Hans-Peter Lehnhoff: Über Mariadorf in den Profifußball

Von: Klaus Schmidt
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Einer der besten Fußballer, die die Region jemals hervorgebracht hat: Hans-Peter Lehnhoff, hier 1997 im Trikot von Bayer Leverkusen. Für den Werksklub und für den 1. FC Köln machte er insgesamt 237 Bundesligaspiele. Foto: sport/HJS

Leverkusen. Sein allerallerallerletztes Spiel machte er mit knapp 48 Jahren. Jupp Heynckes brachte ihn im Mai 2011 noch mal für ein paar Minuten, Hans-Peter Lehnhoff erinnert sich an dieses Benefizspiel in Remscheid, „ich wurde für Michael Ballack eingewechselt“.

Das war’s dann endgültig. Heute steht Lehnhoff nur noch dann auf dem Platz, „wenn wir im Training eine ungerade Zahl haben“, da hilft er gerne aus. Dieser in seiner aktiven Karriere so begnadete Linksfuß und klassische „Zehner“ ist dem Fußball erhalten geblieben, seit dem offiziellen Ende der Laufbahn 1999 ist Lehnhoff Team-Manager bei Bayer Leverkusen. Fast schon mehr als ein Fulltime-Job: „Sieben-Tage-Woche, frühmorgens hier, abends gehe ich mit den Letzten und bin auch an freien Tagen da“, in der BayArena.

Ein Ur-Mariadorfer

Lehnhoff, dieser Ur-Mariadorfer, spielte in jungen Jahren stets eine Altersklasse höher und schon mit 17 in der Seniorenmannschaft der „Land“-Alemannia. Die aus der Stadt Aachen lud ihn zum Probetraining ein, „ich hatte auch einen guten Eindruck hinterlassen“. Aber: „Die haben mich von Anfang an verarscht. Plötzlich sollte ich nur für die Zweite Mannschaft verpflichtet werden – die spielte noch unterhalb von Alemannia Mariadorf. Warum hätte ich da wechseln sollen? Die wollten einfach die Ablösesumme von 12 000 oder 13 000 Mark nicht zahlen.“ Horst Buhtz, der damalige Aachener Chefcoach, gab ihm noch den Tipp mit auf den Weg: „Junge, Du musst mehr Kotelettchen essen.“ Nur wenige Jahre später begegnete man sich wieder, im DFB-Pokal, 1. FC Köln gegen Stuttgarter Kickers, 8:0. Lehnhoff stand in einem Team mit Schumacher-Bein-Littbarski-Allofs, er schoss ein Tor und richtete Buhtz aus: „Habe Kotelettchen gegessen.“

Unerfüllter Alemannia-Traum

Er hätte als Junge aus der Region wie so viele Talente gerne für die „große“ Alemannia gespielt, die Dinge entwickelten sich wie bei vielen Talenten aus der Region anders. Hans-Peter Lehnhoff ging zum Trainer Rolf Pawellek, zum SV 09 Baesweiler, damals eine große Nummer in der Oberliga, der dritthöchsten Klasse. Lehnhoff arbeitete im erlernten Beruf als Maler und Lackierer, „eine Ausbildung war wichtig“ in einer Familie aus einfachen Verhältnissen, und über die Wochenenden schoss er 15 oder 16 Tore, genau weiß er das nicht mehr. Es waren jedenfalls die meisten für das Team, und als 20-Jähriger hatte er einen Profivertrag beim 1. FC Köln in der Tasche. Entdeckt von Manager Kalli Thielen und Trainer Hannes Löhr.

Es waren die Zeiten, als Fußballer bei Six-Pack „nur an ein Getränk gedacht haben“ und sich Offensivspieler „auch mal ausruhen konnten“, doch dieser Hans-Peter Lehnhoff hatte mehr drauf als alle anderen gerade in seiner Altersklasse. Im „Geißbock“-Trikot wurde er schnell zum Stammspieler, nach drei Jahren wechselte er 1987 zu Royal FC Antwerpen, zu „Sir“ Georg Keßler, der ihn schon beim FC gecoacht hatte. Lehnhoff wurde Belgiens Fußballer des Jahres, drei Mal bester Ausländer der Liga, sechs Mal in sieben Jahren von den Klubfans zum „Spieler der Saison“ gekürt. Er zog ins Europacup-Finale der Pokalsieger 1993 in Wembley gegen den FC Parma ein und wurde in Antwerpens Jahrhundert-Elf gewählt – mit den zweitmeisten Stimmen. „Das war die größte Ehre.“

