Mönchengladbach - Favres Phase 2 startet gegen Hoffenheim

Favres Phase 2 startet gegen Hoffenheim

Von: Bernd Schneiders
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Lucien Favre zeigt es an: Im Entwicklungsprozess seiner Mannschaft läuft Phase 2. Foto: imago/DeFodi

Mönchengladbach. Es gab Zeiten, da wurde heftig spekuliert, ob nicht Lucien Favre bei den Bayern Jupp Heynckes beerben sollte. Inzwischen hat Borussia Mönchengladbachs Trainer aber seinen Vertrag am Niederrhein verlängert – und die Münchner haben sich für das Original entschieden: Pep Guardiola.

Den kennt Barca-Liebhaber Favre bestens. „Als ich unter Johan Cruyff zwei Wochen in Barcelona hospitiert habe, war er die Nummer 6.“ Und damit eine bessere Schulung als jeder Trainerlehrgang des DFB es bieten kann. „99 Prozent der Spieler, die diese Position vor der Abwehr einnehmen, besitzen taktische Intelligenz.“

Der Schweizer selbst war in seiner aktiven Laufbahn erfolgreich als offensiver Mittelfeldspieler unterwegs. Und dass man auch mit dieser Vorgeschichte ein Taktikfuchs und erfolgreicher Trainer sein kann, hat der 55-Jährige längst bewiesen. Davon ist auch Max Eberl überzeugt – im Allgemeinen. Und im Besonderen freut sich deshalb Borussias Sportdirektor vor dem ersten Rückrundenspiel bereits auf künftige Duelle mit dem ehemaligen Edel-Rivalen: „Es gibt keinen Trainer, der Barcelona besser kennt als unser.“ Gladbachs jüngster Ruf als Angstgegner – was das Ergebnis angeht – dürfte damit spätestens ab der neuen Spielzeit weiter verfestigt werden.

Heute aber geht es erst einmal um profanere Dinge. Der Besuch bei den schwer einzuschätzenden Hoffenheimern ist für Lucien Favre natürlich wieder „sehr, sehr schwierig“. In der Tat kommt der ehemalige Konzept-Klub nach der Winterpause und mit dem neuen Trainer Marco Kurz wie eine Sphinx daher. „Viel Potenzial“ konstatiert Gladbachs Trainer dem Kader des Tabellen-16., aber man weiß nicht, was dabei herauskommt.

Das weiß man derzeit bei seiner Mannschaft auch noch nicht. „Wir sind im Aufbau – weiterhin bis Juni“, verkündet der Schweizer. Und gibt eine niedrige Taktzahl vor: „Step by step, Schritt für Schritt.“ Die Hinrunde war geprägt vor allem von einem Schritt, und nicht gerade kleinen, zurück – buchstäblich. Die Post-Reusiale-Ära zwang den Liebhaber des Offensiv-Fußballs zur Rückbesinnung auf die Basis: eine solide Abwehrarbeit. Diese Phase gilt als erfolgreich abgeschlossen, es ist wieder etwas Besonderes, gegen Stranzl & Co. Tore zu erzielen.

Von dieser neuen alten Basis aus wurde im Trainingslager in Dubai die nächste Phase eingeläutet: mehr Akzente nach vorne. Dazu gehörte auch das Einstudieren einer 4-3-3-Formation, die gemeinhin mehr Sturm-Aktionen und Dominanz verspricht. Das kommt Luuk de Jong zugute, der dieses System aus den Niederlanden kennt und sich als Stoßstürmer mit zwei Außenstürmern am besten entfalten kann. Doch Favre will den endgültigen Wechsel – noch – nicht. „Unser System ist das 4-4-2“, bekundet der Borussen-Coach. Das gilt für Hoffenheim, aber auch dort nicht unumstößlich für 90 Minuten. „Wir müssen flexibel sein und auch im Spiel wechseln können.“ Wie etwa sein großes Vorbild FC Barcelona. „Die fangen mit einem 4-3-3 an, und nach zehn Minuten wird es ein 3-5-2.“

Ein hoher Anspruch, der den Fußball-Gourmet in der Bundesliga-Realität häufig leiden lässt. Zumal er immer noch dem Tempo und der Torgefährlichkeit eines Marco Reus nachtrauert, auch wenn er sich inzwischen hütet, das zu verbalisieren – anders als zu Beginn der Saison.

Der brillante Bastler hat offensichtlich die Lust am Entwickeln zurückgefunden. Und sich auch damit abgefunden, dass trotz des möglichen Weggangs von Igor de Camargo kein Entwicklungshelfer der Marke Raffael, der zu Schalke wechselt, dazustößt. „Viele junge Spieler mit 19, 20 Jahren kommen langsam. Das ist sehr, sehr interessant“, gibt er sich hoffnungsfroh. Branimir Hrgota, Tolga Cigerci, Peniel Mlapa, Lukas Rupp oder Amin Younes sind mittlerweile mehr als nur ein Versprechen. Und stellen ihren Chef-Entwickler vor ein wöchentliches Problem: „Es ist schwer, den Kader zu erstellen.“

Der 18er-Kader, auf den das Reservoir an jedem Spieltag begrenzt ist, produziert Opfer, speziell in der Offensive. Ein Trainer muss also auch wehtun. Da kann Lucien Favre fast dankbar sein, dass mit dem geplanten Weggang von de Camargo die Schmerzverteilung prozentual etwas gelindert wird. Und damit man auch wirklich glaubt, dass er auf seinen Sportdirektor nicht sauer ist, weil dieser ihm zur Winterpause keinen neuen Ausnahmefußballer serviert hat, bekräftigt er: „Ich bin kein Trainer, der viel fordert. Finanziell nicht, und auch nicht an Spielern.“ Die nächsten Vertragsverhandlungen mit ihm stehen für Max Eberl erst vor dem Sommer 2015 an . . .

Voraussichtliche Aufstellung: ter Stegen - Jantschke, Stranzl, Dominguez, Wendt - Nordtveit, Marx - Herrmann, Arango - de Jong, Cigerci

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