportler ausgerichtet, die Klassen 9 und 10 absolviert die 15-Jährige in drei Jahren, um so die Fehlstunden auszugleichen. „In der A- und B-Jugend hat man in diesen Jahren viele Wettkämpfe zu springen“, so Elena, die derzeit pausiert und bei den Eltern „vor allem relaxt“. Und sich ins „Goldene Buch“ der Stadt Baesweiler eintrug.

Mitte des Monats geht es zurück nach Berlin, in die Schule und zum Training, das von der früheren Neptun- und heutigen Jugend-Bundestrainerin Anne Hoffmann betreut wird: Ende November/Anfang Dezember steht als nächstes Ziel die Jugend-WM im russischen Kazan auf dem Plan.

„Ich mache mir da keinen Druck, dieses Jahr habe ich schon so viel gemacht“, bleibt Elena locker. Zudem steht jetzt Synchronspringen auf dem Trainingsplan – an der Seite der älteren Schwester. „Ich möchte wie früher wieder mit Christina vom Turm antreten.“ Dabei fokussiert sich das Wassen-Duo auf ein Ziel: Olympia 2020 in Tokio.

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