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Ein weiterer Stachel im Fleisch von Lucien Favre

Von: Bernd Schneiders
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Mönchengladbach. Nie waren Pfostenschüsse so wertvoll wie am Freitagabend. Wie eine Monstranz trugen Mönchengladbachs Spieler sie vor sich her, um nicht gänzlich bekräftigen zu müssen, beim 0:2 gegen Bayern München buchstäblich chancenlos gewesen zu sein.

Mit einem überwältigenden Gefühl von Ohnmacht wollte niemand in die restlichen 16 Spiele der Rückrunde gehen. Und so bemühte sich sogar Lucien Favre, Zweifel an der eigenen Stärke zumindest unter Kontrolle zu halten. Normalerweise versinkt der Coach direkt nach einem Spiel mit entsprechendem Resultat oder auch nur einer enttäuschenden Leistung fast in Depression. „Wenn wir ein Tor geschossen hätten, weiß ich nicht, was passiert wäre . . .“, konjunktivierte diesmal der Gladbacher Fußballlehrer.

Nüchterne oder weniger pädagogisch ausgerichtete Zeitgenossen hätten das „Nicht-Wissen“ des Schweizers leicht beantwortet: „Bayern hätte mal kurz noch mehr aufgedreht.“ Aber auch so reichte die Phase zwischen dem 1:0 durch Mario Götze und Borussias starken fünf Minuten vor der Halbzeitpause, um Gladbachs Dauerläufer Christoph Kramer zum „Zeugen der Bayern-Stärke“ konvertieren zu lassen.

Womöglich ahnte der 23-Jährige, dass einige Borussen-Anhänger – wahrscheinlich auch die der „anderen“ – etwas vermisst hatten, was gemeinhin als Allheilmittel gilt, wenn man mit einer schier aussichtslosen Fußball-Aufgabe konfrontiert wird. „Versuch mal, gegen die Bayern in einen Zweikampf zu kommen“, forderte er die umstehenden Journalisten in einer Mischung aus Bewunderung und Frust auf. „Sie stehen überragend im Raum. Und ihnen springt kein Ball weg!“

Der Leih-Mittelfeldspieler von Bayer Leverkusen wollte sich keineswegs bei seinem Trainer einschmeicheln. Favre referiert zu gerne über technisch-taktische Defizite bei fast allen seiner Spieler, nicht um der Kritik willen, sondern um klar zu machen, wie weit der Weg sich individuell und als Mannschaft weiterzuentwickeln, noch ist. Der Mittelfeldspieler stand vielmehr immer noch unter dem Eindruck des Münchner Fußball-Rüstzeugs, dass auch ohne die noch einmal aus der Schar der Stars herausragenden Ribéry und Robben überdeutlich wurde.

Natürlich gibt es einen Ansatz, diese fußballerische Potenz der Guardiola-Schüler zu brechen. Stellt man sich mit zehn Feldspielern in den eigenen Strafraum, werden auch die Räume für die Überspieler kleiner. Mit grenzwertigem Zweikampfverhalten könnte man ihnen obendrein zusätzlich weh tun. Aber das ist mit einem Lucien Favre nicht zu machen. Seine erste Maßnahme in seiner nun bereits fast dreijährigen Schaffensperiode am Niederrhein war, Fouls zu vermeiden. Der Zweck heiligt bei dem so akribisch arbeitenden Trainer nicht jedes Mittel. So verführerisch einfach auch der populistische Ruf nach mehr Härte als Anti-Bayern-Spielweise sein mag, Sportdirektor Max Eberl & Co. wissen, dass dies mit dem FC Barcelona-Bewunderer nicht zu machen ist.

„Du kannst auch anders gegen die Bayern spielen“, meint Lucien Favre. Und meinte natürlich nicht härter, sondern besser. Von dieser Erkenntnis werden sein Klub und seine Spieler profitieren. „Es war nicht die beste Leistung von Gladbach“, machte der 56-Jährige den kommenden Mannschaften aber auch sich selbst Mut, die Münchner zum ersten Mal in dieser Saison oder auch grundsätzlich bezwingen zu können. Favre wird im Training noch intensiver mit Herrmann & Co. arbeiten.

Diese Niederlage gegen die Bayern ist ein weiterer Stachel im Fleisch des Mannes, der aus der lernfähigen und -willigen Mannschaft ein Topteam formen kann. „Es gibt viel zu tun.“ Für enttäuschte Gladbach-Anhänger ein Versprechen, für zukünftige Gegner fast eine Drohung.

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