Eishockey: Deutschland träumt vom Viertelfinal-Coup gegen Kanada

Von: Klaus Schmidt
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Im Freudentaumel: Yannic Seidenberg (von links), Felix Schütz, Patrick Hager, Penaltyschütze Frederik Tiffels und Christian Ehrhoff (vorne) wollen heute Kanada ärgern. Foto: imago/Horstmüller
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Starker Rückhalt: Auf Philipp Grubauer kommt es auch heute an. Foto: imago/Jan Hübner

Köln. Kurz nach Mitternacht kam die Kölner Clique aus dem Lieferanteneingang der Arena, fein gekleidet im Ausgehzwirn des Verbands, und es sah nicht so aus, als wollte man in den Mannschaftsbus Richtung Hotel einsteigen. „Tolles Spiel, Müller“, rief einer in Fankluft, und weil der Mann offensichtlich keinen Keil in die Gruppe treiben wollte, schob er noch hinterher: „Ehrhoff, Du auch.“

Das war freundlich übertrieben; Ehrhoff, Christian, hatte seine Mannschaft fast Kopf und Kragen gekostet, als er knapp zwei Stunden zuvor auf die Strafbank gewandert und der Gegner in Führung gegangen war. Das deutsche Eishockey-Nationalteam drohte aus seinem „Wohnzimmer“ zu fliegen, am Ende dieser Achterbahnfahrt ins Viertelfinale der Weltmeisterschaft gegen Titelverteidiger Kanada (Donnerstag, 20.15 Uhr/Sport1) durfte auch der Kapitän erleichtert feststellen: „Der Charakter, noch einmal so zurückzukommen, sagt eigentlich alles über uns.“

Die Augen von Marco Sturm glänzten nach dem 4:3 nach Penaltyschießen gegen Lettland. Der Bundestrainer sprach von harter Arbeit, Wille, Leidenschaft, von einem „big battle“, einer großen Schlacht und dem „mit Abstand besten Spiel“ seines Teams in diesem Turnier. Und er wurde fast ekstatisch: „Eishockey ist einfach ein geiler Sport. Wer heute nicht begeistert war . . .“

Das ließ sich natürlich leichter sagen als nach einem Vorrunden-K.o., der bleiern über der Eisfläche gelegen hatte. So kamen nun einige infrage für die Heldengeschichte, vorne weg Frederik Tiffels, der den entscheidenden Penalty verwandelte. „Das kann man sich nicht besser erträumen, es war wunderschön“, sagte der 21-Jährige von der Western Michigan University.

Aus einem Bauchgefühl heraus hatte der Bundestrainer ihn sowie Dominik Kahun und Leon Draisaitl – das Trio aus gemeinsamen Zeiten bei den Jungadlern Mannheim – für die ultimative Entscheidung aufgerufen. „Die Drei sind, glaube ich, in einem Zimmer, auch wenn es nur ein Doppelzimmer ist“, gab Sturm amüsante Einblicke in die Raumbelegung.

Natürlich drängte sich auch Philipp Grubauer auf für eine Geschichte dieses Abends. „In solchen Spielen braucht man einen erstklassigen Torwart, und den haben wir heute gehabt. Er hat super gehalten und war sensationell im Shootout“, lobte der Headcoach den NHL-Profi. Hinter den offensichtlichen Protagonisten empfahlen sich weitere Cracks eher aus dem Verborgenen: Leon Draisaitl zum Beispiel, der mit einem weiteren bemerkenswerten Assist den 3:3-Ausgleich erst möglich gemacht hatte. Oder Dennis Seidenberg, den Marco Sturm nach Abschluss der Vorrunde ausrief zum „besten Verteidiger im Turnier – mit Abstand“.

Heute Abend nun wartet die auf dem Papier denkbar größte Herausforderung, der Titelverteidiger, der den Hattrick will – auch ohne Superstar Sidney Crosby von Stanley-Cup-Sieger Pittsburgh Penguins. „Es ist jetzt nicht so, dass man nervös werden muss, nur weil es Kanada ist“, bleibt Philipp Grubauer gelassen. Der Bundestrainer weiß selbstverständlich, dass seine Mannschaft mindestens „defensiv besser stehen muss“ als im Drama gegen Lettland. „Wenn ich diese Gegentore sehe . . . Aber gegen Kanada haben wir absolut nichts zu verlieren. Die Jungs sind happy, befreit, jetzt wollen wir die Heim-WM noch mal richtig genießen.“

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