Ex-Alemanne Stuckmann: Die Paraden sind klasse, sein Jubel nicht...

Von: Thorsten Pracht
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Gehalten: Thorsten Stuckmann ist in Englands dritter Profi-Liga als Torwart seines Klubs Preston North End FC eine feste Größe und mittlerweile auch die Nummer eins.

Preston. Die Nachbarn von Thorsten Stuckmann hatten kürzlich Gesprächsbedarf. So könne es nicht weitergehen, fanden sie. Der Torhüter, einst vier Jahre lang in Diensten von Alemannia Aachen, müsse dringend an seinem Torjubel arbeiten.

Wenige Tage zuvor hatte Stuckmann im Pokalspiel gegen Oldham Athletic den entscheidenden Elfmeter zum 12:11-Sieg seines Klubs Preston North End FC verwandelt. „Alle Feldspieler hatten geschossen, also mussten die beiden Torhüter ran“, erinnert sich der 33-Jährige. Sein Gegenüber verzog, „Stucki“ wurde zum Helden des Abends. Aber der folgende Jubel – er ballte lediglich die Fäuste – überzeugte dann doch nicht so ganz, jedenfalls seine Nachbarn im Dörfchen Longridge nicht.

Auf die Chance gewartet

Davon abgesehen läuft es derzeit rund für Thorsten Stuckmann. Wer immer dem 1,99 Meter großen Keeper rund um das Deepdale Stadium begegnet, hat lobende Worte für den Deutschen übrig. „Dabei habe ich eigentlich nur hart trainiert und auf meine Chance gewartet“, sagte der gebürtige Gütersloher. Anfang der Saison hatte der neue Manager Simon Grayson mit Jamie Jones einen neuen Torhüter verpflichtet und ging mit dem Engländer als Nummer 1 in die Saison der League One, der dritten von vier Profiligen in England. Stuckmann nahm den Kampf an – was ihm jetzt hoch angerechnet wird. „Unzufriedene Spieler lassen sich in England oft verleihen, das ist hier eben so“, erklärt Stuckmann. Im Mutterland des Fußballs haben sie halt ihre eigenen Regeln: Wenn Ende August das Transferfenster schließt, öffnet sich in England wenige Tage später bereits das sogenannte „Loan window“. Zwischen dem 9. September und 27. November können englische Vereine Leihgeschäfte mit einer Länge zwischen 28 und 93 Tagen tätigen – und machen von dieser Möglichkeit auch rege Gebrauch.

Stuckmann blieb und setzte sich durch. „Ich habe als junger Torwart immer die Unterstützung meiner älteren Kollegen genossen. Und so handhabe ich es heute auch. Stunk zu machen, ist nicht meine Sache. Ich saß kein einziges Mal beim Manager im Büro, um über meine Situation zu sprechen.“ Nach drei Liga-Niederlagen in Serie setzt Grayson seit November auf Stuckmann, und Preston feiert seitdem Erfolg um Erfolg. Gerade mal vier Gegentore kassierte der Ex-Alemanne in zehn Partien, sieben Mal ging der Mann mit der Nummer 21 ohne Gegentor vom Platz. Am vergangenen Samstag warf der Tabellendritte das klassenhöhere Norwich City mit 2:0 aus dem FA-Cup und zog in die vierte Runde ein.

Gute Strukturen

Der Deutsche ist in seiner vierten Saison auf der Insel. Gleich im ersten Jahr wurde er zum Spieler des Jahres bei den „Lilywhites“ gewählt. Die Familie mit Ehefrau Sina und den Söhnen Ben und Lasse fühlt sich wohl in der schönen Grafschaft Lancashire im Nordwesten Englands. Beim Drittligisten Preston North End, 1889 der erste englische Fußball-Meister, finden die Spieler Strukturen wie bei einem guten deutschen Zweitliga-Klub. Neben Manager Simon Grayson machen zwei Assistenz-, ein Torwarttrainer sowie ein Athletikcoach die Spieler fit. Ein eigener Koch sorgt auf dem Trainingsgelände außerhalb von Preston für die richtige Ernährung der Profis.

Felix Magath hat jüngst die mangelnde Trainingsbereitschaft in England kritisiert. „Unsere Liga hat 24 Mannschaften, das macht allein 46 Ligaspiele. Dazu kommen drei Pokalwettbewerbe, teilweise mit Hin- und Rückspiel oder Wiederholungsspielen bei Unentschieden“, erklärt Stuckmann. Macht unter dem Strich eine Belastung wie in der Champions League. Mit seinem Team stand er auch am zweiten Weihnachtstag auf dem Feld, exakt 48 Stunden später ging es dann am darauffolgenden Sonntag auswärts erneut zur Sache. „Völlig normal bei uns, da spricht niemand drüber“, sagt Stuckmann.

Sein Vertrag läuft im Sommer aus. Ein, zwei Jährchen Fußball auf der Insel könne er sich noch sehr gut vorstellen, meint der 33-Jährige. Mittlerweile hat er eine Ausbildung im Bereich Gesundheitsmanagement absolviert. Das Haus in der Nähe von Erftstadt wird gerade umgebaut, hier wird sich die Familie über kurz oder lang niederlassen.

Und ein Wechsel nach Deutschland, um dort die aktive Karriere ausklingen zu lassen? „Zumindest hätte ich dann an Weihnachten wieder mal frei“, sagt Stuckmann. Vorher soll mit Preston noch der Aufstieg gelingen. Ein weiteres großes Ziel ist bereits zum Greifen nahe. In der Johnstone’s Paint Trophy, dem eigenen Pokalwettbewerb für Dritt- und Viertligisten, steht Preston im Halbfinale. Das Endspiel findet am 22. März 2015 im Wembley-Stadion statt. „Da zu spielen, ist ein absoluter Traum“, sagt Stuckmann. Bis dahin wäre auch noch genug Zeit, an seinem Jubel zu arbeiten – damit auch die Nachbarn zufrieden sind.

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