Hermann Bühlbecker sieht Reformbedarf in der Tennis-Bundesliga

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Wie Bayern München ohne seine besten Spieler: Kurhaus-Hauptsponsor Dr. Hermann Bühlbecker kritisiert, dass Aachen Wettbewerbs-Nachteile hinnehmen muss, um den Spannungsbogen bis zum letzten Spieltag hochzuhalten. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Gleichauf liegen der TK Kurhaus Aachen und der TC Blau-Weiß Halle vor dem letzten Spieltag am Sonntag (11 Uhr) an der Spitze der Tennis-Bundesliga. Während Vizemeister Aachen den Aufsteiger Rot-Weiss Köln empfängt, muss der Titelverteidiger aus Westfalen in Neuss antreten. Vor dem saisonentscheidenden Aufeinandertreffen sprach Roman Sobierajski mit Dr. Hermann Bühlbecker, Hauptsponsor des Aachener Lambertz-Teams.

Wie sehen Sie die Ausgangslage der Spitzenteams der Tennis-Bundesliga vor dem letzten Spieltag?

Bühlbecker: Wir müssen davon ausgehen, dass der TK Kurhaus im Vergleich zu Halle die deutlich schlechteren Chancen auf den Titelgewinn hat. Köln hat das deutlich bessere Team und will als Aufsteiger mit einem guten Abschluss die Saison beenden. Für Neuss geht es dagegen um nichts mehr. Dustin Brown an Nummer eins für Köln hat gerade erst Rafael Nadal in Wimbledon geschlagen. Auch die anderen sind sehr gut drauf. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir ein oder zwei Matches verlieren, ist deutlich größer. Eigentlich können wir froh sein, wenn wir mit dem Team, das wir aufbieten können, überhaupt gewinnen.

Aber bis zur Niederlage in Halle am zurückliegenden Spieltag ist der TK Kurhaus doch recht souverän durch die Saison marschiert...

Bühlbecker: Aber man muss auch sehen, dass wir unsere drei besten Spieler in den letzten Begegnungen nicht mehr aufbieten können. Das ist meine generelle Kritik an der Tennis-Bundesliga: Wir haben drei Akteure, die zur Weltspitze gehören, Roberto Bautista-Agut, Pablo Cuevas und Philipp Kohlschreiber, und die können wir in den entscheidenden Partien nicht mehr bringen.

Wegen der gleichzeitig laufenden Masters Series in Nordamerika, wo die Top-30-Spieler antreten müssen...

Bühlbecker: Richtig. Aber es ist ja fast schon ein Witz: Kohlschreiber gewinnt samstags das ATP-Turnier in Kitzbühel, will sonntags für Aachen in der Bundesliga spielen und darf nicht. Da muss man auch Zweifel anbringen dürfen. Als Sponsor sehe ich auch mit gemischten Gefühlen, dass sich der TK Kurhaus bei der Bundesliga-Versammlung damit einverstanden erklärt hat, das Aufeinandertreffen mit Halle, wie schon in den Vorjahren, weit an das Ende der Saison zu legen, um den Spannungsbogen hoch zu halten. Für Aachen ist das ein totaler Wettbewerbsnachteil. Ich kann nicht nachvollziehen, dass wir dem zustimmen, wenn wir Deutscher Meister werden wollen. Auch dass so eine wichtige Begegnung wie gegen Mannheim am ersten Wimbledon-Wochenende angesetzt wird, kann ich nicht nachvollziehen. Ich habe dem Spielleiter geschrieben, dass man so die Bundesliga diskreditiert, weil man offensichtlich keinen gesteigerten Wert darauf legt, die besten Spieler am Start zu haben.

Was könnte man denn ändern?

