In 80 Jahren mehr als zwei Mal um die Welt

Von: Robert Flader
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Hat sichtlich Freunde an dem,
Hat sichtlich Freude an dem, was er macht: Johann Schiller, der morgen 80 Jahre alt wird, ist schon über 100.000 Kilometer gelaufen.

Herzogenrath. Johann Schillers Heiligtum sind nicht seine Laufschuhe, ist nicht seine Stoppuhr, sondern ein Buch. Es ist ein eher kleines Notizheftchen, ein bisschen vergilbt, das aber seit 1975 fleißig seinen Dienst tut - und das bezeugt: Schiller, Lauf-Urgestein aus der Region, hat Ende November 2011 seinen 100.000. Kilometer hinter sich gebracht.

Einhunderttausend. Zu Fuß. „Ja gut”, sagt Schiller, als wenn diese Zahl nichts Besonderes wäre. „Ich habe in den vergangenen 30 Jahren auch an 785 Wettkämpfen teilgenommen. Da kommt schon einiges zusammen.” Jeden Lauf, ob im Training oder im Wettbewerb, hat er in seinem Buch notiert.

Es sind aber nicht „nur” die Kilometer, die Schillers Leistungen außergewöhnlich erscheinen lassen: Der Läufer der Elmar Kohlscheid wird an diesem Sonntag 80 Jahre alt. Und es ist keineswegs so, als würde er seit sechs oder sieben Jahrzehnten aktiv sein. „Ich habe spät angefangen, so mit Mitte 40”, erinnert sich der Fast-Jubilar an seinen Beginn als Ausdauersportler Mitte der 1970er Jahre. Damals war er Grubenarbeiter. „Ich hatte kaum Luft für 100 Meter.” Überhaupt, die gute alte Zeit: „Ich hatte früher immer schöne Mädchen dabei, das ist heute natürlich nicht mehr der Fall”, sagt Schiller, der 1950 aus München nach Kohlscheid kam, lachend: „Die wollten halt nie länger als drei Stunden laufen.”

Schillers Vorliebe sind und waren Langstrecken-Wettkämpfe, Marathonläufe überall in Europa. „Wo waren wir nicht überall, in Paris, in Kopenhagen. Auch der New-York-Marathon hätte mich gereizt, aber da bin ich leider nicht hingekommen.”

75 Marathonläufe, davon 1985 gleich zehn innerhalb eines Jahres, zwei innerhalb einer Woche, dazu unzählige Winter- und Silvesterläufe in der Region, Johan Schiller erinnert ein bisschen an den Duracell-Hasen, der scheinbar immer Energie hat, egal wie lange, egal wo er unterwegs ist.

So sehr der Kohlscheider Athlet aber seine Kilometer im Blick hat, so egal waren ihm die Zeiten, die er erreichte. „Schauen Sie”, betont er, „ich habe so viele Läufe hinter mir, Zeiten waren nicht ein einziges Mal ein Ziel oder ein Antrieb.” Vielleicht ist Johann Schiller deshalb so im Reinen mit sich selbst. Und weil ihm die regelmäßigen Strecken zu Fuß nicht ausreichen, schwingt sich Schiller nach wie vor aufs Fahrrad. „Damit habe ich auch schon zehntausende Kilometer hinter mir”, sagt er, als wenn das gar nichts wäre.

Seit rund sieben Jahren nimmt er nicht mehr an Wettkämpfen teil. „Mein Arzt hat gesagt, ich soll als Senior etwas langsamer machen”, sagt er und lacht verschmitzt. „Langsam machen” heißt für ihn immer noch: Mindestens jeden zweiten Tag laufen gehen und Fahrrad fahren. Johann Schiller, er wird einfach nicht satt.
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