Aachen - Ein ganz feines Gespür dafür, wer im Parcours volles Risiko geht

Ein ganz feines Gespür dafür, wer im Parcours volles Risiko geht

Von: Lukas Weinberger
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Übers Wasser laufen können sie nicht, müssen sie aber auch nicht: Hans-Dieter Dreher und sein Pferd Quiwi Dream.

Aachen. Die Stimmung ist gut an diesem Samstagabend, und, ja, es drängt sich der Eindruck auf, dass die Zuschauer am vorletzten Tag des CHIO noch nicht genug vom Treiben in der Soers bekommen haben. Es ist angenehm warm, aber die Hitze drückt nicht mehr, es gibt ein paar Regentropfen.

Auf dem immer noch saftigen Grün im Herzen des Stadions läuft das Jagdspringen, es geht über Gräben und Wälle, durchs Wasser und das alles im höchsten Tempo – eine der spektakulärsten Prüfungen.

Der Funken will aber noch nicht so recht aufs Publikum überspringen, Applaus und Jubel sind zwar herzlich, aber eben auch nicht mehr. Stadionsprecher Christian Graf von Plettenberg legt sich ins Zeug, fordert beharrlich lautere Anfeuerung ein. So richtig klappen will das nicht – bis etwa 21 Uhr. Da lösen ein Publikumsliebling und sein vierbeiniger Kompagnon den Kommentator als Einpeitscher ab.

Hans-Dieter Dreher geht auf Quiwi Dream – ein neunjähriger Holsteiner Hengst – ins Jagdspringen. Und das Publikum in der Soers hat ein ganz feines Gespür dafür, wer im Parcours volles Risiko geht. Das tut Dreher vom Start weg, und die Zuschauer sind sofort da, sie begleiten seinen irren Ritt mal klatschend, mal jubelnd, mal schreiend. Als Quiwi Dream erst vor einem Hindernis zu verweigern scheint und es dann fast aus dem Stand meistert, wird’s ohrenbetäubend laut.

Dreher und der Holsteiner jagen durchs Wasser, sie fliegen über die letzten Hindernisse – und sie kommen fehlerfrei ins Ziel. Die Eins leuchtet auf der Anzeigetafel auf, 77,82 Sekunden, Dreher liegt 1,33 Sekunden vor Vorjahressieger Shane Breen aus Irland, und das Aachener Publikum feiert ausgelassen. „Wenn das Publikum so mitgeht, spornt mich das an, wirklich alles zu geben“, sagt Dreher anschließend.

Das Jagdspringen ist für die Fans eine riesige Party, die Reiter genießen es ebenfalls. „Es ist einfach eine grandiose Abwechslung“, sagt Christian Kukuk. Ob Schweden, Schweizer oder Katari – alle Starter haben Spaß im Parcours, das merkt man. Und, nein, man kann nicht sagen, dass sie weniger vom Publikum unterstützt werden. Das zeigt sich beim Siegesritt eines Belgiers. Olivier Philippaerts peitscht auf Carlito ebenfalls wie ein Irrwisch durch den Parcours. Und als sich das Duo in 76,60 Sekunden noch vor Dreher und Breen schiebt, fällt der Jubel auf den Rängen des Springstadions nicht weniger üppig aus als zuvor beim Auftritt von Dreher und Quiwi Dream.

Der zweite Springwettbewerb an diesem Abend ist sportlich hochwertiger, auch das Publikum fährt die Konzentration wieder hoch. Nur als ein Ordner im Vollsprint Ersatz für eine zerbrochene Hindernisstange beschafft, keimt noch einmal kurz Partystimmung auf. Der souveräne Sieg des Italieners Emanuele Gaudiano auf Caesario wird eher mit anerkennendem Kopfnicken goutiert als mit stürmischem Jubel. Den gibt‘s nur für den Wahl-Heinsberger Tim Hoster und Quality, die als vorletzte Starter noch vor Cameron Hanley auf Rang 2 reiten.

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