Bühlbecker: Die Ansetzung der Partie gegen Halle sollte ausgelost werden, das wäre fair. Darüber hinaus gibt es einiges, das ich nicht nachvollziehen kann. Wir müssen nach der Saison mal einiges Revue passieren lassen, egal, ob wir nun Deutscher Meister werden oder nicht. Man muss darüber nachdenken, was man reformieren muss, um der Sache auch den ihr zustehenden sportlichen Wert zu geben. Unser Trainer Carsten Arriens sagt, wir haben die bestaufgestellte Mannschaft, die anderen Teams bezeichnen uns als Bayern München, aber wir müssen ohne Franck Ribéry und Arjen Robben gegen den stärksten Gegner antreten.

Allerdings hat Aachen eigens für diese Begegnung Andreas Seppi verpflichtet, nur ist der nicht angetreten.

Bühlbecker: Man muss aber auch sehen, dass sich Seppi mittwochs verletzt aus dem Turnier in Kitzbühel zurückgezogen hat, und er konnte dann auch schlecht sonntags für uns spielen. Dass er dann nicht mehr erreichbar war, ist allerdings sehr unglücklich. Aber man muss sich schon fragen, wie zuverlässig sind Verträge, und wer hält sich dran. Vor allem, da Seppi montags in Montreal angetreten ist. Noch einmal: Unser Ziel kann nicht sein, schwach anzutreten, um die Bundesliga spannend zu halten. Wenn die Bundesliga nicht den Eigenanspruch hat, wenn der TK Kurhaus dem Spielplan klaglos zustimmt, muss man sich als Sponsor fragen, wo bleibt am Ende des Tages der sportliche Ehrgeiz?

Schwingen in diesen Sätzen Rückzugsgedanken mit?

Bühlbecker: Nein, wir werden auf jeden Fall dabeibleiben. Aber in welchem Umfang, werden wir davon abhängig machen, wie sich die Bundesliga ausrichtet und wie sich der TK Kurhaus zur Bundesliga positioniert.

Unabhängig davon konnte man den Eindruck gewinnen, dass die Spieler von Blau-Weiss Halle motivierter waren, mehr gebrannt haben.

Bühlbecker: Da gebe ich Ihnen recht, auch wenn man unseren Spielern keinen Vorwurf machen kann. Sie waren motiviert und haben sich voll reingehängt. Aber, wenn man sieht, dass der Hallenser Jan-Lennard Struff in dieser Woche beim ATP-Turnier in Prag in der ersten Runde gegen einen Qualifikanten mit 1:6 und 0:6 ausscheidet, ahnt man, wo da die Prioritäten liegen.

Vielleicht sollte der TK Kurhaus versuchen, Struff für die kommende Saison zu verpflichten.

Bühlbecker: Wenn wir wollten, wäre es vielleicht möglich, aber es wäre schlechter Stil, sich um den Schlüsselspieler des stärksten Gegners zu bemühen.

Aachen hat in den letzten Jahren fünf Mal den Titel geholt, einige Male vor allem, weil die Doppel die nötigen Siege eingefahren haben. Man hat den Eindruck, dass das in dieser Saison nicht so geklappt hat.

Bühlbecker: Wir haben sehr starke Doppelspieler: Dominik Meffert, Philipp Kohlschreiber, Philipp Petzschner, Carlos Berlocq. Schaut man in die Statistik, dann sieht man, dass wir gegen die drei stärksten Gegner Mannheim, Krefeld und Halle von sechs möglichen Punkten nur zwei geholt haben. Auch über diesen Punkt werden wir ab der kommenden Woche nachdenken müssen. Man kann nicht einfach sagen, bei fünf verlorenen Champions-Tiebreaks hat es der Tennisgott, oder wer auch immer zuständig ist, nicht gut mit uns gemeint.

Hand aufs Herz: Wie lautet Ihr Tipp für den morgigen Spieltag?

Bühlbecker: Ich denke, dass wir gegen Köln mit 5:1 oder 4:2 gewinnen werden. Ob es dann für den TK Kurhaus zum Titel reicht, hängt von dem Ergebnis in Neuss ab. Man muss aber davon ausgehen, dass man ohne Verlustpunkt bleiben muss, um als Erster über die Ziellinie zu gehen. Aber auch, wenn wir erneut Vizemeister werden sollten, würde ich das noch als Erfolg werten.

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