Ex-Alemanne Inceman will Roda zum Klassenerhalt verhelfen

Von: Klaus Schmidt
Letzte Aktualisierung:
11646083.jpg
Gleich vorneweg: Ugur Inceman bei seinem Debüt für Roda Kerkrade gegen Tom van Weert von Excelsior Rotterdam. Roda hat in der Winterpause mit sieben Zugängen mächtig nachgerüstet. Foto: sport/VI Images

Kerkrade. Auf seiner vermutlich letzten Station hat er sich noch mal die Rückennummer genommen, mit der einst alles begann. Ende Oktober 1999 hatte ihn Eugen Hach aus dem Hut gezaubert, völlig überraschend stand Ugur Inceman damals in Chemnitz (2:2) auf dem Platz und kam mit der 31 zu seinen ersten 90 Minuten als Profifußballer, im Trikot von Alemannia Aachen.

Am vergangenen Samstag nun lief Inceman wieder in Schwarz-Gelb auf, er trug wieder die 31, jetzt für Roda Kerkrade. „Es hat gut angefangen, es soll gut enden“, und es war ein gelungener Einstand, „auf jeden Fall wichtig“, dieses 1:0 bei Excelsior Rotterdam, der erste Sieg in der niederländischen Ehrendivision seit Ende August.

Inceman, inzwischen 34 Jahre alt, ist „wieder zu Hause“, fast. Gerne hätte er den Kreis am Tivoli geschlossen, es war sein Wunsch, im neuen Alemannia-Stadion die letzten Spiele zu machen. Die Entwicklung des Klubs verhinderte eine Rückkehr nach zwölf Jahren in der Türkei. „Das ist schade, ich wäre gern gekommen.“

Nun passte es ein paar Kilometer weiter, Roda war schon vor knapp zwei Jahren am defensiven Mittelfeldspieler dran. Dann kam der erstmalige Abstieg aus der Ehrendivision dazwischen; nach dem direkten Wiederaufstieg soll Inceman mit dafür sorgen, dass es nicht gleich wieder nach unten geht. Beim Jahresauftakt gegen AZ Alkmaar (0:1) musste er noch zuschauen, es hakte mit ein paar Papieren seines vorigen Klubs und mit der Spielberechtigung.

Unterschrieben hat Inceman bis Sommer 2017, „ohne Klausel“. Und mit einer „gewissen Ordnung in der Defensive“, mit dem „Mix aus erfahrenen Leader-Typen und jungen Talenten“ sollte das Team von Chefcoach Darije Kalezic das Saisonziel erreichen.

Der Ur-Aachener Ugur Inceman war beim Abschluss der Höheren Handelsschule schon als 18-Jähriger mit einem Profivertrag bei Alemannia ausgestattet. 53 Zweitligaspiele reichten, um ihn 2001 bis zum Wechsel von Lewis Holtby nach Schalke zum teuersten Spieler zu machen, der Aachen verließ (für 2,75 Millionen Mark zum FC St. Pauli).

Eugen Hach holte ihn 2003 zur SpVgg Greuther Fürth; als dessen Zeit beendet war, sanken nach nur einer Hinrunde auch die Aktien des Profis. Mustafa Denizli – noch ein ehemaliger Alemannia-Coach – lotste Inceman dann zu Manisaspor. In der Nähe von Izmir „begann ein ganz neues Leben für mich“, auch wenn er durch seine Einsätze in den türkischen Jugend-Nationalteams einen leichteren Stand hatte als andere in Deutschland geborene und aufgewachsene Fußballer.

Im Sommer 2008 blätterte Besiktas Istanbul eine Million Euro auf den Tisch und gab noch zwei Spieler an Manisa ab. „Ich erreichte ein Level, eine Stufe wie nie zuvor“, sagt Inceman. Er genoss die unbeschreibliche Begeisterung der Fans beim Gewinn des Doubles aus Meisterschaft und Pokal 2009 unter Denizli, die Champions-League-Spiele gegen den VfL Wolfsburg, Manchester United und ZSKA Moskau, „Erfahrungen, die man nicht jeden Tag macht“.

Gleich um drei Jahre wollte Besiktas den Vertrag verlängern, die meisten anderen hätten wohl umgehend eingeschlagen. „Ich war aber der Meinung, nur ein Jahr sei besser. Ich wollte nicht so langfristig planen – in der Türkei ist alles schnelllebiger.“ Als wenn er eine Ahnung gehabt hätte: „Bernd Schuster kam, und schon in der Vorbereitung konnte ich absehen, dass ich bei ihm keine große Rolle spielen würde.“

Ugur Inceman aber wollte spielen, er bat darum, gehen zu dürfen. Er durfte, aber nicht zu jedem Klub – für Trabzonspor verweigerte Besiktas die Freigabe. Schließlich sorgte Mehmet Özdilek, langjähriger Kapitän und Klub-Legende in Istanbul und inzwischen Trainer bei Antalyaspor, für einen ablösefreien Wechsel.

„Unter der Bedingung, dass ich gegen Besiktas nicht spiele.“ Von 2010 bis 2014 war Inceman glücklich an der türkischen Riviera, „vom Leben und vom Klima her perfekt, und sportlich hat es auch gepasst“. Im dritten Jahr stand Antalya punktgleich mit Galatasaray an der Tabellenspitze, wurde am Ende Siebter. Es folgten: neuer Präsident, neuer Trainer, Verkauf von Leistungsträgern und der Abstieg. Inceman zog noch einmal um, zu Konyaspor in Anatolien, das Team lief als hervorragender Achter über die Ziellinie.

Der Aachener verlängerte seinen Vertrag um ein weiteres Jahr, wurde zum Kapitän ernannt – und kam plötzlich nicht mehr auf die gewohnten Einsatzzeiten. Trainer Aykut Kocaman lieferte keine Begründung, „und ich bin der Typ, der Entscheidungen akzeptiert“. Nach 306 Spielen endete die Karriere in der Süper Lig.

In der Winterpause nun kamen Roda und Inceman zusammen, es passte auch deshalb, weil Sohn Egecan ab der 5. Klasse im Sommer eine deutsche Schule besuchen soll. Eine Ablösesumme musste Kerkrade nicht bezahlen. „Ich habe Geld liegen lassen“, schmunzelt Inceman, zwei Monatsgehälter, mit denen Konya in Verzug war.

Im Parkstad Limburg Stadion warten anspruchsvolle Aufgaben: Heute (18.30 Uhr) kommt der Tabellenfünfte FC Utrecht, am Sonntag (12.30 Uhr) Spitzenreiter Ajax Amsterdam und am nächsten Mittwoch (20.45 Uhr) Feyenoord Rotterdam zum Pokal-Viertelfinale.

„Ich war immer ein klarer Typ, der klare Ziele vor Augen hatte. Die habe ich zum größten Teil verwirklicht.“ Nur etwas mehr als die 45 Länderspiel-Minuten für die Türkei vor knapp zwölf Jahren gegen Dänemark (0:1) „hätte ich mir gewünscht und erwartet“.

Wenn er nun an diesem schönen neuen Alemannia-Stadion vorbeifährt, dann tut Ugur Inceman das „leid“, wenn nicht sogar ein bisschen weh. Der Kreis schließt sich dann doch auf gewisse Weise: Der Heimkehrer wohnt nur einen Steinwurf entfernt von dem Fleck, an dem einst der alte Tivoli stand. „Dort, wo alles angefangen hat.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert