Ein Aachener bei der Eishockey-WM: Wenn alles glatt laufen muss

Von: Christoph Classen
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Eine Kugel geht immer: Sascha Koullen, 36, Eismeister aus Aachen. Foto: Wolfgang Birkenstock
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Untergrund-Arbeit: Sascha Koullen sitzt in einer Eismaschine wie dieser. Foto: imago/Eibner

Aachen. Es ist nicht so, dass Sascha Koullen kein Eis mehr sehen kann, dabei wäre es ja verständlich. Koullen, 36, aus Aachen, ist bei der Eishockey-WM in Köln als Eismeister im Einsatz, er sitzt auf einer dieser Maschinen, mit denen der Untergrund bearbeitet wird, von früh bis spät. Gut, aber ein Eis geht noch.„Stracciatella“, sagt Koullen. Dann beginnt das Gespräch.

Herr Koullen, was war das Problem mit dem Eis?

Sascha Koullen: Bei den Spielen Deutschland gegen Slowakei und Russland gegen Slowakei meinen Sie?

Ja, die Teams wurden zurück in die Kabinen geschickt, Fans und Fernsehen mussten warten. Was war los?

Koullen: So wie es aussieht, ist da Öl aufs Eis gekommen.

Also Öl. Und kein Alkohol, wie es auch zu lesen war.

Koullen: Das war ja zunächst mal nicht hundertprozentig klar, welche Substanz da aufs Eis geraten ist. Entweder Öl oder ein Reinigungsmittel.

Da wird noch ermittelt.

Koullen: Da wird noch ermittelt.

Im Ernst?

Koullen: Es gab eine Untersuchung. Beim Institut Fresenius.

Und bei der schon vorher feststand, dass das Ganze Ihre Schuld war?

Koullen (lacht): Genau. Nein, mal im ernst: Wir können gar nichts dafür. Sowas kommt entweder mit den Spielern aufs Eis. Oder vielleicht durch die Zuschauer. Vor den Spielen gibt es ja eine Show und da ist es in der Halle dunkel. Da kann man schon was aufs Eis schmeißen. Was es auch war: Es kam auf jeden Fall von außerhalb.

Womit Sie als Verursacher ausscheiden, denn mehr mittendrin als der Eismeister bei einer Eishockey-WM geht nicht. Was machen Sie da eigentlich?

Koullen: Na ja, das Eis.

Wie muss das Eis bei einer WM sein?

Koullen: Spiegelglatt. Mit so wenig Beschädigungen wie möglich. Das ist das Ziel.

Sind die Ansprüche höher als, sagen wir, in der Deutschen Eishockey Liga?

Koullen: Nein, die sind gleich hoch. Wir versuchen immer, den Standard so hoch wie möglich zu halten.

Was heißt wir?

Koullen: Wir sind vier Eismeister in Köln. Der Dienst beginnt morgens um acht Uhr, vor dem Training. Die Zeit bis abends um zwölf, wenn die letzte Veranstaltung vorbei ist, müssen wir abdecken. Zwei Maschinen sind bei jedem Spiel im Einsatz, ich fahre immer eine. Die andere wird von einem der Kollegen bedient.

Macht es Spaß, mit dem Ding übers Eis zu fahren?

Koullen: Das macht sicher Spaß. Aber es ist wie mit allem: Wenn man es immer und ständig macht, 450, 500 Stunden im Jahr auf so einer Maschine verbringt, da kann man sich ja überlegen, wie viel Spaß das dann wirklich noch macht.

Klingt nach Arbeit?

Koullen: Ist es auch. Aber klar: Bei der WM jetzt vor zigtausenden Besuchern zu fahren, ist natürlich noch mal ein Highlight. Am Samstag hatten wir bei drei Spielen beinahe 60.000 Zuschauer in der Halle.

Haben Sie sowas schon mal erlebt?

Koullen: Ein ausverkauftest Spiel der Kölner Haie kommt dem nahe. Aber die WM ist schon noch mal etwas ganz anderes, klar. Sehr beeindruckend.

Die Stimmung ist richtig gut?

Koullen: Bombe.

Werden Sie denn auch gefeiert, wenn Sie übers Eis fahren?

Koullen (überlegt): Eher ausgebuht, wenn es mal nicht klappt.

Wirklich?

Koullen: Ja gut, das ist eine Weltmeisterschaft. Wenn die Eismaschine ein zweites Mal rauskommt, und die Leute verstehen nicht, warum, dann bekommt man das schon zu hören.

Haben Sie Verständnis dafür?

Koullen: Ich will es mal so formulieren: Wenn Sie immer Toparbeit abliefern und dann schaffen Sie es einmal nicht, aus welchem Grund auch immer, und dann gibt es so eine Reaktion, ist das natürlich ein bisschen blöd.

Was Sie mit der deutschen Nationalmannschaft verbindet, ist, dass auch dort der Anspruch besteht, eine Topleistung abzurufen. Wie nah sind Sie am Team?

Koullen: Ich bekomme schon so einiges mit.

Was denn?

Koullen: Die Stimmung zum Beispiel. Die war bislang innerhalb der deutschen Mannschaft wirklich sensationell gut. Mit der Ankunft von Leon Draisaitl wurde sie noch etwas besser. Die Jungs sind gut drauf, die sind ein richtiges Team. Die haben Spaß zusammen.

Woran liegt das?

Koullen: Ich denke, ein wichtiger Faktor ist, dass die gesamte Mannschaft zusammen in einem Hotel wohnt. Die Atmosphäre im Team ist mehr so, als wäre die WM woanders, in einem Land weit weg.

Das ist ein Vorteil?

Koullen: Für den Teamgeist ganz sicher. Aber ohne den geht es ja gar nicht. In Deutschland ist Eishockey immer noch eine Randsportart. In den großen Eishockey-Nationen wird der Sport von Kindesbeinen an gespielt. Wie bei uns Fußball. Wenn Deutschland im Eishockey mithalten will, geht das nur über Teamgeist. Und Kämpfen, Kämpfen, Kämpfen.

Von Vorteil ist auch ein guter Nationaltrainer. Was ist Marco Sturm für einer?

Koullen: Ein freundlicher, herzlicher Mensch. Zurückhaltend, unkompliziert, sachlich. Zu hundert Prozent auf die Sache konzentriert. Man sieht ihn bei den Spielen und beim Training. Ansonsten aber nicht. Ich finde, er hat die Mannschaft bislang immer richtig gut auf den jeweiligen Gegner eingestellt. Sturm ist ein Beobachter, ein Stratege.

Welche WM-Strategie fahren Sie?

Koullen: Ab jetzt nur noch tadelloses Eis. So oder so ist klar: Ich bin auf jeden Fall im Endspiel dabei.

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