Sotschi - Eröffnungsfeier in Sotschi: Längst nicht alle sind Feuer und Flamme

Eröffnungsfeier in Sotschi: Längst nicht alle sind Feuer und Flamme

Von: Florian Haupt
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Nur vier: Eine riesige künstliche Schneeflocke geht bei der Eröffnungsfeier nicht wie geplant zu einem der fünf Ringe auf.
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Seit 22.53 Uhr Ortszeit am Freitagabend brennt – begleitet von einem Feuerwerk – das olympische Feuer in Sotschi. Foto: dpa

Sotschi. Wladimir Putin verzog keine Miene, als die XXII. Olympischen Winterspiele noch vor Entzünden der Flamme eine lupenreine Blamage erlebten. Wenige Minuten war die Eröffnungsfeier erst alt, es hatte ein A-Z russischen (Erfinder-)Geistes zu bestaunen gegeben, von Chagall bis Tolstoi, vom Sputnik bis zum Fallschirm, auch war „Lubov“ – ein kleines Mädchen namens Liebe, das quasi durch die Zeremonie führte –, durch eine mythische Insellandschaft geflogen, als fünf beleuchtete Schneeflocken die Hauptrolle übernahmen und sich in die olympischen Ringe verwandelten.

Oder besser gesagt: teilweise verwandelten. Denn die Flocke rechts oben blieb partout Flocke. Und über dem Olympiastadion „Fischt“ hingen vier nur Ringe.

Dass der renitente Ring derjenige war, der in der olympischen Semantik für den amerikanischen Kontinent steht, konnte die unfreiwillig ironische Einlage da nur noch verstärken. Ausgerechnet bei den teuersten Spielen aller Zeiten, in Sotschi, wo den Zuschauern zusätzlich zu ihrem Ticket ein Fanpass abgefordert wird wie bei C-Hooligans, bei einem Olympia, das durch das persönliche Engagement Putins wie selten zuvor als Spektakel eines Staatschefs wahrgenommen wird – ausgerechnet dort also gab es die größte kleine Panne der jüngeren Eröffnungsfeier-Geschichte zu bestaunen. Der weltweite Spott ließ nicht lange auf sich warten: „Too afraid to come out“, titelte die britische Ausgabe der „Huffington Post“ in Anspielung auf Terrorangst und Sicherheitswahn: Die Flocke hatte einfach zu viel Angst, um sich zum Ring öffnen.

Wurde der Beginn der Winterspiele in Vancouver vom Tod des georgischen Rodlers Nodar Kumaritaschwili überschattet, so stand das Aperçu von Sotschi derartig im Zeichen der Politik, wie sich das weder Putin noch der neue IOC-Präsident Thomas Bach wünschen konnten. Nimmt man dazu die schwelende Kritik an Gigantismus, Homosexuellen-Diskrimierung oder Umweltzerstörung, dann muss man wohl schon IOC-Chef sein, um ungeniert zu insistieren: „Die Sonne scheint“. Thomas Bach hatte diese meteorologisch korrekte These am Nachmittag als eine Art Kernbotschaft ausgegeben und Zweifler un-olympisch direkt abgebügelt. Als Fechter 1976 in Montreal habe er eine „viel engere und offensichtlichere“ Überwachung durch Sicherheitskräfte erfahren, und was Politik betreffe, sei das IOC keine „supra-nationale Macht, die Regierungen irgendetwas diktieren“ könne. Schwierige Spiele hat Bach da zu seinem Debüt erwischt. Er dürfte inständig hoffen, dass sich, wie so oft in der Vergangenheit, der öffentliche Eifer auf das Medaillenzählen verlegt, wenn es nun losgeht.

Die Eröffnungsshow selbst war bunt, halbwegs kurzweilig, ästhetisch ansprechend und streckenweise liturgisch innovativ (die Mannschaften marschierten viel früher ein als gewöhnlich), aber auch geschichtlich überladen und nicht so zeitgenössisch wie die Pop-Hymne bei den Sommerspielen 2012 in London. Mit ihren gelbgrünweißblauen Jacken zur geblümt-orangenen Hose schafften es die Deutschen zwischenzeitlich, dem fehlenden Ring als wichtigstes Gesprächsthema den Rang abzulaufen.

Aus der großen Auswahl russischer Sportlegenden durfte die in Sotschi aufgewachsene Maria Scharapowa die olympische Fackel ins Stadion tragen, endgültig Licht über Sotschi machten dann zwei Ex-Stars aus Russlands Kernwintersportarten Eishockey und Eiskunstlauf, Wjatscheslaw Tretjak und Irina Rodnina. Die olympische Glut, sie brennt also. Aber längst nicht alle sind Feuer und Flamme.

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