Eine Schwalbe bringt Borussia auf die Verliererstraße

Von: Christoph Ruf
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Bewusst eingefädelt – und Schiedsrichter Florian Meyer fällt trotz konzentrierter Beobachtung drauf rein: Nürnbergs Mike Frantz schindet gegen Gladbachs Thorben Marx einen Foulelfmeter. Foto: imago/Zink

Nürnberg. Schon nach 200 Sekunden Spielzeit musste sich Schiedsrichter Florian Meyer („Hoyzer!“) Unschönes aus der Gladbacher Fankurve anhören. Der Referee hatte auf Elfmeter entschieden, nachdem Nürnbergs Mike Frantz („Es stimmt, ich falle komisch“) im Strafraum zu Fall gekommen war. Der Ärger der etwa 3000 Borussen-Fans war berechtigt, wie die Fernsehbilder bewiesen.

Thorben Marx hatte den Nürnberger Offensivmann vor dessen Flugeinlage wenn überhaupt nur minimal getroffen – ein Umstand, der nach der Partie auch Lucien Favre in Rage versetzte: „Eine klare Schwalbe. In Deutschland werden viel zu schnell Elfmeter gepfiffen. Und durch so etwas bekommt ein Spiel eine ganz andere Richtung.“

Tatsächlich lag die Borussia nach dem Pfiff zurück. Timmy Simons verwandelte den Elfmeter zur Führung für die Franken (4.). Schon früh war damit das Konzept von Lucien Favre über den Haufen geworfen, das ein intelligentes Konterspiel vorgesehen hatte.

Kurz nach dem unglücklichen Rückstand hätte die Borussia dennoch fast ausgeglichen. Patrick Herrmann, einer der Besten im Borussen-Team, spielte Raphael Schäfer aus, doch Hiroshi Kiyotake klärte auf der Linie (8.). „Da hatten wir Glück“, fand der FCN-Keeper, „Gladbach kann Fußball spielen, wenn man sie lässt.“ Das allerdings gestatten die Hausherren den Borussen erst im zweiten Durchgang. Im ersten agierten die Nürnberger bissiger als zuletzt, sie störten früher und setzten die Vorgabe von Neu-Coach Michael Wiesinger um, konsequenter den Weg in die Spitze zu suchen.

Dabei wurden sie allerdings immer wieder durch rätselhafte Abspielfehler der Borussen begünstigt. So auch in der 30. Minute, als Marx einen riskanten Querpass auf Höhe der Mittellinie spielte, den Adressat Tolga Cigerci nicht erreichen konnte. Stattdessen schnappte sich Nürnbergs Kiyotake das Leder. Dessen Pass in die Spitze verwertete wiederum Tomas Pekhart – die Borussia lag bereits nach einer halben Stunde mit 0:2 zurück (30.). „Das war unnötig und naiv“, ärgerte sich Favre, ohne Sünder Marx beim Namen zu nennen. „Danach wurde es natürlich schwer.“

Das war aus Sicht der Rheinländer umso ärgerlicher, als der Gast bis dato durchaus gute Ansätze gezeigt hatte. Doch in entscheidenden Phasen der Partie machte sich die Borussia durch Unkonzen-triertheiten selbst das Leben schwer. Da nützen auch Entlastungsangriffe wie der aus der 36. Minute nichts, als Herrmann das Laufduell gegen zwei Nürnberger gewann, aber genauso an Schäfer scheiterte wie kurz darauf Luuk de Jong (43.).

Der 0:2-Pausenrückstand war alles in allem nicht unverdient. Zu fehlerhaft war das Passspiel der Gäste, die vor allem in der Mittelfeld-Zentrale unverzeihliche Defizite aufwiesen – defensiv wie offensiv. De Jong, Juan Arango und Herrmann mussten sich die Bälle meist selbst in der gegnerischen Hälfte holen.

Doch wer nun dachte, die Begegnung sei entschieden, sah sich getäuscht: Die zweite Halbzeit ging eindeutig an die Gäste, die es allerdings versäumten, sich mehrere zwingende Torchancen zu erspielen. Die klarste nutze Herrmann in der 58. Minute zum 1:2-Anschlusstreffer. Erneut war er dabei schneller und durchsetzungsstärker als Timm Klose und Per Nilsson im Nürnberger Dress. In der 68. Minute hatte der eingewechselte Peniel Mlapa die nächste gute Gelegenheit für die Borussia, doch sein Schuss von der Strafraumgrenze verfehlte das Tor um zwei Meter. Kurz darauf war Schluss für den Angreifer, nach nur 20 Minuten Einsatzzeit humpelte er vom Platz, für ihn kam Mike Hanke.

Doch auch der Club hatte noch Gelegenheiten, die Führung auszubauen. Doch Marc André ter Stegen klärte gegen Robert Mak (79.). Nürnberg verwaltete nun clever seine knappe Führung, ein bedingungsloses Aufbäumen blieb auf Gladbacher Seite aus. Ein Unentschieden wäre dennoch verdient gewesen, wie nicht nur Roel Brouwers fand: „In der ersten Hälfte haben wir nicht gut gespielt, danach haben wir aber alles versucht. Schade, dass das 2:2 nicht mehr gefallen ist.“

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