Frauenfußball zwischen Frust und Freude

Von: Kevin Teichmann
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Konzentriert: die SoccerLife-Spielerinnen Angelika Elzbieta Koldras (von vorne), Regina Buller und Kristina Ponomareva. Foto: Teichmann

Baesweiler/Düren. „In diesem Jahr feiert unser kleiner Verein seinen fünften Geburtstag“, sagt Josef Rudolph, Vereinsvorsitzender von Soccerlife Düren. Eigentlich müsste das ein Grund für eine große Geburtstagsfete sein. Eigentlich. Doch der Klub von der Kuhbrücke dürfte nicht dem Anlass entsprechende Besucherzahlen zu erwarten haben.

„Uns kennen zu wenige“, konstatiert Rudolph. Und das, obwohl der Verein ein Alleinstellungsmerkmal im Fußballkreis Düren besitzt: „Wir sind der einzige reine Frauen-Fußballverein im Kreis.“

Gleiches gilt für den FFC Baesweiler, der im Fußballkreis Aachen allein auf weiter Flur existiert. Im Fußballkreis Heinsberg gibt es dagegen keinen einzigen reinen Frauen-Klub. Vereinsvorsitzender beim FFC Baesweiler, der bereits 2011 gegründet wurde, ist Volker Binder. Mit Frauen-Fußball setzte er sich bereits viel früher auseinander: „Meine Tochter wollte unbedingt in einer reinen Mädchen-Mannschaft spielen.“ Nach kurzer „Recherche“ kam damals – 2002 – nur der SV Loverich für Nadine Binder infrage. Da der SV Loverich gerade händeringend nach einem Trainer für die Juniorinnen-Mannschaft suchte, wurde auch Volker Binder kurzerhand miteinbezogen.

In dieser Zeit und auch danach lernte Binder sehr viel über die Verhältnismäßigkeiten im Fußball. „Der Frauen-Fußball wird nie den Status des Männer-Fußballs erreichen“, meint er deshalb auch. 2008 gründete Binder ein Frauen-Team beim SC Setterich. 2011 stieg die Mannschaft dort aus und der FFC Baesweiler wurde gegründet. Klaus Deutsch, der heutige FFC-Coach, weiß, wie schwer es eine Frauen-Mannschaft in einem Gesamtverein häufig hat: „Die Mädels zahlen ihre Beiträge, doch aus diesem Topf kommt nicht viel zurück. Bei den Männern bekommen die Spieler schon in der Kreisliga C teilweise jedes Jahr einen neuen Trainingsanzug.“ Die Gründung des FFC erfolgte also auch, um ein wenig mehr Gerechtigkeit herbeizuführen.

Eine ähnliche Situation erlebte Josef Rudolph bei den Sportfreunden Düren – damals noch als Übungsleiter der dortigen Frauen-Mannschaft. Gert Engels, der ehemalige Profi-Spieler und -Trainer sowie Inhaber einer Fußballschule, gründete 2012 den Verein Soccerlife Düren. Für Frauen-Fußball interessierte sich Engels nicht von ungefähr. Seine Tochter Mariko spielte Fußball von Kindesbeinen an und heute bei den Queen Park Rangers in der englischen Premier League. Josef Rudolphs Team spielte also von der Saison 2012/2013 an unter dem Namen Soccerlife. Spielort ist der Rasenplatz des PFSV Düren, der selbst seit vielen Jahren keine Fußball-Mannschaft mehr nominierte.

„In einem reinen Frauen-Fußballverein zu spielen bringt einige Vorteile mit sich. Wir stehen bei uns im Klub im Vordergrund. Es tut gut, wertgeschätzt zu werden“, erklärt Bianca Close, Kapitänin von SoccerLife Düren. „In einem Gesamtverein stehen sonst die Männer im Mittelpunkt. Hier müssen wir uns mit unseren Trainings- und Spielzeiten nicht an anderen Mannschaften orientieren. Allerdings wäre es als Team in einem Gesamtverein auch möglich, mehr Zuschauer – zum Beispiel Spieler der anderen Mannschaften – bei den eigenen Spielen zu haben.“

