Aachen/Dormagen - Gebürtiger Aachener träumt vom Sieg bei Olympia

Gebürtiger Aachener träumt vom Sieg bei Olympia

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Auf dem Sprung nach Brasilien: Maximilian Hartung (rechts) bereitet sich auf die Olympischen Spiele vor. Foto: Gregor Hübl
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So will er auch in Rio jubeln: Maximilian Hartung. Foto: sport/EQ Images

Aachen/Dormagen. Zuletzt sah es nicht so gut aus für die deutschen Fechter: Gerade einmal vier Individualteilnehmer konnten sich bisher sicher für die olympischen Spiele in Rio de Janeiro qualifizieren, keine einzige Mannschaft. Die Säbel-Männer und Florett-Frauen waren von vorneherein ausgeschlossen, da mit diesen Waffen diesmal keine Teamwettbewerbe auf dem Programm stehen. Maximilian Hartung ist dagegen einer der sicher Qualifizierten – und er hegt Medaillenhoffnungen.

Nach einem 7. Platz bei seinen ersten Olympischen Spielen in London 2012, möchte der Säbelfechter dieses Mal auf dem Treppchen stehen. Hartung ist in Aachen geboren, wuchs in Dormagen auf und trainiert dort bereits seitdem er acht Jahre alt ist beim TSV Bayer Dormagen mit Bundestrainer Vilmos Szabo. Jetzt, mit 26, blickt er bereits auf zahlreiche Titel zurück. 2014 wurde er mit der Säbel-Nationalmannschaft Weltmeister und 2015 Europameister. Auch in den Einzelwettkämpfen stand er bereits mehrfach auf dem Siegertreppchen. Unsere Mitarbeiterin Katharina Menne unterhielt sich mit dem Olympioniken.

Herr Hartung, Sie sind aktuell einer der wenigen, sicher für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro qualifizierten, deutschen Fechter. Wie fühlt sich das an?

Maximilian Hartung: Das fühlt sich toll und bereits verblüffend normal an. Beim letzten Mal war es ein Riesenkampf und ich habe noch lange gezittert, ob ich fahren darf. Diesmal steht es schon recht lange fest. Die letzten Turniere waren deshalb sehr entspannt. Und seit dem Weltcup in Seoul am Osterwochenende ist sicher, dass Matyas Szabo mich nach Rio begleiten wird. Säbelfechterin Anna Limbach, Degenfechterin Britta Heidemann und Degenfechter Jörg Fiedler können sich noch mit etwas Glück beim Kontinentalausscheid im April in Prag qualifizieren.

Wie bereiten Sie sich konkret auf die Spiele vor?

Hartung: Ich arbeite seit Oktober mit einem speziellen Athletiktrainer zusammen – das ist sehr intensiv und abwechslungsreich und bringt andere Perspektiven. Auch an der Ernährung habe ich einiges geändert. Ich trinke bis zu den Olympischen Spielen kaum Alkohol und esse die ganze Zeit Haferflocken, Quark und Gemüse. Manchmal halte ich es aber nicht mehr aus und hole mir eine Pita beim Griechen um die Ecke (lacht). Ab September kann ich mir dann die Kilos wieder drauf futtern und auch wieder ausgehen.

Nach den letzten Olympischen Spielen hatten Sie vorgehabt aufzuhören und sich stärker in Richtung Studium auszurichten. Was hat Ihre Meinung geändert?

Hartung: Ich hatte nicht direkt vor aufzuhören, sondern es war einfach klar, dass das viele Training nicht mit einem Vollzeitstudium zusammenpasst. Ich habe vor London mein Psychologie-Fernstudium abgebrochen, weil es ohne Kommilitonen, Pflichtveranstaltungen und mit dem Ziel London 2012 im Rücken einfach nicht funktioniert hat. Diesmal habe ich mich für eine Uni in Friedrichshafen entschieden. Das ist definitiv zu weit, um weiterhin regelmäßig in Dormagen zu trainieren – dachte ich.