Aber Lehnhoff lockte noch mal die Bundesliga, ein höheres Niveau, „ich hatte auch zwei, drei Kilo zu viel von Pommes und Bier“. Tages-Trainingslager auch vor Heimspielen waren bei seinem Klub ebenso unbekannt wie Einheiten und Pflege am Tag danach. „Wir spielten meist freitagsabends. Samstagsmorgens habe ich bei mir zu Hause den Rasen gemäht – weil ich mich gelangweilt habe.“

Die vom FC bereits öffentlich verkündete Rückkehr platzte; zuvor hatte Reiner Calmund Wind davon bekommen, dass es hakt. „Und plötzlich stand Calli bei mir vor der Tür und sagte: ,Stepi‘ (Anmerkung: Dragoslav Stepanovic) will Dich haben.“ Schließlich zahlte Bayer Leverkusen die festgeschriebene Ablösesumme von einer Million Mark. Hans-Peter Lehnhoff erlebte die „sportlich schönste Zeit“ und musste nicht lange überlegen, als Manager Calmund und Trainer Christoph Daum zum Ende der Profikarriere die neu geschaffene, gerade in Italien in Mode gekommene Stelle des Team-Managers anboten. „Sonst wäre ich wohl Trainer im Jugendbereich geworden“, die individuelle Arbeit später mit Gonzalo Castro, Marcel Risse oder Stefan Reinartz machte jedenfalls Spaß.

„Ich komme jeden Tag gerne hierher“, sagt der inzwischen 52-Jährige, der so frisch wirkt, als wäre seit 20 Jahren die Zeit stehengeblieben. Lehnhoff, zu dessen Stab vier Mitarbeiter gehören, hat sein Büro gleich neben der Mannschaftskabine, er ist Sportdirektor Rudi Völler direkt unterstellt und verantwortlich für alle Belange rund um die Mannschaft: Organisation von Trainingslagern, Reiseplanung zu den Auswärtsspielen, Wohnungssuche, behördliche Angelegenheiten. Als das Team zum Champions-League-Spiel nach Borissow flog, nahm Bayer eigenes Essen und eigenen Koch mit – eine logistische, vor allem zolltechnische Herausforderung. Der Team-Manager muss den Überblick behalten, auch gegenüber den Anti-Doping-Agenturen. „Trainingspläne, Abwesenheit von Spielern, Reha-Maßnahmen, alles müssen wir melden. Auch wenn kurzfristig eine geplante Einheit ausfällt.“ Lehnhoff spricht von „Wahnsinn, was inzwischen alles an einer Lizenzspieler-Mannschaft hängt. Und was den Spielern alles abgenommen wird.“ Das hätte er als Aktiver auch gerne gehabt, „andererseits waren wir selbstständiger“.

Die Zeiten haben sich geändert, Hans-Peter Lehnhoff hadert nicht, sonst könnte er diesen Job kaum machen. Fußball sei für ihn immer noch „die schönste Nebensache“, und auch wenn die kurzbehosten Mitarbeiter „ein Schweinegeld verdienen und sich Autos für 300 000 Euro leisten können“, pflegt Lehnhoff den außergeschäftlichen Aspekt. Den ausländischen Profis sagt er: „Wenn Du Dich in der Gemeinschaft wohlfühlen willst, musst Du die Sprache lernen.“ Er kann das beurteilen, er war selbst Ausländer in Antwerpen, hat Flämisch und Französisch gelernt und war in der Lage, Interviews in den Landessprachen zu geben. Lehnhoff fällt es schwer nachzuvollziehen, wenn ein Arturo Vidal sich auch bei Bayern München keine Mühe gibt, Deutsch zu lernen.

Gerade den Jüngeren im Kader kann er außerdem nur empfehlen, vorsichtig mit Facebook und anderen oft gar nicht so „sozialen Medien“ umzugehen. „Es reicht schon, wenn sie immer damit rechnen müssen, gefilmt zu werden, ohne dass sie es merken.“ Darüber brauchte sich der aktive Fußballer Hans-Peter Lehnhoff nie Gedanken machen. Und das fand er gut so.

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