Havard Nordtveit: Mönchengladbachs „Macho“ aus dem Mittelfeld

Von: Heribert Förster
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Starkes Spiel: Havard Nordtveit hängt den Wolfsburger Jan Polak ab. Foto: imago/Moritz Müller

Mönchengladbach. Ja, wenn Lothar Matthäus das über Lothar Matthäus verkündet hätte. Man hätte gesagt: „Gut, so ist er.“ Aber es war nicht der „Loddar“, der sein Freizeitverhalten so beschrieben hat: „Ich liege im Bett, und meine Frau macht das andere.“ Es war Havard Nordtveit, Norweger, passionierter Angler, Typ Schwiegermutter-Traum, 22 Jahre jung und dennoch schon mit einer bewegten Fußball-Vergangenheit. Also sprach Nordtveit: „Ich liege im Bett, und meine Frau macht das andere.“

Da hat sich Borussia Mönchengladbach ja einen schönen Macho geangelt, mag jetzt manch einer denken, doch der stets freundliche, zuvorkommende und bescheidene Nordtveit („Ich rede lieber über die Mannschaft“) hat mit seinem Spruch lediglich verdeutlichen wollen, dass für ihn nur der Fußball zählt. Fußball. Und dann: Fußball, Fußball, Fußball. Und wenn er nicht Fußball lebt, dann ruht er sich aus (gerne im Bett). Fürs nächste Training, fürs nächste Spiel.

Vielleicht hat der Mittelfeldspieler auch deshalb bislang problemlos durchgespielt, von 2100 Minuten in 23 Pflichtspielen (ohne Nachspielzeiten) seit dem 18. August gerade einmal wegen drei Auswechslungen schlappe 53 Minuten verpasst.

Beim 2:0 gegen den VfL Wolfsburg am Mittwoch war Nordtveit der beste Borusse, und der Blick in die Statistik erklärt, warum man nicht zwingend den Zusatz „defensiver“ vor Mittelfeldspieler schreiben muss. Die Spiel-Rubriken Torschüsse (5) und Torschussvorlagen (4) führt der Mann mit dem gewaltigen Schuss an. „Und er hat auch eine überragende Schusstechnik“, sagt Tony Jantschke, Torschütze zum wichtigen 2:0 kurz vor der Pause – nach einem Eckball Nordtveits.

Die feine Technik war zu bewundern beim 1:0 durch den noch etwas besseren Schusstechniker Juan Arango, der einen laut Fernsehmessung 48 Meter lang geschlagenen wunderbar getimten Crossball Nordtveits volley ins Netz drosch. Oder bei einem Freistoß aus 35 Metern. Oder beim Pfostentreffer in der Nachspielzeit.

„Das beste Spiel von ihm, seit ich hier bin“, fand Trainer Lucien Favre, um gleich nachzuschieben: „Er hat noch viel Potenzial.“ Was Nordtveit momentan abruft, lässt erahnen, warum er als 17-Jähriger schon vom FC Arsenal geholt wurde. Nach diversen Ausleihgeschäften nach Spanien, in die Heimat und zum 1. FC Nürnberg verpflichtete ihn Borussia in der Winterpause der anfänglichen Horror-Saison 2010/11.

Seitdem ist Nordtveit fester Bestandteil der Stammelf, und genau wie die Mannschaft einen Weg der kleinen Schritte geht, so entwickelt sich auch Nordtveit immer ein bisschen weiter. Mehr Akzente in der Offensive will er setzen nach dem defensiv geprägten vergangenen Traumjahr.

Es gelingt immer besser, mit einer immer besser werdenden Balance, und gegen Wolfsburg durfte Nordtveit sogar Freistöße schießen. Juan Arango, Borussias Herr über den ruhenden Ball, ließ den Norweger („Ich habe Juan gefragt“) gewähren.

Und nicht nur wegen der Wucht ist der Dauerbrenner und -renner (Favre: „Er regeneriert sehr schnell“) eine Alternative bei Standards zu Arango. Aber nach seinen torlosen Versuchen befürchtet Nordtveit: „Jetzt muss ich wohl wieder hundert Freistöße lang warten...“

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