Aachen - Erobert Totilas wieder die ganz große Bühne?

Erobert Totilas wieder die ganz große Bühne?

Von: Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:
8166626.jpg
Zurück im Viereck: Matthias Alexander Rath und Totilas kehren nach zweijähriger Pause heute wieder zum CHIO zurück. Foto: Thomas Rubel

Aachen. Der Verkaufsstand mit den Tassen, T-Shirts, Decken fehlt. Totilas ist zurück, aber die Marketing-Maschine ist zumindest vorerst angehalten. Der Sport rückt in den Vordergrund. „Matthias Alexander Rath und er haben eine lange Durststrecke hinter sich, sie sollen erst einmal Fuß fassen“, sagt Kai Meesters, der sich für die Firma MM-Promotion um die Vermarktung des Wunderpferdes kümmert.

Totilas ist wieder da, er startet heute um 14.18 Uhr im erweiterten Dressurstadion, aber noch ist nicht abzusehen, wie die Geschichte des Wunderpferdes weitergeht. Als der Rapphengst vor ein paar Jahren mit seinem damaligen niederländischen Reiter Edward Gal in Aachen – nun, ja – auftrat, gab es Zuschauer, denen die Tränen übers Gesicht liefen. So anmutig, so vollendet war der Ritt. Es war überwältigend. Totilas war der Vorreiter für eine wachsende Dressurbegeisterung.

Wie die Geschichte weiterging, ist schon einige Male erzählt worden. Der Pferdebesitzer Cees Visser stellte das Pferd zum Verkauf, Paul Schockemöhle kaufte es 2010 für geschätzte zehn Millionen Euro, bildete mit Ann Kathrin Linsenhoff eine Besitzergemeinschaft. Fortan sollte deren Stiefsohn Matthias Alexander Rath die Erfolgsgeschichte fortschreiben. Und Gal spielte ein bisschen die Rolle des armen Reiters, dem sein bestes Pferd im Stall weggekauft wurde, obwohl er vorher eine Übereinkunft mit seinem Besitzer eingegangen war.

Die Leichtigkeit verflog

Die Dinge haben sich kompliziert entwickelt, Erfolge stellten sich zwar ein, aber die Anmut, diese Leichtigkeit war verflogen. So richtig bekam Rath das willensstarke Tier nicht in den Griff. Totilas wurde wieder irdisch. Bei der Europameisterschaft 2011 blieben Rath und er ohne Einzelmedaille. Danach wurde es ziemlich ruhig um die beiden.

Erst fiel der Reiter mit Pfeifferschem Drüsenfieber langfristig aus, denn verletzte sich der Hengst beim lukrativen Deckeinsatz am Bein. Pause. Zurück blieb auch Schadenfreude, weil sich der Erfolg im Sport dann doch nicht erkaufen lässt, und weil die Menschen gerne den Star begleiten, sich aber auch an der Fallhöhe berauschen. Totilas war eine Art Popstar: Spiegel, Bunte, Stern, ZDF, RTL ... – sie alle baten um Audienz. Die Vermarktung des Paars war nicht allen geheuer. „Man hätte die ganze Sache anders angehen müssen. Ich hätte gewartet, bis ich meine Piaffen und Passagen hinbekomme, und dann vielleicht mal über das Drucken von Totilas-Shirts nachgedacht“, sprach Ludger Beerbaum aus, was viele dachten.

Kai Meesters sieht die Dinge naturgemäß anders. „Die Vermarktung hat dem gesamtem Dressursport geholfen.“ Der kraftvolle Hengst pausierte, aber von dem Hype profitierten dann andere wie die erfolgreiche Helen Langehanenberg.

Rath hat nicht nur die Piaffen und Passagen gelernt, er hat auch gelernt, mit der wuchtigen Kritik und der ungeheuren Erwartungshaltung umzugehen. Die Zwangspause hat ihn gelassener gemacht, sagt er. Das Paar hat zusammenfinden können – ohne richterliche Bewertung. Das Tier ist lange aus der Öffentlichkeit verschwunden, bot nur Kontakt über seine erfolgreiche Facebook-Seite. Totilas hat in aller Ruhe seine Verletzung auskurieren können. Sie trainieren jetzt regelmäßig bei Sjef Janssen, dem ehemaligen niederländischen Bondscoach, der wegen seiner Rollkur-Methoden durchaus umstritten ist. „Er hat uns definitiv weitergebracht“, sagt Rath.

Ende Mai sind sie zurückgekehrt, haben dafür kleinere Turniere gewählt, ehe jetzt die große Bühne wartet. „Totilas genießt das große Publikum“, sagt er. Der Rappe ist immer noch eine Art Rampensau. Die Ergebnisse waren stark. In Perl-Borg, der ersten WM-Sichtung Ende Juni, wurde das Paar gerade im Grand-Prix mit 85,18 Prozentpunkten bewertet – das beste Grand-Prix-Ergebnis des 14-jährigen Hengstes und damit auch die Bestätigung für Rath.

Ziele für Aachen? „Wir brauchen niemandem mehr etwas zu beweisen“, sagt Rath. Eine WM-Teilnahme in Caen ist im Hinterkopf. Rath und Totilas gehen das nächste Kapitel ruhiger an. Vielleicht ist die Ausgangslage einfacher geworden. Keine Tassen vorerst, keine überzogenen Erwartungen. Es könnte doch noch ein berufliches Happy End geben. Privat hat Rath es längst erlebt: Er hat die Bühnenpause sinnvoll genutzt, hat geheiratet und wird Vater.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert