Ein verdienter Sieger und ein würdiger Abschied

Von: Lukas Weinberger
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Scherbarth
Hier grüßt der Sieger: Tobias Scherbarth überwindet als einziger Starter 5,60 Meter. Foto: Wolfgang Birkenstock
Otto
Abschied: Björn Otto nach seinem letzten Sprung auf dem Aachener Katschof. Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. Es dauert normalerweise immer ein paar Sprünge, bis die Zuschauer auf dem Aachener Katschhof richtig laut werden, bis sie klatschen, pfeifen, jubeln. Bis sie den Platz zwischen Dom und Rathaus in den sogenannten Hexenkessel verwandeln. So nennen ihn diejenigen, die schon mal da gewesen sind, wenn darauf das Net­Aachen-Domspringen stattfindet.

Es lag an Björn Otto, dass das am Mittwochabend bei der 12. Auflage des Stabhochsprung-Wettkampfs von Alemannia Aachen ein bisschen anders gelaufen ist. Otto nämlich eröffnete den Wettkampf, den letzten seiner langen Karriere. Mit einem sauberen Sprung über 4,80 Meter. Und noch bevor er auf der Matte landete, war der Katschhof schon wieder ein Hexenkessel.

Otto ist in Aachen ja so etwas wie ein Volksheld, er hat das Domspringen vier Mal gewonnen, 2012 mit 6,01 Metern sogar den Deutschen Rekord aufgestellt. Es sollte ein würdiger Abschied werden. Und das klappte. Otto wurde am Ende mit übersprungenen 5,10 Metern Achter, und die Zuschauer feierten ihn ausgiebig – so wie auch den Leverkusener Tobias Scherbarth, der den Wettkampf mit 5,60 Metern erstmals gewann.

Das Domspringen war gerade ein paar Sekunden alt, da war klar, dass Otto seine Karriere nicht ohne gültigen Versuch beenden würde. 4,80, 5,00, 5,10, kein Problem. Der 39-Jährige kann es eben noch, auch wenn er wegen einer Verletzung zweieinhalb Jahre keinen Wettkampf bestreiten konnte und die Ferse immer noch schmerzt.

An den 5,20 Metern scheiterte Otto dann aber drei Mal, und als um 19.27 Uhr seine Karriere vorbei war, kamen sie alle: Springer, Trainer, Weggefährten, Freunde und bei Otto auch die Tränen. So wie auch nach dem Wettkampf, als er nochmals geehrt und beschenkt wurde. Er sagte: „Aachen ist der Wahnsinn, das war genau der Abschied, den ich mir erhofft habe.“ Dieser Wettkampf sei sein emotionalster gewesen. „Und ich werde diesem grandiosen Meeting sicher als Fan treu bleiben.“

Was Otto meinte, wurde klar, als der Wettkampf Fahrt aufnahm. Insgesamt fünf Athleten waren über 5,40 Meter gesprungen. Und dann waren es Scherbarth und der Niederländer Menno Vloon, die für die ersten Ausrufezeichen sorgten: Beide übersprangen 5,50 im ersten Versuch. Der Pole Piotr Lisek folgte im zweiten Versuch, Stanley Joseph aus Frankreich knackte die Höhe im dritten.

Nur der Belgier Ben Broeders musste die Segel streichen. Bei 5,60 Metern taten sich dann aber alle vier Springer schwer, alle mussten sie in den letzten Versuch. Erst scheiterte Joseph, dann auch Vloon hauchdünn. Es war dann Scherbarth, der das Publikum erlöste: Er übersprang die 5,60 Meter im dritten Versuch – und setzte Lisek unter Druck. Der Pole konnte nicht nachlegen, und damit stand Scherbarths Sieg fest.

Der Leverkusener ließ noch 5,80 Meter auflegen, er wollte persönliche Bestleistung springen. Weil das nicht klappte, reichte erstmals eine Höhe von unter 5,70 Metern zum Erfolg. Scherbarth war‘s egal, natürlich, er sagte: „Ich genieße diesen Erfolg auf jeden Fall sehr.“ Ein verdienter Sieger.

Wie auch seine Teamkollegin Victoria van Eynatten. Sie hatte den Wettbewerb der Frauen mit 4,20 Metern gewonnen. Die Aachenerin Arleen Schüßler war drei Mal an ihrer Einstiegshöhe von 3,60 Meter gescheitert.

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