Zu Beginn des Studiums habe ich mir deshalb ein paar Monate lang erstmal gar keine Gedanken übers Fechten gemacht. Dann bin ich ohne richtiges Training zum „Münchner Schwert“, unserem Auftaktturnier gefahren, das ich dann überraschend gewonnen habe. Schon im Halbfinale hat mich mein Trainer gepackt und geschüttelt und gesagt, ich müsse wieder trainieren. Also habe ich doch versucht, alles unter einen Hut zu bringen, und das klappt auch ganz gut. Ich bin sogar noch in Regelstudienzeit, obwohl ich mittlerweile in Köln wohne und viel pendeln muss.

Bleibt da überhaupt noch ein Privatleben?

Hartung: Mmmmh, ja, anfangs ging‘s noch – bis ich dann das zweite und dritte Ehrenamt angetreten habe (Athletensprecher des Deutschen Fechter-Bunds, Mitglied der Athletenkommission des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und Mitglied im Aufsichtsrat der Deutschen Sporthilfe, Anm. der Red.). Da hat mein Privatleben sicherlich drunter gelitten. Ich habe in der Zeit aber viel gelernt, und es war auch wichtig für mich, das so zu machen.

Wann hat es denn so richtig klick gemacht, dass Sie Leistungssportler werden wollten?

Hartung: Ich war eigentlich schon als Jugendlicher ganz erfolgreich, aber das plätscherte noch so vor sich hin. Der Wendepunkt war dann, als ich 2009 relativ überraschend Juniorenweltmeister geworden bin. Da habe ich gedacht, wenn ich es in der Jugend so weit bringen kann, dann lohnt es sich auch zu investieren. Deshalb habe ich mich nach dem Abitur der Sportfördergruppe der Bundeswehr angeschlossen und habe mich intensiv auf die Olympischen Spiele in London vorbereitet. Und ab da wurde es dann ernst.

Was fasziniert Sie am meisten am Fechtsport?

Hartung: Das Besondere ist eigentlich das „Eins gegen Eins“. Dass man nicht gegen eine Zeit läuft oder eine Norm, sondern dass man einem Gegner gegenüber steht und antizipieren muss, was der denkt und wie er reagiert. Dadurch ist jedes Duell immer wieder überraschend – auch wenn man schon hundertmal gegeneinander gefochten hat.

Wie ist es denn, im Turnier gegen die eigenen Trainingskameraden anzutreten?

Hartung: Das ist jedes Mal besonders intensiv, weil wir uns wirklich sehr gut kennen. Aber genau deshalb versucht man besonders in der Qualifikationsphase, doch noch jedes Mal eine Überraschung parat zu haben und sich anders zu verhalten, als es der andere erwartet. Bei uns ist es insbesondere deshalb sehr intim, weil wir uns schon von klein auf kennen – wir trainieren seit 18 Jahren zusammen. Da sind natürlich viele Emotionen im Spiel. Am Abend sitzt man dann aber wieder im gleichen Hotel, im gleichen Bus oder geht zusammen essen.

Wie gehen Sie damit um, dass Sie zwar leistungsmäßig als Teil der Säbel-Nationalmannschaft auf einer Ebene mit Fußballprofis wie Manuel Neuer oder Lukas Podolski stehen, die Erfolge aber in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen werden?

Hartung: Man ist ja damit aufgewachsen. Es ist nicht so, als würde man dafür antreten, wie die Fußballer einen Promi-Status zu erlangen. Daran ist mir auch nicht gelegen. Ich möchte nicht, dass darüber berichtet wird, wenn ich jemanden mit einem Döner bewerfe. Aber was in letzter Zeit doch Überhand genommen hat, ist die mediale Berichterstattung über Fußball – andere Sportarten verschwinden daneben. Das bedrückt mich als Sportler, aber auch als Sport-Fan. Es sollte einfach nicht die einzige Sportart sein, über die berichtet wird.

Was haben Sie sich für Rio de Janeiro im Sommer vorgenommen?

Hartung: Gold natürlich. Etwas anderes will ich mir gar nicht vornehmen.

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