Während der FFC Baesweiler noch in der Kreisliga A agiert, stiegen die Soccerlife-Frauen 2015 in die Berzirksliga auf. In der Vorsaison konnten die Dürenerinnen die Klasse halten – diesmal reichte es als Tabellendrittletzter nicht ganz. So etwas möchte der neu installierte Coach Jesse Muambay nicht noch einmal erleben. Ambitioniert verkündet er: „Wir möchten in den nächsten vier Jahren zwei Ligen höher klettern. Dafür müssen wir uns natürlich verstärken – und das werden wir auch.“ Gemeinsam mit Co-Trainer Dieter Laufenberg und Torwart-Trainer Frank Arlt bietet Muambay den Spielerinnen eine Art Rundumbetreuung. Taktische Laufwege erklärt der 27-Jährige, der auch als Co-Trainer die U 17-Verbandsliga-Mannschaft des FC Niederau betreut, gerne auch einmal mit technischen Hilfsmitteln. Einzelschulung via Smartphone-App sozusagen.

Auch Baesweilers Klaus Deutsch hat einen gut besetzten Trainer-Stab. Juan Cobo Romero (Co-Trainer), Stefan Kesten (Torwart-Trainer), Detlef Wiesen (Betreuer) und Jörg Strothkämper (Sportlicher Leiter) kümmern sich das ganze Jahr über um die FFC-Frauen. Kein Wunder also, dass auch in Baesweiler die Ambitionen wachsen. Der Aufstieg in die Bezirksliga kann in diesem Jahr zwar nicht mehr klappen, aber im nächsten Jahr wird der Klub, der aktuell auf der Anlage des SC Setterich beheimatet ist, einen erneuten Anlauf starten. „Der Einsatz der Mädels ist wirklich beeindruckend. Es macht Spaß mit ihnen, sonst wären wir wohl nicht mehr dabei“, sagt Volker Binder.

„Von 18 bis 50 – alles dabei“

Das bestätigt FFC-Spielerin Denise Colon: „Weil sich so intensiv um uns gekümmert wird, macht jede Spielerin einen Schritt nach vorne. Schön ist auch, dass bei Frauen nicht unbedingt in einem gewissen Alter Schluss ist. Von 18 bis 50 Jahren haben wir alles dabei. Außerdem muss man nicht schon bei den Bambini begonnen haben – ich selbst bin 38 und habe erst vor zwei Jahren angefangen, im Verein Fußball zu spielen. Zuvor war ich nur Freizeitfußballerin.“

Als sei das Randerscheinungsdasein in der Männer-Domäne Fußball nicht schon schwer genug, erhalte der Frauen-Fußball zudem nur stiefmütterliche Unterstützung, so Binder: „Frust ist auch immer ein bisschen mit dabei. Vom Fußball-Verband Mittelrhein und vom Deutschen Fußball-Bund kommt so gut wie keine Förderung. Ich selbst habe auch schon einige hundert Euro gespendet, damit zum Beispiel Trainingsutensilien besorgt werden konnten. Es wird immer schwieriger, weiter zu bestehen.“ Und Soccerlife-Vorsitzender Josef Rudolph schlägt in die gleiche Kerbe: „Der Stellenwert des Frauen-Fußballs ist in den letzten Jahren wieder rapide geschrumpft. Das ist traurig, wenn man bedenkt, wieviel Arbeit dahinter steckt. Vom Willen her, etwas Neues zu erlernen, sind die Frauen den Männern deutlich überlegen. Diese Erfahrung habe ich gemacht. Für mich gibt es seit Gründung der Mannschaft keine Alternative mehr.“

Aufgeben ist für beide Klubs entsprechend keine Option. „Wir möchten wachsen. Eine Mannschaft ist auf Dauer zu wenig“, erklärt Rudolph den Wunsch nach einem Zweitteam. „Eine Juniorinnen-Mannschaft würden wir auch gerne wieder melden.“ Und auch der FFC Baesweiler denkt über mögliche Zukunftsmodelle nach. „Es gibt das Gedankenspiel, mit dem SC Setterich, der U 17-Juniorinnen, zu kooperieren.“ Bei so viel Herzblut wundert es nicht, dass Rudolph und Binder sich weiterhin der Arbeit im Hintergrund hingeben. Noch weniger wundert die Antwort, die die beiden auf die Frage, weshalb sie so viel Freizeit aufopfern, ohne zu zögern entgegnen: „Das haben die Mädels verdient.“

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