Aachen - Hallencup: KBC siegt auch dank Alemannias Fairness

Hallencup: KBC siegt auch dank Alemannias Fairness

Von: Helga Raue
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Erster Sieg in der Hallencup-Geschichte: Die Frauen des Kohlscheider BC jubelten. Heike Brech von der Sparkasse Aachen und Klaus Pastor vom Zeitungsverlag Aachen freuen sich ihnen. Foto: Martin Ratajczak
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Umkämpft: In dem guten Finale, hier Aachens Nicole Dziwisch am Ball, ging es rasant zu.

Aachen. Selten haben Freude und Leid so eng auf dem Spielfeld beieinander gelegen: Eben noch wähnten sich die Mädels des Kohlscheider BC im Fußball-Himmel, fühlten sich als Siegerinnen, da kam die Hiobsbotschaft: Das Neunmeterschießen war nicht regelkonform abgelaufen, das erste KBC-Tor hatte eine Spielerin erzielt, die Sekunden vor Abpfiff der regulären Spielzeit mit einer Zeitstrafe vom Platz gestellt worden war.

Schiedsrichter Jürgen Wenerus gestand den Fauxpas ein, es musste erneut geschossen werden. Nur einen kurzen Moment lang strahlten die Frauen von Alemannia Aachen, schauten dann auf die weinenden KBC-Mädchen, steckten die Köpfe zusammen – und verzichteten auf ihr Recht. Nun war der Jubel grenzenlos: Landesligist Kohlscheider BC gewann zum ersten Mal den Sparkassen-Hallencup, den unsere Zeitung präsentiert, mit 4:2 nach Neunmeterschießen gegen Zweitligist Alemannia Aachen.

„Ich werde in unseren Klub anstoßen, dass wir Alemannia beim FVM für das ,Fair Play des Monats‘ vorschlagen“, war Gustav Zysk sehr dankbar für die Fairness der Alemannia-Frauen. der 61-Jährige hat das Team erst vor zwei Wochen als Nachfolger von Günther Bücken und Karl Hallmann übernommen, die sich künftig um die Reserve und die Sportliche Leitung kümmern werden. „Meine Mädels waren so am Boden zerstört, dass ich einen Moment schon selbst überlegt habe, zu verzichten.“

Schon das zweite Halbfinale war emotional sehr belastend für die KBC-Mädchen und für die Gegnerinnen von den Sportfreunden Uevekoven gewesen: 5.51 Minuten vor Schluss führte der Landesliga-Spitzenreiter gegen den Mittelrheinliga-Dritten. Da passierte es: Michelle Gaden verletzte sich nach einem Zusammenprall schwer. Bruch des Waden- und Schienbeins sowie des Knöchels lautete die erste Diagnose. Rund eine halbe Stunde lang war das Turnier unterbrochen, bis die verletzte Spielerin gut versorgt abtransportiert war. Auf Wunsch von Uevekoven wurde die Partie nicht mehr angepfiffen.

„Das wollte ich den Mädchen nicht antun, alle sind am Boden zerstört. Schade, bis zu dem Unfall war ich mit dem Tag sehr zufrieden“,. bedauerte Uevekovens Trainer Marcel Herzog. Der 35-Jährige, der selbst u. a. in den Amateurmannschaften von Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln spielte und zuletzt Sportlicher Leiter beim SV Helpenstein war, hatte das Team am 1. Januar übernommen. „Ich habe eine tolle Mannschaft, auf, wie neben dem Platz.“ Uevekoven hatte sich in der Vorrundengruppe vor Jüngersdorf Stütgerloch durchgesetzt. Und der TuS wäre auch der Gegner im Neunmeterschießen um Platz 3 gewesen. „Wir haben angeboten, darauf zu verzichten und uns Platz 3 zu teilen“, demonstrierte auch TuS-Coach Stephan Wenn sportliche Fairness. Und so gab es für die niedergeschlagenen Uevekovenerinnen zum Abschluss doch noch ein „Bonbon“.

Während Bezirksligist Germania Dürwiß Kornelimünster besiegte und Uevekoven beim 3:3 sogar noch einen Punkt abkämpfte – erst in der Schlussphase hatte der Favorit noch ausgeglichen –, reiste Mittelrheinligist Eintracht Kornelimünster ohne Punkt nach Hause.

In der Vorrundengruppe A war Bezirksligist Sportfreunde Hörn ebenfalls punktlos geblieben. Mit Ambitionen war Landesligist SW Waldenrath-Straeten angereist, überstand aber die Vorrunde nicht. Nur gegen Hörn war ein Sieg gelungen. „Das ist schade, weil wir uns mehr vorgenommen hatten. Wir haben unsere Chancen nicht gemacht“, war Co-Spielertrainerin Nicole Baczewski etwas betrübt nach dem frühen Aus. „Wir nehmen trotz allem viel positives mit, weil wir uns trotz allem gut präsentiert haben. Wir hatten Spaß und keiner hat sich verletzt, was sehr wichtig ist.

Mit jeweils sieben Punkten hatten Alemannia Aachen und der Kohlscheider BC diese Gruppe dominiert – auch im direkten Aufeinandertreffen trennte man sich im ersten Spiel unentschieden 1:1. „Das war nicht so einfach, wir mussten in der Halle erst in die Partie hineinfinden. Aber danach ist es gut gelaufen“, war Aachens Kapitänin Susanne Kasperczyk zufrieden. Dank des besseren Torverhältnisses ging Aachen als Vorrundensieger ins Halbfinale gegen den TuS Jüngersdorf/Stügerloch, den man 2014 im Finale knapp besiegt hatte. Diesmal gelang das mit 5:0 deutlich.

Als das Finale nach dem tragischen Unfall angepfiffen wurde, herrschte in der Halle Totenstille. Doch als die Mädels ihre Beklommenheit ablegten, wurde die Partie noch richtig gut. Zwei Mal glichen die KBC-Frauen die Führung der Alemannia aus und erzwangen so das Neunmeterschießen. In dem nur der KBC zwei Treffer verwandeln konnte – einen davon durch eine nicht spielberechtigte Akteurin. Doch – Ende gut, alles gut. Nach Alemannias Verzicht auf eine Wiederholung gab es am Ende eigentlich zwei Sieger – den KBC als Turniersieger und die Alemannia-Frauen als Sieger der Herzen.

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