Aachen - Geschäftsführer Mronz: Saisonetat wird mit Darlehen gedeckt

Geschäftsführer Mronz: Saisonetat wird mit Darlehen gedeckt

Von: Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:
7596302.jpg
Redaktionsbesuch nach fast 50 Tagen im Amt: Alemannias neuer Geschäftsführer Alexander Mronz gibt einen ersten Überblick über den Status quo des Viertligisten. Foto: Michael Jaspers
7596328.jpg
Begeistert von den Emotionen: Alexander Mronz.

Aachen. Die Insolvenzleute sind weg, am Tivoli begann eine neue Zeitrechnung. Alexander Mronz ist der Mann für den Neuanfang, auch wenn der Vertrag des ehemaligen Tennis-Profis vorerst bis Ende Juni befristet ist. Alemannia ist schuldenfrei, doch lange noch nicht fit genug für den Regionalliga-Alltag.

Bis zum Saisonende fehlen etwa 350.000 Euro. Für das „Team 2018“ geht es darum, das „strukturelle Defizit“ in den Griff zu kriegen. Beim Redaktionsgespräch zeigt sich der 49-Jährige verhalten zuversichtlich.

Was hat Sie in den ersten fast 50 Tagen positiv überrascht?

Mronz: Die Emotionen. Ich habe ein Spiel auf der Südtribüne erlebt, war bei Auswärtsspielen dabei, das hätte ich so nicht erwartet. Das ist ein unfassbares Potenzial, gerade in der Vierten Liga. Alle Teams brauchen einen Mäzen, mit der Gefahr, dass der die Lust verliert. Alemannia dagegen kann über Zuschauer und echte Sponsorenleistungen einen ausgeglichenen Haushalt darstellen. Die Grundstimmung ist positiv, ist mein Eindruck.

Fast die Hälfte des 100-Tage-Vertrags ist absolviert. Wie lautet Ihr Zwischenfazit?

Mronz: Es ist so spannend wie erwartet. Das Insolvenzverfahren ist abgeschlossen. Die Aufgabe des Insolvenzverwalters war es, das Konto zum 31. März auf Null zu fahren. Das ist erfolgt, er hat geliefert. Jetzt geht es darum, das operative Geschäft bis zum Saisonende zu gestalten. Die Hälfte der Erträge generieren sich aus dem laufenden Spielbetrieb, da kommen noch zwei Heimspiele, und dann ist Pause. Ergo müssen wir sofort mit einer Unterdeckung umgehen, weil wir monatelang keine Einnahmen, dafür Ausgaben haben. Wir werden ein Darlehen aufnehmen, das ist zwar noch nicht unterschrieben, aber ausgehandelt. Es ist auch ein Erfolg des „Teams 2018“. Dass wir das zusammen so hinbekommen haben, ist eine gute Leistung.

Tolerieren Sie Aufsichtsräte im operativen Bereich?

Mronz: Die Aufgabe, die vor uns liegt, ist vielfältig und kann nur gemeinsam gestemmt werden. Es gibt viele kleinere Probleme zu lösen, die Aufgaben kann man verteilen. Aber vorher müssen wir intern klären, was wir wollen. Wir diskutieren viel untereinander, aber wir sollten Nebenabsprachen vermeiden, wir brauchen eine einheitliche Linie. Zum neuen Stil gehört es, dass ich bei nahezu allen Gesprächen dabei bin.

Welches Erbe haben Sie vorgefunden?

Mronz: Wir erben ein strukturelles Defizit, auch der Spielbetrieb unter Insolvenzbedingungen war defizitär. Das müssen wir auch für die kommende Saison abbauen – entweder durch mehr Einnahmen oder weniger Ausgaben. Bei den Ausgaben ist wenig Spielraum, deswegen schauen wir uns die andere Seite an. Wir brauchen eine erfolgreich spielende Mannschaft. Erfolg lässt sich nicht kaufen. Wir wollen mit zusätzlichen Investitionen unserem Ziel näher kommen. Wir haben mit Peter Schubert und Reiner Plaßhenrich zwei Leute mit Vertrag über die Saison hinaus, die in ganz schwieriger Situation eingestiegen sind. Wir haben Vertrauen, dass sie das Team weiter entwickeln können, wie das zuletzt schon ablesbar war. Das Gerüst der Mannschaft wird auch in der kommenden Saison am Tivoli spielen, aber natürlich wird es Verstärkungen geben.

Am Ende der Insolvenz steht ein Etatloch von satten 350000 Euro. Wie konnte es so weit kommen?

Mronz: Ein Insolvenzverwalter macht nur eine Einnahmen- und Ausgabenrechnung. Es geht ihm darum, am Ende seiner Amtszeit bei Null zu stehen. Wir hingegen müssen im operativen Geschäft noch ein paar Monate ohne Einnahmen überbrücken. Ich bin sehr zufrieden mit der Arbeit von Rolf-Dieter Mönning, auch wenn es unterwegs vereinzelt Kritik gab. Es war nicht seine Aufgabe, 72 Millionen Euro Schulden zu begleichen und dann die Strukturen für einen sofortigen Aufstieg zu schaffen. Er wird bis zum 30. Juni noch Stadionverbots-Beauftragter bleiben. Darüber hinaus würde ich ihn gerne weiter einbinden, wenn das möglich ist.

