FC-Niederlage: „Wir haben uns verschleppen lassen“

Von: Philip Sagioglou
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Zwischen Enttäuschung und Trotz: Die Kölner Spieler um den diesmal glücklosen Torjäger Anthony Modeste (rechts) hadern mit der ersten Hälfte beim 0:1 in Frankfurt, die sie auch nicht mit einem couragierten Auftritt nach der Pause wettmachen konnten. Foto: imago/Jan Hübner

Frankfurt. Nach der Niederlage in Frankfurt war den Spielern des 1. FC Köln einiges vorzuwerfen, aber gewiss nicht, dass sie eine unrealistische Selbsteinschätzung hatten. „Die erste Halbzeit war mit das Schlechteste, was wir diese Saison gespielt haben“, sagte stellvertretend Kapitän Matthias Lehmann: „Da haben wir’s verschissen. Wir hatten keinen Zugriff, wir haben uns verschleppen lassen.“

Eine durchaus zutreffende Sicht. Nicht zum ersten Mal in dieser Saison hatten die Kölner eine lange Anlaufzeit benötigt, um ins Spiel zu finden, und als ihnen das mit Beginn der zweiten Halbzeit gelang, lagen sie schon zurück.

„Wir haben die Partie verloren, weil wir ins Spiel reingegangen sind, wie wir es nicht vorgehabt haben – nämlich mit zu wenig Spannung, zu wenig Bereitschaft, Zweikämpfe anzunehmen“, analysierte Trainer Peter Stöger: „Das war ein nicht sehr couragiertes Auftreten. Und das war schade.“ Auch das war ein der Realität entsprechender Kommentar – ebenso wie jener, der mit Blick auf die 45 Minuten nach dem Seitenwechsel folgte: „In der zweiten Halbzeit haben wir das gezeigt, was wir über 90 Minuten erwartet und uns erhofft hatten“, sagte Stöger: „Deshalb muss ich das Spiel teilen: Mit der ersten Halbzeit bin ich gar nicht zufrieden, die zweite war sehr in Ordnung.“

Aber: Warum die Kölner erneut so lange brauchten, um ins Spiel zu kommen; warum sie zunächst weder Zugriff auf den Gegner noch brauchbare Ideen für den eigenen Spielaufbau hatten – darauf wusste niemand ad hoc die Antwort. Erst recht vor dem Hintergrund, dass im zweiten Durchgang abermals alles sehr viel besser funktionierte. Eine erneute taktische Umstellung noch im ersten Durchgang – diesmal von einer Vierer- auf eine Dreier-Abwehrkette – brachte jedenfalls zunächst keine entscheidende Besserung.

Die Modifikation wirkte erst nach der Pause. „Es ist bei uns nicht so, dass jemand leichtfertig ins Spiel geht“, stellte Stöger kurz nach Spiel-Ende klar: „Ich kann noch nicht sagen, was es ganz genau war. Aber das bringt uns jetzt nicht wirklich weiter.“

Denn: „Ich habe schon für mich auf dem Schirm, dass wir das nach der Pause richtig gut gemacht haben“, erklärte der Österreicher: „Wir spielen gefühlt seit Beginn der Saison am Limit. In einer Phase, in der wir nicht so gut sind, und in der wir den Faktor Glück nicht auf unserer Seite haben, kann es schon mal sein, dass wir Spiele verlieren.“ Das Spiel war für die Kölner nicht einfacher geworden dadurch, dass die formstarken und in der ersten Halbzeit furiosen Frankfurter schon in der fünften Minute in Führung gingen.

„Eine Zufallsproduktion“

Jonas Hector konnte auf der linken Seite eine Flanke von Timothy Chandler nicht verhindern, der Nationalspieler fälschte den Ball nur ab und veränderte damit dessen Flugkurve. Im Abwehrzentrum stimmte die Zuordnung nicht, was Frankfurts Mijat Gacinovic nutzte, als er unbedrängt zum Kopfball kam. „Das Tor war mehr oder weniger eine Zufallsproduktion“, sagte Timo Horn: „Der Ball wird abgefälscht und fällt wie eine Bogenlampe auf den ersten Pfosten, und dann ist der Stürmer natürlich immer einen Schritt schneller. Ich habe versucht zu retten, was nicht zu retten war“, erklärte der Torhüter. Und: „Wir haben in der zweiten Halbzeit die Frankfurter hinten reingedrängt, sie hatten keine Torchancen mehr, die haben mit Mann und Maus verteidigt.“

Tatsächlich: In der zweiten Halbzeit waren die Kölner den Frankfurtern so überlegen, dass es legitim war, sich zu fragen, ob noch dieselben Mannschaften auf dem Rasen standen.

Am Ende wäre ein Ausgleichstor durchaus verdient gewesen, aber die Kölner nutzten ihre Chancen nicht. Deshalb verbringen sie die Länderspiel-Pause als Tabellensechster, was natürlich noch immer ein bemerkenswertes Ergebnis ist – allerdings: „Es ist eine Scheiß-Situation, wenn du mit einer Niederlage in die Pause gehst“, sagte Lehmann: „Aber wir werden das aufarbeiten.“ Insofern kommt die Unterbrechung vor dem Derby bei Borussia Mönchengladbach womöglich doch gar nicht ungelegen.

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