Handschlag von Guardiola für Simon Seferings

Von: Tobias Röber
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Im Frühjahr gehörte Simon Seferings, hier im Kopfballduell (rechts) gegen den Nachwuchs von 1860 München, noch zur U 19 der Bayern: Jetzt hat er den Sprung in den Seniorenbereich geschafft. Foto: Sport/Lackovic

München/Eschweiler. Plötzlich geht alles ganz schnell. Um 15 Uhr noch schleppt Simon Seferings Umzugskartons. Er trägt ein Paar Chucks, eine lässige Shorts und ein T-Shirt. Keine zwei Stunden später steht er auf dem Fußballplatz und spielt Bälle mit Philipp Lahm, Toni Kroos, Thomas Müller & Co. Und er lauscht den Anweisungen von Pep Guardiola.

Ja genau, die Spieler des FC Bayern München sind gemeint, die gerade erst das Triple abgeräumt haben. Und der Trainer, der derzeit überall so präsent ist, wie es in Deutschland wohl noch nie ein Trainer war. Aber was macht Simon Seferings aus Eschweiler dort? Das kam so . . .

Vor rund zwei Jahren flattert beim damals 15-Jährigen ein Angebot des FC Bayern rein. Zu dieser Zeit kickt Simon Seferings bei Alemannia Aachen, und einige Bundesligisten bemühen sich um die Dienste des Nachwuchskickers. Die Bayern bekommen den Zuschlag. Simon Seferings zieht ins Jugendinternat des FC Bayern, in dem schon Spieler wie Bastian Schweinsteiger, Thomas Müller, David Alaba und Emre Can untergebracht waren. Ansporn genug, es ihnen nachzumachen.

Aber der Weg ist steinig. Viele Jungen hegen den Traum, Fußballprofi zu werden, nur für einige wenige wird er wahr. Simon Seferings kämpft in seinen ersten beiden Jahren beim FC Bayern unter anderem auch mit Verletzungen. Das erste Training bei den Profis entschädigt nun für die Mühen und auch mitunter schweren Stunden fern der Heimat. In der Schule hat er es anfangs schwer, verlässt das Gymnasium und geht auf die Realschule. Den Abschluss hat er in der Tasche, derzeit macht er sein Fachabi im Bereich Soziales. Er hat sich als bewussten Kontrast zum Fußballgeschäft die Arbeit mit geistig und körperlich Behinderten und Menschen im Altersheim ausgesucht.

Zurück zu seinem außergewöhnlichen Erlebnis. Wer 18 Jahre alt wird (vergangenen Freitag war es bei Simon Seferings so weit), muss das Jugendinternat des FC Bayern verlassen und in eine eigene Wohnung ziehen. Simons Vater Jörg Seferings reist eigens deswegen nach München, um seinem Sohn beim Umzug zu helfen.

Trainingslager mit der U 23

Es ist erst wenige Wochen her, da ist der junge Indestädter mit der A-Jugend des FC Bayern im Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft an Hansa Rostock gescheitert. Sommerpause hat Simon deswegen noch lange nicht. Er soll bei den Amateuren mittrainieren. Für ein paar Tage nur und vielleicht ein Testspiel, denkt Seferings. Weit gefehlt! Nach ein paar Einheiten wird er vom neuen U-23-Trainer Erik ten Hag gefragt, ob er mit ins Trainingslager an den Gardasee möchte.

Simon Seferings hat da längst Blut geleckt. Das Training bei den Amateuren gefällt ihm sehr, in jeder Einheit lernt er dazu. Für ihn sind die Einheiten unter anderem mit Tobias Schweinsteiger, dem Bruder von Mittelfeldstar Bastian Schweinsteiger, und etwa Stefan Buck, der auf 19 Bundesliga- und 132 Zweitligaspiele zurückblickt, wie ein Quantensprung zum bis dato Erlebten.

Er wird von der Schule für zwei Wochen freigestellt. Im ersten Testspiel wird er für die letzten zehn Minuten eingewechselt, im zweiten darf er gar von Beginn an ran. Acht Minuten vor dem Ende wird er ausgewechselt. Und dann gibt es schon den nächsten Quantensprung.

Simon und sein Vater sind bereits zweimal am Umzugstag in die neue Wohnung gefahren, eine Tour steht noch an. Am Morgen hat der 17-Jährige noch bei den Amateuren trainiert. Im kleinen Appartement im Internat an der Säbener Straße klingelt es plötzlich. An der Türe steht Michael Tarnat, Ex-Profi und Sportlicher Leiter der FCB-Juniorenteams. Seine Worte sind eindeutig: „Simon, du musst sofort runterkommen.“ Im ersten Moment will Simon sagen, dass er nicht kann, weil er ja umzieht.

Dann sagt er nur, dass er alle seine Trainingskleidung bereits in der neuen Wohnung hat. Michael Tarnat interessiert das wenig, er nimmt Simon mit in den Profibereich. Er wird eingekleidet, und plötzlich ist er mittendrin. Er geht an Franck Ribéry und Jerome Boateng vorbei, die vor dem Training noch etwas Billard spielen. Er sieht Toni Kroos und Thomas Müller, die mit großen Kopfhörern auf einer Couch liegen und Musik hören. Wenig später schreibt Thomas Müller eine SMS und wird von Ribéry dabei mit Socken beworfen. Es geht extrem locker zu. Alle Spieler begrüßen den Neuen mit einem „Hallo“ oder „Servus“.

Für Gomez einspringen

Kurz darauf geht es in einen Besprechungsraum. Jeder Spieler hat seinen eigenen Sessel, den er sich wie gewünscht einstellen kann. Und dann kommt Pep Guardiola auf Simon Seferings zu. Er streckt ihm die Hand entgegen, fragt nach seinem Namen und sagt: „Schön, dass du dabei bist.“

Dann geht es auf den Trainingsplatz. Mario Gomez ist nicht dabei, für ihn springt Simon Seferings ein. Ein Glücksfall, ein anderer Spieler ist auf der Anlage des FC Bayern so schnell nicht verfügbar. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort, heißt es ja nicht von ungefähr. Zunächst spielt Simon Bälle mit Philipp Lahm und Thomas Müller. Dann steht ein Spiel an.

Simon erzählt später, dass alles viel schneller geht, dass die Pässe mit viel höherem Tempo gespielt werden. Und er sagt, dass ihm das sehr entgegenkommt. Sein Vater beobachtet das Training. Von Nervosität sieht er bei seinem Sohn nichts. Dann ist das Training irgendwann vorbei. Eine Weile später kommt Simon Seferings aus dem Profitrakt. „Mit einem breiten Grinsen“, wie sein Vater erzählt. Auf die Frage, wie es war, sagt Simon Seferings: „Papa, ich muss mich erstmal setzen. Das ist wie in einer anderen Welt. Aber genau da will ich hin.“ Bis dahin steht jedoch noch viel harte Arbeit an. Im Dezember wird sich Simon Seferings mit dem FC Bayern zusammensetzen, um über die Zukunft reden. Wie die im Optimalfall aussieht, weiß Simon Seferings spätestens, seitdem er unter Pep Guardiola trainieren durfte.

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