Eine Niederlage von nahezu tölpelhafter Art

Von: Klaus Schmidt
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Nicht zu fassen: Sascha Marquet, Alemannias Torschütze zum 2:2. Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. Marcus Hoffmann fasste sich mit beiden Händen ans Gesicht und schüttelte immer wieder den Kopf, so wie es jemand tut, dem gerade eine große Ungerechtigkeit widerfahren ist. Die Spieler des Gegners kamen auf die Alemannen zu, sie trösteten auf eine Weise, dass es fast schon entschuldigend wirkte.

Marco Neppe schlich vom Platz, „ich bin sprachlos“, er war‘s dann doch nicht. „So ein Spiel habe ich in meinem Leben noch nicht gespielt.“ Beim 2:3 des Aachener Fußball-Regionalligisten gegen die „Zweite“ von Fortuna Düsseldorf wurde so ziemlich alles auf den Kopf gestellt, was normalerweise zwingend nur einen Gewinner geben kann. „Chancen für drei Spiele“ hatte auch Chefcoach Peter Schubert gesehen; am Ende stand eine Niederlage von nahezu tölpelhafter Art.

Löhes erster Patzer

6200 Zuschauer wurden schnell auf Jubelstimmung programmiert. Nachdem Sascha Marquet die erste saftige Chance freistehend vor Fortuna-Keeper Boss vergeben hatte, köpfte Hoffmann nach Ecke von Aimen Demai (19.) zur Führung ein. Armand Drevina war auf dem Weg zum 2:0, doch nach einer halben Stunde holte Alemannia durch eine überflüssige Ecke, verursacht von Jochen Schumacher, die Gäste ins Spiel. Frederic Löhe entschied sich herauszulaufen, das hätte er besser unterlassen. Der von Karpuz hereingeschlagene Ball schlug vom Innenpfosten zum Ausgleich über die Linie (33.).

Dennoch hätte Alemannia mit Vorsprung in die Kabine gehen können, Dennis Dowidat ließ innerhalb von Minutenfrist zwei Möglichkeiten liegen. „Laufwege, Zusammenspiel, super erarbeitete Chancen – eigentlich hat alles gestimmt“, da lag Sascha Marquet richtig. Es sollte sich anders entwickeln. Zimmermann senste Jannik Stevens Rot-würdig um, der Düsseldorfer kam mit Gelb davon, der Aachener musste mit einer starken Schienbeinprellung vom Platz. Schubert ereiferte sich über Schiedsrichter Sascha Stegemann: „Es kann nicht sein, dass uns daraus ein Nachteil entsteht. Ich hatte keine Möglichkeit zu wechseln – aber der Schiri lässt nachspielen.“ In Unterzahl kassierte Aachen durch den blankstehenden Aydin den zweiten Gegentreffer. Und wenige Sekunden nach Wiederanpfiff durch Kenia fast den dritten. Es blieb für lange Zeit die letzte Fortuna-Meldung.

„Irgendwann habe ich aufgehört, die Chancen zu zählen“, sagte Peter Schubert. Vermutlich nach den Hochkarätern, die nun folgen sollten: Pfostenschuss von Michael Lejan, Dowidat im Nachschuss drüber (51.). Pfostenschuss von Marquet (58.). Dann endlich der längst überfällige Ausgleich, vorbereitet durch die eingewechselten Mazan Moslehe und Sasa Strujic (Gelbsperre in Oberhausen), vollendet durch Marquet (72.). Der achtfache Saisontorschütze hatte vier Minuten vor Schluss die Option auf Saisontor Nummer neun – Boss klärte zur Ecke. Demai schritt zur Tat, hoch und an den „langen“ Pfosten flog der Ball – und Moslehe köpfte vorbei.

Es sollte mit der denkbar schlechtesten Möglichkeit an diesem Nachmittag enden. Den finalen Treffer durch Kenia (89.) wollte Kapitän Peter Hackenberg, der den Ball auf Löhe zurückgespielt hatte, zwar auf seine Kappe nehmen. Doch das ließen weder der Trainer noch der Torhüter stehen. Löhe brauchte dafür keine Worte: „Freddi sitzt völlig niedergeschlagen in der Kabine“, berichtete Schubert über den Mann, der sich ansonsten regelmäßig und verlässlich den Fragen stellt. „Er muss den Ball nur nach vorne schlagen. Durch diesen Blackout haben wir uns um den Lohn gebracht.“

Das ist ein Teil der Wahrheit, denn so weit hätte es bei nur annähernd guter Chancenverwertung gar nicht erst kommen müssen. Die Düsseldorfer Spieler wurden noch gefragt, warum sie denn am Tivoli gewonnen hätten. Sie lächelten nur, sie wussten es nicht.

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