Evivo: Maschinen auf dem Feld mag Mücke nicht

Von: Franz Sistemich
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Begeisterter Harley-Fahrer: Dürens Trainer Michael Mücke auf seinem „Bock“. Aber morgen bevorzugt er in Bühl ein schlichtes Klemmbrett anstatt seiner schweren Maschine. Foto: Guido Jansen

Düren. Neuerungen verschließt sich auch ein alter Hase nicht: Michael Mücke benutzte in dieser Saison zwei Mal an der Seitenlinie ein I-Pad. Doch es erfüllte (noch) nicht seine Erwartungen. Und so griff der 60-jährige Trainer des Volleyball-Bundesligisten Evivo Düren wieder zu seinem alten Klemmbrett, weißen Blättern Papier und einem Stift.

„Ich kann mir so sehr schnell die Spielzüge des Gegners und meiner Mannschaft notieren, kann dir in jeder Auszeit und am Ende jedes Satzes sagen, wo die Stärken und Schwächen der Teams und der Spieler lagen.“ So wird es auch am morgigen Mittwoch sein. In der Großsporthalle in Bühl findet das erste Viertelfinalspiel der Play-off-Runde zwischen dem TV Ingersoll, dem Vierten nach der Hauptrunde, und dem Fünften Evivo Düren statt.

Was war schon leicht?

Beide Partien der Hauptrunde hat der Gastgeber für sich entschieden. Doch das interessiert Michael Mücke herzlich wenig: „Wir haben auf diese Play-off-Runde hingearbeitet, jetzt wollen wir sie genießen, Spaß haben und in das Halbfinale einziehen.“ Dass dieses kein einfaches Unterfangen sein wird, ist dem gebürtigen Ostdeutschen klar, zumal auch Dürens Diagonalangreifer Sebastian Gevert ausfällt.

Aber: Was war schon leicht in Michael Mückes Leben? 1976 wollte der Bürger der DDR in den Westen Deutschlands fliehen. Die Flucht scheiterte. Mücke wanderte für anderthalb Jahre in den Knast. 1978 durfte er die ungeliebte Heimat verlassen.

Beim Hamburger SV startete er als Annahmespieler seine bundesrepublikanische Laufbahn – acht Jahre als Spieler, sechs als Trainer. Aus dem Norden zog es Mücke vornehmlich in den Osten und Westen der Republik. Und so landete er 1996 beim Dürener TV, dem Heimatverein des heutigen Evivo- Teams. Die DTVer pendelten zwischen den Welten: eine Fahrstuhlmannschaft zwischen der Ersten und Zweiten Bundesliga.

Mücke aber schaffte es, in den drei Jahren das Team in der höchsten deutschen Klasse zu etablieren, auch über den Umweg Relegation. Aber egal: Seit dieser Zeit gehören die Rheinländer der Eliteklasse an. Seit dieser Zeit nennen sich die organisierten Anhänger „Moskitos“ – aus der Mücke machten sie das größere Insekt. Seit dieser Zeit genießt der Trainer in Düren große Anerkennung, auch wenn sein Name nicht in Zusammenhang mit den drei Vizemeisterschaften steht.

Und deshalb besannen sich die Dürener Verantwortlichen 2012 auf den Routinier, als es galt, nach der desaströsen Saison mit einer neu formierten Mannschaft dem Bundesliga-Volleyball in Düren neue Impulse zu geben.

„Emotionen pur“ sollten in der Arena Kreis Düren wieder geboten werden. Nun ist der Trainer keiner, der diese Empfindungen an der Seitenlinie vorlebt, aber er schaffte es, aus Individuen ein Team zu formen, das Volleyball mit Leidenschaft spielte – wie auch das der aktuellen Saison.

„Ich sehe mich als Lehrenden, der Spieler und Team besser machen will und dabei die Spieler zu Eigenverantwortlichkeit erzieht. Sie sollen lernen, Entscheidungen zu treffen und zu ihnen zu stehen, egal, ob sie richtig oder falsch waren.“

So wie er vor fast 40 Jahren eine Entscheidung getroffen hatte und ihre Konsequenzen trug. Mücke, mit Friedrichshafens Stelian Moculescu der dienstälteste Trainer, will handelnde Menschen, keine Maschinen auf dem Feld.

Maschinen gefallen ihm praktisch nur in Form einer Harley Davidson. Während seiner Freizeit setzt er sich auch auf den Bock und tourt durch die Eifel. Morgen hat er keine Zeit dafür. Morgen hat er wieder das Klemmbrett in der Hand.

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