Gladbach gegen Bayern: Das Kaninchen beim Lindwurm

Von: Bernd Schneiders
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Es muss ja nicht gleich die Meisterschaft Foto: imago/Moritz Müller

Mönchengladbach. Es hat Menschen gegeben, die stark daran zweifelten, ob der Schritt Dantes von Borussia Mönchengladbach zu Bayern München der richtige war. Max Eberl erinnert sich daran: „Speziell im ersten halben Jahr haben viele gedacht, was will der denn hier? Der kloppt den Ball ja noch höher über die Tribüne als seinerzeit unser Manager!“

Eberl also, damals Rechtsverteidiger, inzwischen aber Sportdirektor bei der Borussia, mit dem Wissen, dass Dante bestens – nicht nur wegen seines sportlichen Potenzials – zum heutigen Gegner passt. „Er verkörpert das ,mir san mir‘.“

Ähnliches fällt den ehemaligen Kollegen derzeit vielfach schwerer. Sie stellen sich eher die Frage: „Wer san mir?“ Dass das Spiel der Gladbacher heute in München darüber Aufschlüsse gibt, ist eher zweifelhaft. Die Elf von Lucien Favre befindet sich derzeit zwischen Baum und Borke. Die anfänglichen Schwierigkeiten, ausgelöst durch strukturell nicht beherrschtes Offensivspiel, wurden per Rückwärtsgang eliminiert: Von der Idee, dominant zu spielen, hat man sich scheibchenweise verabschiedet. Spätestens nach der Verletzung von Torjäger Luuk de Jong liegt der Schwerpunkt allein auf der Defensive, und vorne hilft Arango, mitunter schafft sie es aber auch, die Borussia der Reus-Ära zu zitieren.

Das brachte immerhin 24 Punkte – auf Kosten eines attraktiven und vor allem aktiven Spiels. Denn auch die Defensiv-Haltung, in die Favre sich mit seinem Team rettete, wird über weite Strecken passiv definiert und ausgelebt. (Mit Grausen) Zu besichtigen bei den Heimspielen (!) gegen Mainz und Wolfsburg. „Um über 90 Minuten dominant zu spielen, dafür müssen wir noch viel arbeiten“, hält sich der Schweizer Trainer an den wenigen Minuten nach der Halbzeit gegen Mainz fest, in der die Kaninchen-Haltung zumindest bis zum 2:0 durch Arango gelockert wurde.

Erst eine Niederlage

Heute heißt die Schlange aber nicht Mainz, sondern Bayern und ist damit eher ein Lindwurm. Den zu erlegen, darauf muss Alvaro Dominguez verzichten (gelbgesperrt), Patrick Herrmann kann trotz Nasenstüber beim Training mitwirken, Lukas Rupp (Erkältung) konnte am Mittwoch gar nicht, gestern nur eingeschränkt trainieren. Bisher ist es nur Leverkusen gelungen, der Übermannschaft dieser Saison eine Niederlage beizubringen – und auch nur mit viel Dusel.

Wie also soll Borussia 2012/2013 die Überraschungen der vergangenen Spielzeit wiederholen, als sie zwei Mal gegen die Münchner gewann? „Wir müssen mal sehr hoch stehen, mal an der Mittellinie und mal sehr tief“, postuliert Lucien Favre. Die Erfahrung lehrt, dass die Grundausrichtung stark an der Variante Nummer drei ausgerichtet ist. Das Manko, zwei eher defensiv ausgerichtet Sechser spielen zu lassen, hat sich eher noch verschlimmert, da die Lösung durch Neuzugang Granit Xhaka wenn nicht gescheitert, so doch zumindest verschoben ist.

Was also sind die schreckenerregende Effektivität der letzten Spiel und Allein-Gewinner Arango wert gegen die „mit dem FC Barcelona und Borussia Dortmund beste Mannschaft der Welt“ (Lucien Favre)? Weihnachtsmärchen sind auf dem Fußballplatz eher selten zu bewundern. Aber vielleicht muss Lucien Favre seinen Spielern auch nur nur einbläuen, es handle sich um ein Heimspiel. Dann kann ein 2:0-Sieg nicht fern sein . . .

Voraussichtliche Aufstellung: ter Stegen – Jantschke, Stranzl, Brouwers, Wendt – Nordtveit, Marx – Ring, Arango – Hanke, Herrmann

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