Golf: Eine Sportart entdeckt ihre neuen Seiten

Von: André Schaefer
Letzte Aktualisierung:
9732196.jpg
Wissenschaftlich noch weitestgehend Neuland: das Golfen. Foto: sport/mika
9123681.jpg
Dozentin Julia Mierau erklärt den Studenten die Auswirkungen des Ausdauersports auf das Herz-Kreislauf-System. Foto: André Schaefer
9123643.jpg
Hofft auf wertvolle Erkenntnisse für das Golftraining: Benjamin Schlichting. Foto: sport/Heigl

Köln. Das perfekte 18-Loch-Spiel muss Benjamin Schlichting nicht mehr lernen. Der ehemalige Berufs-Golf-Spieler weiß, wie er mit Schläger und Ball umzugehen hat. Nicht umsonst schaffte es der Kölner einst in die deutsche Nationalmannschaft.

Mehr als 14 Jahre war Schlichting als Profi aktiv. Über den Golfsport weiß er alles. Fast alles. Denn was er nicht kennt, ist die Verbindung der Sportwissenschaft zum Golfspiel. Die lernt Schlichting aktuell an der Sporthochschule in Köln.

Dort ist der 38-Jährige seit vergangenem November einer von insgesamt 15 Studenten des neuen Master-Studiengangs Golf, den die Kölner Sporthochschule in Kooperation mit der deutschen „Professional Golfers Association“ (PGA) anbietet. „Master of Science Research and Instruction in Golf“ lautet der etwas sperrige Name des neuen Studiengangs, der bundesweit bislang einmalig ist. „Wir wollen das professionelle Golfspiel durch diese Akademisierung weiter voran bringen“, sagt Dr. Wolfgang Ritzdorf.

Der stellvertretende Leiter des Instituts für Bewegungs- und Neurowissenschaft an der Sporthochschule Köln steht selbst privat häufig auf dem Golfplatz. An der Konzeption des neuen Weiterbildungsangebotes war er maßgeblich beteiligt. „Der Golfsport befindet sich derzeit in einem extremen Wandel mit steigenden Bedürfnissen nach mehr Professionalität. Der Studiengang ist daher eine Antwort darauf und dient als wissenschaftliche Untermauerung des Golfsports“, sagt er.

So pauschal die von ihm unterstrichene wissenschaftliche Untermauerung auch klingt: Sie symbolisiert tatsächlich den Kern des neuen Studiengangs. Denn wer rund um das Gelände der Kölner Sporthochschule nach Golfschlägern Ausschau hält, sucht vergeblich. Auch der Blick nach der Driving Range bleibt erfolglos. Das alles hat seinen Grund: Denn gespielt wird Golf innerhalb des Studiengangs nicht. Alle 15 Studenten sind bereits Profis, der perfekte Golfschwung gelingt ihnen sozusagen im Schlaf.

Nicht für Hobbyspieler geeignet

Die Zulassungsvoraussetzungen sehen vor, dass jeder Student den höchsten Qualifizierungsgrad der PGA besitzen muss oder alternativ als A-Trainer des Deutschen Golf Verbands tätig ist. Alle Teilnehmer des Studiengangs befinden sich bereits fest im Berufsleben, und zwar rund um den Golfsport. Ihr Studium, das nicht für Hobby-Golfspieler geeignet ist, absolvieren sie neben dem Beruf. Die sechs Semester sind in sogenannte Präsenzphasen unterteilt.

So ist es auch kein Zufall, dass der überwiegende Teil des Studiums nicht auf der Grünanlage, sondern im Seminarraum stattfindet. Oder eben im Labor. Denn genau dort lernen die angehenden Masterabsolventen, die im Schnitt zwischen 30 und 50 Jahren alt sind, bei Dr. Julia Mierau im ersten Semester unter anderem, welche Auswirkungen das Golfspiel auf das Herz-Kreislauf-System hat. Für die Mitarbeiterin des Instituts für Bewegungs- und Neurowissenschaft ist die Arbeit mit Golfprofis ebenso Neuland. „Ich habe keine Kenntnisse über die Abläufe bei einem 18-Loch-Spiel“, sagt sie. „Aber ich kann meinen Kursteilnehmern dabei helfen, die Brücke zu schlagen zwischen fachspezifischen Kenntnissen der körperlichen Ausdauer und dem Golfspiel an sich“, erklärt sie.

In der Praxis tauschen die Kursteilnehmer daher gerne mal den Golfschläger gegen die Atemmaske. Während ein Student freiwillig 20 Minuten lang auf dem Rad strampelt, analysiert der Rest der Gruppe per Diagramm seine Leistungswerte. „Die meisten Nicht-Golfspieler wissen wahrscheinlich gar nicht, dass bei einem 18-Loch-Spiel eine Strecke zwischen sieben und zehn Kilometern zurückgelegt wird. Golfsport ist durchaus Hochleistungssport“, sagt Julia Mierau.

Benjamin Schlichting würde diese Aussage ohne Zögern unterstreichen. Als aktiver Berufsspieler trainierte der 38-Jährige bis zu 40 Stunden pro Woche. Seit 2010 ist Schlichting Stützpunkttrainer des Golfverbands NRW, seit zwei Jahren besitzt er den Abschluss der A-Trainer-Lizenz. Die Erkenntnisse des Studiums – da glaubt er fest dran – werden auch die Trainingsmethoden im gesamten Golfsport drastisch verändern. „Viele sportwissenschaftliche Aspekte sind im Golfsport gar nicht erforscht. Wir wissen zum Beispiel auch so gut wie gar nichts über die Kollision von Ball und Schläger. All das sind Dinge, die in den kommenden Jahren neu oder erstmals richtig erforscht werden“, vermutet Schlichting.

Mit Spannung blickt die deutsche Golfszene in Zukunft nach Köln. Das weiß auch Wolfgang Ritzdorf. „Mit der Startphase sind wir bislang sehr zufrieden. Aber klar ist auch, dass dieser Studiengang auf den Prüfstand kommen wird. Die Akademisierung des Golfspiels muss zunächst eine Art Akzeptanz im Bereich des Profigolfs finden“, sagt Ritzdorf.

Im Sommer 2017 werden die ersten 15 Studenten ihr Studium beenden. Erst dann geht der Master-Studiengang in seine zweite Runde.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert