Eva Offermann: Die schnellste Marathon-Läuferin im Leichtathletikkreis Aachen

Von: Bernd Schneiders
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Rollesbroich. Düsseldorf-Marathon, die Zielankunft: Im Dauerregen überqueren die schnellsten Läuferinnen die Linie. Startnummer 7, 2, 12, 4, 6, 9, 8, 11 und huh – auf Platz 9 die 4520! Das ist nicht die einzige Überraschung.

Die junge Frau ist die beste Deutsche, kommt aus der Eifel und unterscheidet sich von den meisten Konkurrentinnen. Eva Offermann ist der lebende Beweis, dass man nicht wie ein „Hungerhaken“ aussehen muss, um in diesem kräfte- und fettzehrenden Sport erfolgreich sein zu können. 2:54:01 Stunden – persönliche Bestleistung für die 31-Jährige, die in Rollesbroich lebt, aber für die DJK JS Herzogenrath startet.

Eva Offermann ist die schnellste Langstreckenläuferin im Leichtathletik-Kreis Aachen (Platz 25 Deutsche Bestenliste Marathon 2013/Spiridon Laufmagazin). Aber bei allen Erfolgen hat sie den Sport mit dem hohen Suchtfaktor gut im Griff. Und dazu gehört auch, etwa dem Heißhunger auf ein Stück Torte ohne schlechtes Gewissen nachzugeben. „Irgendwo hört es auf: Ich bin nicht bereit, für ein paar Sekunden meine Lebensqualität einzuschränken.“

Viel wichtiger ist es der Sozialpädagogin, noch möglichst lange laufen zu können. Drei Rennen über 42 Kilometer ist sie im letzten Jahr gelaufen. „Ich liebe es, an Grenzen zu gehen, ich kann kämpfen, aber ich muss nicht zehn Marathons pro Jahr absolvieren: lieber Qualität als Quantität“, definiert sie ihr Credo: „Laufen mit Verstand!“ Das beinhaltet aber dennoch hartes und diszipliniertes Training. Zehn bis zwölf Wochen bereitet sie sich auf ein Langstreckenrennen vor, anschließend steht Regeneration an. In sechs Tagen pro Woche absolviert sie 89 bis 100 Kilometer, immerhin gönnt sie sich einen Ruhetag.

Um in den Kreis der Profis vorzustoßen, müsste sie noch mehr trainieren. „Klar, ich könnte auch zwei Trainingseinheiten pro Tag absolvieren – könnte ich.“ Tut sie aber nicht. Für die Athletin gibt es noch ein anderes Leben neben ihrem Sport. Und so setzt sie ihre Ziele vorsichtig, „realistisch“, wie sie sagt. Ihr aktuelles Ziel: unter 2:50 zu laufen. Zwei Mal Training am Tag kommt nicht in Frage, aber die Eifelläuferin setzt auf andere Veränderungen. Nahrungsergänzungsmittel sind für die 31-Jährige kein Thema. Doch sie hat sich die Frage gestellt: Was kann ich noch machen? Und beantwortet: Ernährungsumstellung. Seit dem letzten Jahr setzt die berufstätige Frau auf hochwertige Lebensmittel.

Obst und Gemüse stehen auf dem Plan, mindestens fünf Mal in der Woche wird gekocht, die Zeiten von lediglich Käsebroten und Schokoriegeln sind vorbei. Die stellvertretende Geschäftsführerin der Komo (Verein zur Förderung der Wiedereingliederung psychisch- und Suchtkranker) geht aber auch in diesem Jahr neue Wege zur natürlichen Leistungssteigerung. Stabilitäts- und Rückenübungen und Yoga stehen auf dem Trainingsplan. „Fünf Jahre habe ich mich nur aufs Laufen konzentriert.“ Diesem Ansatz der Bewegungserweiterung verdankt sie im Grunde ihre Karriere.

Vor elf Jahren bugsierte sie Michael Anders in die Laufbahn. In dessen Sportstudio in Rollesbroich investierte sie viel Zeit und Energie ins Fitness- und Cardio-Training. „Damals meine Lieblingssportart.“ Nach dem Crosser folgte intensives Spinning, bis Anders die ehrgeizige Frau quasi vom Rad aufs Laufband schubste: „Du musst mal andere Reize setzen!“ So nahm die Karriere ihren (Langstrecken-)Lauf. An einem sonnigen Tag im Jahr 2007 kehrte Eva Offermann auch dem Laufband den Rücken zu und startete vom „Fit for life“ ihren ersten Freiluft-Lauf – in Fitnessschuhen. Ihre neue Leidenschaft war geboren. Und es schloss sich ein Kreis. Als Jugendliche hatte sie die Zielankünfte beim Monschau-Marathon in Konzen bewundert. „Ich habe die Läufer so beneidet, sie sahen so glücklich aus.“ Ihr Entschluss stand fest: „Das möchte ich auch mal machen.“ Im Jahr 2009 war es soweit: Der Monschau-Marathon war Eva Offermanns erstes Rennen über die Langstrecke. Bei 3:55:01 blieb die Uhr stehen.

Der Lauf war so wie ihr Training zur damaligen Zeit: „Naiv: Ich bin einfach losgelaufen.“ Ohne Uhr, ohne Laufschuhe, ohne jeden Plan. Bei ihrem ersten Lauf überhaupt, dem Rakkeschlauf, einem Halbmarathon in Roetgen (1:49:49), auch ohne Verein. Sie verpasste sogar die Siegerehrung, da sie nichts von Altersklassen wusste. Es gab zwar keinen Pokal, aber ein Paar Socken – die wurden nachgeschickt.

Einmal im Leben den Monschau-Marathon-Lauf, einmal die 40er-Marke über zehn Kilometer knacken, ein Mal im Leben unter drei Stunden bleiben, ein Mal unter 2:55 und jetzt unter 2:50: Die Ziele werden zu Etappen-Zielen. Auf dem Weg zu diesem speziellen Glücksmoment bei der Ankunft: „So eine Erleichterung! Dass das möglich war – wie hast du das nur geschafft?“, schildert Eva Offermann ihre adrenalingeschwängerten Gedanken.

Der Spaß und der Erfolg bildet zudem einen Kontrast zu ihrer alltäglichen Arbeit. „Ich formuliere dabei auch mit meinen Klienten Ziele, aber diese sind nicht immer fassbar oder werden oft nicht erreicht. Beim Laufen aber habe ich den Erfolg in der Hand. Wenn nicht, ist es allein meine Schuld, wenn ja, kann ich mich freuen.“ Wie etwa beim Marathon in Düsseldorf. Um bei der Kälte und dem Regen Krämpfe zu vermeiden, schluckte die Rollesbroicherin Magnesium vor dem Start. Mit der Folge: „Drei Mal musste ich pinkeln.“

Dass sie mit den Gebüsch-Aktionen so manchen Rote-Kreuz-Helfer schockte, war nicht weiter schlimm. Wohl aber, dass sie Zeit kosteten: Ohne hätte Eva Offermann eine 2:52:46 geschafft.

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