Frauenteam des Blau-Weiss Aachen ist nach 6:3-Sieg Vizemeister

Von: Wilhelm Peters
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Ein Gläschen auf die Vizemeisterschaft: das „blau-weisse Team“ mit (von links) Trainer Thilo Fritschi, Elyne Boeykens, Magali Kempen, Julia Kimmelmann, Teamchef Marc Zander, Teamarzt Marcus Wainwright, Demi Schuurs, Marie Benoit, Steffi Distelmans, Trainerin Steffi Fritschi, Eva Wacanno, Quirine Lemoine und Veronika Kapshay. Foto: Andreas Steindl
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Freude pur: Veronika Kapshay mit Doppelpartnerin Eva Wacanno.

Aachen. Es war angerichtet auf der Anlage des Tennis-Bundesligisten Blau-Weiss Aachen. Angerichtet für ein großes, finales Fest. Denn mit dem großartigen 5:4 nach 2:4-Rückstand im Hamburger Schmuddelwetter am Freitag beim Club an der Alster war ein überraschender Tabellenplatz 2 des Frauenteams um das Trainer-Duo Steffi und Thilo Fritschi erreicht.

Der Aufsteiger aus Aachen war an einem Ziel angekommen, das so nie ausgegeben worden war. Der Klassenerhalt war das Maß der Dinge. Dieser zweite Rang musste am Sonntag im Saisonfinale gegen Radolfzell durch einen weiteren Erfolg allerdings noch bestätigt werden, die Vizemeisterschaft winkte.

Für Radolfzell ging es um alles, denn die zwei Saisonsiege der Aachener Gäste waren zu wenig. Blau-Weiss aber gab sich mal wieder keine Blöße, drehte mit jenen Spielerinnen noch ein letztes Mal so richtig auf, die dem Verein schon lange die Treue halten. Und schickte mit dem überzeugenden 6:3-Erfolg das Gästeteam in die zweite Liga.

So ganz aus heiterem Himmel kam diese zu Saisonbeginn kaum für möglich gehaltene Platzierung aber nicht zustande. Wer die Spiele des Aachener Teams verfolgt hat, beobachtete eine bemerkenswerte Kontinuität, die sich in den Ergebnissen widerspiegelt.

Nur eine Niederlage beim Meister Regensburg steht zu Buche, aber fünf Siege sammelten die Aufsteigerinnen vom Luxemburger Ring, zu denen vor allem mit den beiden Neuzugängen Aleksandra Krunic und Petra Martic zwei Spielerinnen stießen, die wie „Deckel auf Töpfchen“ passen und ihre Klasse bewiesen.

Sie spielten in den ersten Begegnungen für ihr neue Team und gewannen, was zu gewinnen war. So hat das Konzept des Klubs richtig gut funktioniert. „In dieser Saison ist taktisch alles aufgegangen, was wir uns erhofft haben“, sagte Teamchef Marc Zander. Die Idee war: Die ersten Begegnungen eine ganz starke Mannschaft zu stellen und bald möglichst viele Punkte zu sammeln.“

Genau so kam es dann auch. Erst am fünften Spieltag ließ Blau-Weiss beim 1:8 in Regensburg „ein paar Federchen“. Das aber überraschte niemanden. „Regensburg spielt in einer eigenen Liga“, sagt Trainer Thilo Fritschi und steht mit dieser Feststellung sicher nicht alleine da. Zu stark kann dieser Klub mit dem entsprechenden finanziellen Background Woche für Woche aufstellen.

Blau-Weiss wird die Philosophie der Kontinuität auch in der nächsten Saison nicht aufgeben: „Der gewachsene Kader und punktuelle Neuzugänge, daran halten wird fest. Der Teamgeist in dieser Mannschaft ist riesengroß und er ist gewachsen“, sagt Zander.

Das liegt auch an der Art und Weise, wie Steffi und Thilo Fritschi ihr Traineramt verstehen. Sie motivieren bis zum letzten Ballwechsel in einer extrem hohen Intensität – und haben Erfolg damit. Thilo Fritschi sagte am Sonntag: „Ich wäre sehr froh, wenn Aleksandra Krunic und Petra Martic auch nächstes Jahr für uns aufschlagen würden.“ Zander gibt die Antwort postwendend: „Das ist unser Plan. Wir hoffen, dass sich das realisieren lässt.“

Martic gewann am Sonntag parallel zu ihrem Aachener Teamkolleginnen ein WTA-Turnier in Kroatien und wird einen weiteren Sprung in der Weltrangliste machen. Geplant ist auch, Valentini Grammatikopoulou, weiterer Neuzugang in der nun beendeten Saison, für ein weiteres Jahr an den Klub zu binden und weiter in den gewachsenen Kader zu integrieren.

Diese Stammbesetzung holte in den letzten zehn Tagen (= vier Spiele) die Kohlen aus dem Feuer, sorgte für die Überraschung. „Teamgeist schlägt Rangliste“, sagt Thilo Fritschi dazu. Denn Aachens Spielerinnen rangieren in den allermeisten Fällen in der Weltrangliste weit unter ihren Gegnerinnen. Das spielte bei dem geballten blau-weissen Team- und Kampfgeist dann aber oftmals überhaupt keine Rolle.

Das war gegen Stuttgart so (7:2), das war gegen Karlsruhe so (5:4 ), in Hamburg (5:4) oder am Sonntag gegen Radolfzell. 0:2 lag das Fritschi-Team nach zwei Einzeln zurück, um dann über Eva Wacanno (Nr. 6), Quirine Lemoine (Nr. 1), Veronika Kapshay (Nr. 3) und Magali Kempen (Nr. 5) den Spieß in den Einzeln noch umzudrehen und mit 4:2 in Front gehen. Kapshay/Wacanno und Lemoine/Demi Schuurs erhöhten dann, ehe das 6:3 die Gegnerinnen in die Zweitklassigkeit stürzte.

Ganz schnell bildete sich nach dem letzten Ballwechsel eine „wilde Horde“ auf dem Court, die ausgelassen feierte, weil nicht nur der Klassenerhalt längst geschafft war, sondern weil sie etwas vollbracht hatte, das so kaum jemand auf dem Zettel hatte. „Steffi und Thilo Fritschi haben diese Mannschaft super geführt“, gab Teamchef Marc Zander zu Protokoll. Thilo Fritschi, seit Herbst 2016 in der Tennis-Akademie von Alexander Waske tätig, „konterte“: „Ich freue mich und danke dem Verein, dass ich mit Steffi diese tolle Mannschaft weiter betreuen darf.“

BW Aachen - Radolfzell 6:3: Quirine Lemoine - Sesil Karatantcheva 6:2, 5:7, 10:8; Elyne Boeykens - Anastasia Pivovarova 6:1, 3:6, 4:10; Veronika Kapshay - Steffi Bachofer 6:0, 6:2; Julia Kimmelmann - Nicole Melichar 5:7, 3:6; Magali Kempen - Anastasia Wagner 6:1, 6:0; Eva Wacanno - Kathrin Wörle-Scheller 6:4, 6:7 (4:7), 10:7; Lemoine/Demi Schuurs - Pivovarova/Bachofer 6:4, 6:2; Boeykens/Kempen - Karatantcheva/Janette Husarova 6:2, 4:6, 6:10; Kapshay/Wacanno - Melichar/Wörle-Scheller 6:4, 6:2

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