Die Zuschauerzahlen sind übertroffen, der Sportetat ist nicht ausgeschöpft, also fehlten die Sponsoringeinnahmen.

Mronz: Ja, die ursprünglichen Annahmen waren etwas optimistischer, sind erst später angeglichen worden. Unser Ziel ist es, dass wir wieder mehr über den Sport und weniger über die Finanzen reden. Dafür brauchen wir einen anständigen Etat und eine attraktive Spielausrichtung. Den Zuschauern in Aachen muss man was liefern. Wir streben einen Platz in der oberen Tabellenhälfte an. Ich hege die Hoffnung, dass die Mannschaft vom Publikum getragen wird.

Dann müssten Sie vorab mehr in den Kader investieren?

Mronz: Das werden wir, das ist der beste Weg, um aus der Krise – sofern sie noch vorhanden ist – herauszukommen.

Wie können Sie die Einnahmenseite erhöhen?

Mronz: Die GmbH betreut alle Jugendteams im Fußball ab 13 Jahren, da muss der Mutterverein überlegen, inwieweit er sich finanziell beteiligen kann. Wir denken über Public Viewing bei der WM nach, um die spieltagslose Zeit zu überbrücken. Eine ausländische Nationalmannschaft möchte im Sommer ein Trainingslager in Aachen machen. Es wird zudem ein, zwei attraktive Freundschaftsspiele geben. Wir müssen das Merchandising verändern. Es macht keinen Sinn, dass wir im Fan-Shop auf die Kunden warten, wir müssen zu ihnen hingehen zum Beispiel mit Nischen in einzelnen Geschäften. Und wir erwägen, spieltagsbezogene Sponsoren zu finden, um mehr Leute auf die Osttribüne zu bekommen.

Werden Sie die Ticketpreise ändern, mit vielen Fans kalkulieren Sie?

Mronz: Wir gehen erst einmal unverändert von 5500 Fans aus, aber ich hege die Hoffnung, dass wir wieder mehr Fans gewinnen, die Spaß an Alemannia haben. Die Preise lassen wir voraussichtlich unverändert, aber möchten die sechs Kategorien teilweise zusammenfassen.

Welches Einsparpotenzial gibt es auf der Kostenseite?

Mronz: Wir sind sicher im IT-Bereich viel zu groß aufgestellt. Der Bereich bewegt sich auf Bundesliga-Niveau wie das gesamte Stadion. Wir haben eine Software, die für Großkonzerne geeignet ist. Unterm Strich haben wir ein strukturelles Defizit von etwa 350 000 Euro, das wir durch mehr Einnahmen oder weniger Ausgaben reduzieren wollen.

Das sind in etwa die Kosten des Nachwuchsleistungszentrums.

Mronz: Die Alemannia hat in der Vergangenheit immer wieder vom eigenen Nachwuchs gelebt und profitiert, daran sollten wir festhalten. Aber wir müssen sehen, was wir uns leisten können.

Halten Sponsoren noch die Tür von innen zu, wenn sich ein Alemannia-Vertreter anmeldet oder registrieren Sie wachsende Zuversicht?

Mronz: Mein Vorteil ist, dass ich unbelastet am Standort Aachen bin. Der Name Mronz hat durch meinen Bruder einen guten Klang in der Region. Die Gespräche, die ich führe, sind gut. Es gibt aber flächendeckend die Erwartung, dass auf der kaufmännischen Seite Ruhe und Solidität einkehrt. Ich gehe sehr offen mit den Zahlen um, will Vertrauen erarbeiten. Das kommt gut an. Ich spüre, dass das Interesse am Verein nach wie vor besteht. Gemeinsam mit unserem Partner Infront, der bisher gute Arbeit abgeliefert hat, sind wir auf einem guten Weg.

Dann gehen Sie doch auch hier mal offen mit den Zahlen um. Wie hoch wird der nächste Etat sein?

Mronz: Es ist kein Geheimnis, dass unser Umsatz zwischen 3,5 und 4 Millionen Euro liegen wird. Der letzte Spieleretat lag bei 1,3 Millionen Euro, diese Zahl wollen wir erhöhen. In der Vierten Liga gibt es keine aussagekräftigen Vergleichszahlen, weil Fahrtkosten, Siegprämien, Verbands- und Versicherungskosten nicht immer mit ausgewiesen werden.

Wie ist der Status quo beimTivoli?

Mronz: Es gibt intensive und gute Gespräche mit der Stadt, die den Tivoli in den nächsten Monaten übernehmen wird. Die Unterstützung ist da, aber wir sind ja auch mal selbst gefragt und können da nicht immer um Hilfe bitten.

Letzte Frage: Was passiert Ende Juni, wenn Ihr Vertrag ausläuft?

Mronz: Die Aufgabe hat gerade erst mit der Bestandsaufnahme angefangen. Wir haben keinen kerngesunden florierenden Verein. Wir haben die Finanzierungslücke im laufenden Spielbetrieb gestopft. Es gibt keine Altasten mehr. Wie gesagt, es ist eine schwierige und spannende Herausforderung. Es wäre schön, wenn wir mal wieder als erfolgreicher Sportverein und nicht als Klub mit permanenten Finanzproblemen wahrgenommen werden würden. Ich empfinde das als große Chance.

Leserkommentare

Leserkommentare (4)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert