Stolberg - Grindel will Hilfe anbieten und Engagement fordern

Grindel will Hilfe anbieten und Engagement fordern

Von: Roman Sobierajski
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Gespräch über Fußball: Bernd Mathieu, Chefredakteur unserer Zeitung, interviewt DFB-Boss Reinhard Grindel. Foto: Dirk Müller

Stolberg. Als oberster Repräsentant des deutschen Fußballs hätte Reinhard Grindel an diesem Donnerstagnachmittag wohl lieber keine Zeit gehabt, im Vereinsheim des SV Breinig Station zu machen. Nicht, weil der DFB-Präsident die Fragen der Vertreter der Amateur-Fußballklubs fürchtet.

Der 55-Jährige hätte nämlich früher im Stadion im niederländischen Enschede sein müssen, wären die deutschen Fußballfrauen bei der Europameisterschaft nicht schon vor dem Halbfinale ausgeschieden. Doch so blieben in der von Bernd Mathieu, Chefredakteur unserer Zeitung, moderierten Fragerunde 60 Minuten Zeit, um sich den Problemen der Basis zu stellen.

Sucht man die Gemeinsamkeit, wurde schnell klar, dass der DFB-Präsident und die Vereinsvertreter eigentlich den selben Platz bespielen – und Grindel wurde auch nicht müde, Hilfestellung durch den Verband anzubieten, Lösungswege aufzuzeigen, aber auch Engagement einzufordern.

Etwa beim drückenden Problem fehlender Referees, denn von 100 Jungschiedsrichtern gehen nach einem Jahr 80 wieder verloren, weil sie in dieser Zeit entsprechend schlechte Erfahrungen gemacht haben. „Wir haben eine Partneraktion ins Leben gerufen, in der ältere und erfahrene Schiedsrichter die Neuen durch diese schwierige Zeit bringen. Wer dies durchsteht, bleibt meist für viele Jahre“, führte Grindel aus.

Doch der DFB-Chef führte auch aus, dass die Klubs an der Basis die eigentliche Arbeit leisten müssten und der Verband nur für möglichst gute Rahmenbedingungen sorgen könne. Ein Beispiel dafür sei die Integration von Fußballbegeisterten mit Migrationshintergrund, in Großstädten sei jede zweite, sonst jede dritte Neuanmeldung in den Vereinen von ihnen. „25 000 Spielerpässe pro Jahr werden von Kindern und Jugendlichen aus Syrien, Afghanistan beantragt“, machte Grindel die Dimension der Aufgabe klar, die nur von den Amateurklubs beim täglichen Training oder beim Spiel am Wochenende bewältigt werden kann.

Der 55-Jährige scheute sich auch nicht, die Doppelrolle anzusprechen, die manche Eltern im Guten wie im Schlechten in den Vereinen spielen. Unumgänglich sei es, dass sich Mütter und Väter als Ehrenamtler in den Vereinen engagieren, denn der Zulauf und die Zufriedenheit der jungen Kicker sei nur gegeben, wenn die Qualität des Trainings und der Rahmenbedingungen stimmen.

Auch, um das „Vereins-Hopping“ zu verhindern. Zugleich gebe es aber auch „Eltern, die in jedem ­F-Jugendspiel ihres Kindes deren spätere Karriere als Bundesliga-Profi gefährdet sehen“, packte der frühere Bundestagsabgeordnete übertriebenen Ehrgeiz in ein lebendiges Bild. „Das Leben im Fußball endet nicht, wenn man es nicht in die Bundesliga oder in eines der Nachwuchsleistungszentren der Profiklubs schafft.“

Ohnehin stehe der pure Leistungsdanke – und damit die entsprechende Entlohnung – auch bei vielen unterklassigen Vereinen zu sehr im Mittelpunkt. „Es ist nicht nötig, dass Spieler in der Landesliga mehr als 250 Euro im Monat bekommen“, meinte Deutschlands oberster Fußballrepräsentant – und erntete aus dem Auditorium dafür mehr als einen fröhlichen Lacher. Vielleicht ist die Basis der Spitze ja schon viel näher, als man gemeinhin annimmt.

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